Triangulierung (Topologie)

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Triangulierung einer Teilmenge der Ebene.

In der Topologie, einem Teilgebiet der Mathematik, ist eine Triangulierung oder Triangulation eine Zerlegung eines Raumes in Simplizes (Dreiecke, Tetraeder oder deren höher-dimensionale Verallgemeinerungen).

Definition[Bearbeiten]

Eine Triangulierung eines topologischen Raumes X ist gegeben durch einen (abstrakten) Simplizialkomplex K und einen Homöomorphismus

h \colon \vert K\vert \rightarrow X

der geometrischen Realisierung \vert K\vert auf X.

Triangulierbarkeit von Mannigfaltigkeiten[Bearbeiten]

Mannigfaltigkeiten bis zur dritten Dimension sind stets triangulierbar, dies wurde von Tibor Radó 1925 für Flächen und 1952 von Edwin Moise für 3-Mannigfaltigkeiten bewiesen. Auch in höheren Dimensionen sind differenzierbare Mannigfaltigkeiten stets triangulierbar nach dem Satz von Whitehead. Einen einfacheren Beweis gab Hassler Whitney mit Hilfe seines Einbettungssatzes.

Alle differenzierbaren und alle PL-Mannigfaltigkeiten sind triangulierbar. Robion Kirby und Laurence Siebenmann zeigten, dass nicht alle topologischen Mannigfaltigkeiten eine PL-Struktur besitzen. Sie zeigten aber auch, dass es triangulierbare Mannigfaltigkeiten ohne PL-Struktur gibt.

Andrew Casson zeigte mit Hilfe der nach ihm benannten Casson-Invariante, dass 4-Mannigfaltigkeiten mit gerader Schnittform und Signatur 8 nicht trianguliert werden können. Aus Freedmans Arbeit weiß man, dass es eine solche 4-Mannigfaltigkeit gibt, sie wird E_8 genannt. Michael Davis und Tadeusz Januszkiewicz bewiesen, dass man durch Hyperbolisierung von E_8 eine nicht-triangulierbare asphärische 4-Mannigfaltigkeit bekommt.

Ende der 70er Jahre konstruierten David Galewski und Ronald John Stern eine Mannigfaltigkeit, die genau dann trianguliert werden kann, wenn jede Mannigfaltigkeit der Dimension \ge 5 trianguliert werden kann. 2013 bewies Ciprian Manolescu, dass die Galewski-Stern-Mannigfaltigkeit nicht trianguliert werden kann. (Grund ist, dass der Rochlin-Homomorphismus nicht spaltet.) Mittels Hyperbolisierung zeigten Michael Davis, Jim Fowler und Jean-François Lafont dann, dass es in Dimension \ge 6 nicht-triangulierbare asphärische Mannigfaltigkeiten gibt.

Hauptvermutung[Bearbeiten]

Die Frage nach der Eindeutigkeit von Triangulierungen wurde als sogenannte "Hauptvermutung" bekannt: wenn die geometrischen Realisierungen \vert K\vert und \vert L\vert zweier Simplizialkomplexe homöomorph sind, gibt es dann kombinatorisch isomorphe Unterteilungen K^\prime,L^\prime der Simplizialkomplexe K und L? Die Hauptvermutung ist im Allgemeinen falsch. Erste Gegenbeispiele fand John Milnor 1961. Milnors Beispiele waren keine Mannigfaltigkeiten, aus den Arbeiten von Kirby-Siebenmann ergaben sich aber auch Mannigfaltigkeiten als Gegenbeispiele.

Ursprüngliche Motivation für die Hauptvermutung war der Beweis der topologischen Invarianz kombinatorisch definierter Invarianten wie der simplizialen Homologie. Trotz des Scheiterns der Hauptvermutung lassen sich solche Fragen oft mit dem simplizialen Approximationssatz beantworten.

Anzahl von Triangulierungen[Bearbeiten]

Die Anzahl der Triangulierungen einer Mannigfaltigkeit kann exponentiell mit der Anzahl der Ecken wachsen. Für die 3-Sphäre wurde das von Nevo und Wilson bewiesen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Tibor Radó: Über den Begriff der Riemannschen Fläche. Acta Sci. Math. (Szeged), 2(1925), 101–121.
  • John Henry Constantine Whitehead: On C1-complexes. Ann. of Math. (2) 41, (1940). 809–824.
  • Edwin Moise: Affine structures in 3 -manifolds. V. The triangulation theorem and Hauptvermutung. Ann. of Math. (2) 56, (1952). 96–114.
  • Hassler Whitney: Geometric integration theory. Princeton University Press, Princeton, N. J., 1957. (Mit einem Beweis des Satzes von Whitehead.)
  • David Galewski, Ronald Stern: Classification of simplicial triangulations of topological manifolds. Ann. of Math. (2) 111 (1980), no. 1, 1–34.
  • Michael Freedman: The topology of four-dimensional manifolds. J. Differential Geom. 17 (1982), no. 3, 357–453.
  • Michael Davis, Tadeusz Januszkiewicz: Hyperbolization of polyhedra. J. Differential Geom. 34 (1991), no. 2, 347–388.
  • Ciprian Manolescu: Pin(2)-equivariant Seiberg-Witten Floer homology and the Triangulation Conjecture pdf
  • Michael Davis, Jim Fowler, Jean-François Lafont: Aspherical manifolds that cannot be triangulated. Alg. Geom. Top. 14 (2014), 795-803. pdf
  • John Milnor: Two complexes which are homeomorphic but combinatorially distinct. Ann. of Math. (2) 74, (1961). 575–590
  • Robion Kirby, Laurence Siebenmann: On the triangulation of manifolds and the Hauptvermutung. Bull. Amer. Math. Soc. 75 (1969). 742–749
  • Eran Nevo, Stedman Wilson: How many n-vertex triangulations does the 3-sphere have? pdf

Weblinks[Bearbeiten]