Tronie

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Tronie einer jungen Frau aus dem Rembrandt-Umkreis; Den Haag, Mauritshuis

Ein Tronie oder Tronje[1][2] (ndl. für ‚Kopf‘, ‚Gesicht‘ oder ‚Gesichtsausdruck‘) ist eine Bildgattung der gegenständlichen Malerei. Dabei handelt es sich um porträtähnliche Kopf- und Charakterstudien, auf denen oftmals anonyme Personen mit interessanter Physiognomie oder Kostümierung dargestellt werden, zuweilen mit literarischer oder allegorischer Bedeutung.

Im 16. Jahrhundert übten sich die Maler an Tronies, die sie nach lebenden Modellen malten, um die Figuren großer Historiengemälde vorzubereiten. Im Laufe des 17. Jahrhunderts etablierten sich diese Gesichterstudien als eigenständige Kunstform. Viele Künstler legten sich Sammlungen von Charakterköpfen an, als Vorstudien für Gemälde, insbesondere für die Historienmalerei. Das Anfertigen von „tronies“ ist besonders in den Werkstätten holländischer Maler des 17. Jahrhunderts verbreitet und entwickelte sich im Umkreis von Rembrandt zu einer eigenständigen Kunstform. Für Tronies, die bei Kunstsammlern zeitweise sehr beliebt waren, gab es in den Niederlanden einen lukrativen Markt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franziska Gottwald: Das Tronie. Muster – Studie – Meisterwerk. Die Genese einer Gattung der Malerei vom 15. Jahrhundert bis zu Rembrandt. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2011, ISBN 978-3-422-06930-5.
  • Dagmar Hirschfelder: Tronie und Porträt in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Mann, Berlin 2008, ISBN 978-3-7861-2567-9.
  • Dagmar Hirschfelder, León Krempel: Tronies. Das Gesicht in der Frühen Neuzeit, Berlin: Gebr. Mann Verlag, 2013.
  • León Krempel: Sapphos Blick über die Schulter. In: Tronies. Marlene Dumas und die alten Meister. München 2010, ISBN 978-3-941263-20-8, S. 10-27.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Joachim Raupp (Hrsg.): Porträts. Niederländische Malerei in der SØR Rusche Sammlung. LIT Verlag, Münster, Hamburg, London, 1995, ISBN 3-8258-2204-4, S. 13 f. (online)
  2. Klaus Grimberg: Rembrandt's Laboratory. The three sides of the Dutch master. Artikel vom August 2006 in The Atlantic Times, abgerufen im Portal atlantic-times.com am 2. Februar 2014