Trugratten

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Trugratten
Gewöhnlicher Degu (Octodon degus)

Gewöhnlicher Degu (Octodon degus)

Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Teilordnung: Hystricognathi
Familie: Trugratten
Wissenschaftlicher Name
Octodontidae
Waterhouse, 1840

Die Trugratten (Octodontidae) sind eine in Südamerika lebende Nagetierfamilie aus der Unterordnung der Stachelschweinverwandten (Hystricomorpha). Die Familie umfasst acht Gattungen mit rund 13 Arten, von denen der Gewöhnliche Degu, der auch in Deutschland manchmal als Heimtier gehalten wird, die bekannteste ist.

Merkmale[Bearbeiten]

Trugratten haben ihren Namen von der äußeren Ähnlichkeit mit Ratten, mit denen sie aber nicht näher verwandt sind. Es sind kleine Nagetiere mit einem dichten, meist braun, grau oder schwarz gefärbten Fell. Sie haben einen relativ großen Kopf und eine spitze Schnauze. Die Augen sind eher groß, die Ohren sind bei den an der Oberfläche lebenden Arten groß und rundlich, bei den unterirdisch lebenden Gattungen (wie dem Coruro) klein. Ihren wissenschaftlichen Namen Octodontidae (zu deutsch „Achtzähner“) verdanken sie der Kaufläche ihrer Backenzähne, die wie die Zahl 8 oder wie eine Niere geformt ist. Die Zahnformel lautet I1 - C0 - P1 - M3, insgesamt haben sie also 20 Zähne.

Die Gliedmaßen sind kurz, die Vorderfüße enden in vier und die Hinterbeine in fünf Zehen, die alle kräftige Krallen tragen. Der Schwanz ist je nach Lebensweise unterschiedlich gebaut, bei den grabenden Gattungen ist er kurz und nackt, bei den an der Oberfläche lebenden Gattungen hingegen lang und oft buschig. Trugratten erreichen eine Kopfrumpflänge von 12 bis 31 Zentimeter und ein Gewicht von 60 bis 700 Gramm.

Eine Besonderheit der Trugratten ist, dass die Chromosomenzahl je nach Art erheblich variiert. Es gibt Karyotypen von 2n=38 bis 2n=102. Mit der Roten und der Goldenen Viscacharatte zählen auch die einzig bekannten tetraploiden Säugetiere (mit vier Chromosomensätzen) zu dieser Gruppe. [1]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Trugratten sind im südlichen Südamerika beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet umfasst das südliche Bolivien, das westliche Argentinien und Chile. Sie haben sich an verschiedene Lebensräume angepasst und kommen im küstennahen Strauchland ebenso vor wie im Hochgebirge in 3500 Metern Höhe.

Lebensweise[Bearbeiten]

Viele Arten können gut graben und leben in Erdbauen, manche Gattungen (insbesondere Coruros) haben sich an eine unterirdische Lebensweise spezialisiert. Viele Arten leben in Gruppen und haben komplexe Sozialstrukturen entwickelt. Trugratten sind Pflanzenfresser, die sich von Knollen, Wurzeln, Pflanzenzwiebeln, Stängeln und ähnlichem ernähren. Ein- oder zweimal im Jahr bringt das Weibchen ein bis zehn Jungtiere zur Welt.

Systematik[Bearbeiten]

Die Trugratten werden innerhalb der Nagetiere zu den Meerschweinchenverwandten gerechnet. Ihre Schwestergruppe sind die Kammratten, die manchmal sogar als Unterfamilie der Trugratten klassifiziert werden. Möglicherweise sind sie auch mit den Chinchillaratten eng verwandt.

Die Familie umfasst acht Gattungen mit 13 Arten:

Die Goldene und die Chalchaleros-Viscacharatte wurden erst 2000 erstbeschrieben und sind spezialisierte Bewohner von Salzwüsten. Systematisch sind diese beiden Arten nahe mit der Roten Viscacharatte verwandt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. 2 Bände. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD u. a. 1999, ISBN 0-8018-5789-9.
  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trugratten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Milton H. Gallardo, G. Kausel, A. Jiménez, C. Bacquet, C. González, J. Figueroa, N. Köhler, R. Ojeda: Whole-genome duplications in South American desert rodents (Octodontidae). In: Biological Journal of the Linnean Society. Bd. 82, Nr. 4, 2004, S. 443–451, doi:10.1111/j.1095-8312.2004.00331.x (PDF, abgerufen am 27. Oktober 2013).