Als Tu-quoque-Argument (lateinisch tu quoque ‚auch du‘) wird der argumentative Versuch bezeichnet, eine gegnerische These durch einen Vergleich mit dem Verhalten des Gegners zurückzuweisen. Es kann als Variante des Argumentum ad hominem verstanden werden[1] und kommt insbesondere gegen moralische Bewertungen oder Vorschriften zum Einsatz.[2]
| Beispiele: |
| A: Du solltest weniger trinken. |
| B: Du säufst doch selbst wie ein Loch! |
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| A: Die katholische Inquisition war verbrecherisch. |
| B: Die Christen sind selbst vom römischen Staat verfolgt worden. |
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Beim tu quoque wird die moralische Berechtigung, eine Behauptung oder Vorschrift aufzustellen, in Frage gestellt gemäß dem Prinzip, dass ein Verhalten oder eine Ansicht, die jemand bei sich selbst oder anderen billigt, von diesem weder allgemein noch in Einzelfällen bei anderen getadelt oder zurückgewiesen werden darf. In einem zweiten Schritt wird behauptet, dass die aufgestellte Behauptung falsch ist, da sie zu Unrecht vorgebracht wurde, oder zumindest zurückgenommen werden muss und im weiteren Verlauf der Argumentation nicht verwendet werden darf.[2]
Das tu quoque ist in der Regel ein logischer Fehlschluss, da das Verhalten eines Menschen keinen Einfluss auf die Wahrheit oder Unwahrheit der von ihm vertretenen These hat und diese auch nicht von seinen früheren Behauptungen abhängig ist; der Angegriffene ist außerdem nicht ohne weiteres als unglaubwürdig zu betrachten, wenn er eingestehen kann, dass er seine Meinung oder sein Verhalten aus gutem Grund geändert hat. Die Argumentationsfigur eignet sich vor allem dazu, die moralische Autorität zu untergraben. Ein tu quoque ist daher umso wirkungsvoller, je mehr sich der Angreifende als moralisch überlegen präsentieren kann.[3]
- Sienho Yee: The Tu Quoque Argument as a Defence to International Crimes, Prosecution or Punishment. Chinese Journal of International Law, Vol. 3, No. 1 (Cumulative No. 5), 2004, S. 87–134 (PDF).
- ↑ Douglas Walton: Ad hominem arguments (Studies in rhetoric and communication). 4 Auflage. Tuscaloosa, Alabama University Press, Alabama 1998, ISBN 978-0-817-30922-0, S. 2 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
- ↑ a b Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. 4 Auflage. C.H. Beck, München 2005, ISBN 978-3-406-42144-0, S. 47 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
- ↑ Hubert Schleichert: Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. 4 Auflage. C.H. Beck, München 2005, ISBN 978-3-406-42144-0, S. 74 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).