Unit Trust

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Der Unit Trust ist eine Form des kollektiven Investments auf Basis eines Treuhandverhältnisses (trust deed). Im Unit-Trust-Statut (siehe auch Fondsprospekt) sind die wichtigsten Regeln festgelegten.

Unit Trusts werden in Australien, Irland, der Isle of Man, Jersey, Neuseeland, Südafrika, Singapur und dem Vereinigten Königreich als Alternative zu Investmentgesellschaft (Fondsgesellschaften) und Vertrags-Fonds (Miteigentum) aufgelegt.

Unit Trusts sind offene Kapitalanlagen. Jeder Fonds hat eine bestimmte Investitionsbreite und -tiefe (Anlageziele) als Vorgabe, welche dem Fonds-Management das Fondsziel und die Grenzen vorgibt.

Herkunft[Bearbeiten]

Der erste Investmenttrust wurde im Vereinigten Königreich als "fixed Trust" unter der Bezeichnung "The Foreign and Colonial Government Trust" aufgelegt und wurde am 20. März 1868 in der "Times" der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Zeitraum von 1870 bis 1930 wurden mehr als zweihundert Investmenttrusts (Investmentgesellschaft) im Vereinigten Königreich aufgelegt. Der Großteil dieser Trusts war in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft (Limited Liability Company) organisiert.[1]

Der erste Unit Trust, basierend auf US-amerikanischen Vorlagen,[2] wurde im Vereinigten Königreich im Jahr 1931 von M&G aufgelegt (nach der Idee von Ian Fairbairn). Grund für die Schaffung des ersten Unit Trust war, das sich während des Börsenkrachs von 1929 gezeigt hat, dass die offenen Investmentfonds in den USA diese Krise relativ stabil überstanden haben. Dies sollte mit der Schaffung eines Unit Trust zu Gunsten und Schutz der Anleger im Vereinigten Königreich nachvollzogen werden.

Dieser erste britische Unit Trust wurde als "The First British Fixed Trust" aufgelegt. Das Fondsvermögen wurde in die Aktien von 24 führenden Unternehmen investiert. Diese Investition wurde für 20 Jahre garantiert und nicht geändert (daher: „fixed Trust“. Es handelt sich dabei um eine Form eines passiv gemanagten Fonds).[3]

Der „First British Fixed Trust“ wurde als „M&G General Trust“ wieder aufgelegt und später in „Blue Chip Fund“ umbenannt (Quelle M&G).

Der erste "richtige flexible" (aktiv verwaltete Unit Trust) wurde 1934 als "The Foreign Government Bond Trust" aufgelegt.[4]

Bis 1939 gab es rund 100 Trusts in Großbritannien.[5] Diese verwalteten rund 80.000.000 £.[6]

Gesetzliche Regulierungen[Bearbeiten]

Bereits im Dezember 1935 wurde von London Stock-Exchange ein Bericht über (fixed) Unit Trusts publiziert und die gesetzliche Regulierung zum Schutz von Anlegern und der Investitionen empfohlen. Die London Stock-Exchange sah sich selbst nicht in der Lage, diesen Schutz zu gewährleisten. 1939 wurde die erste gesetzliche Regelung im Vereinigten Königreich diesbezüglich erlassen (Prevention of Fraud (Investments) Bill).[7]+[8]

Alle nationalen gesetzlichen Regelungen über das Investment und die Verwaltung von Fonds in der EU sind inzwischen weitgehend an die OGAW-Richtlinie und die MiFID-Richtlinie sowie internationale Standards angepasst.

Fonds-Organisation[Bearbeiten]

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  • Der Fondsmanager arbeitet für den Fonds um Gewinne zu erzielen. Seine Hauptaufgabe im Fonds ist die Auswahl und das Verwalten der Investments.
  • Die Fondsverwaltung (im Unit Trust der Treuhänder, engl. Trustee) gewährleistet, dass der/die Fondsmanager sich an die Anlageziele des Fonds halten und sichert das Fondsvermögen. Die Fondsverwaltung des Unit Trust ist in der Regel der rechtliche Eigentümer des Fondsvermögens.
  • Die Anteilinhaber (Investoren, Unitholder) haben die (wirtschaftlichen) Rechte am Fondsvermögen (im Verhältnis zu ihren Investitionen). Diese Rechte werden durch den Fondsprospekt ausgestaltet und umschrieben. Der Anteilsinhaber hat an den Vermögenswerten des Unit Trusts kein (Mit-)Eigentum.
  • Die Fondshändler (zum Beispiel eine Bank) ermöglichen dem Anteilsinhaber den Zugang zum Unit Trust
  • Die Registrare werden in der Regel vom Fonds-Manager engagiert und agieren üblicherweise als Mittler zwischen den verschiedenen Fonds-Managern und andere Interessensgruppen sowie den Behörden.

Zugang zum Fonds[Bearbeiten]

Unit Trusts sind während des Bestehens des Fonds für neue Anteilsinhaber offen. Der Fonds ist in Anteile aufgeteilt, die in direktem Verhältnis zur Veränderung des Wertes des Fonds stehen. Wird dem Fonds Vermögen zugeführt, werden neue Anteile ausgegeben. Werden Anteile zurückgenommen, reduziert sich die Anzahl der Anteile im Fonds entsprechend. Nach diesem System spiegelt die Anzahl der Anteile immer das Vermögen des Fonds wider. Der Handel mit Unit Trust Anteilen selbst erfolgt in der Regel ohne Kommissionen.

Bid–Offer Spread[Bearbeiten]

Der Fondsmanager macht seinen Gewinn aus der Differenz zwischen dem aktuellen Verkaufskurs (offer price) des Anteils und dem Ankaufskurs (bid price) von Anteilen. Diese Differenz wird daher als Bid-Offer-Spread bezeichnet. Der Bid-Offer-Spread ist abhängig von der Art der Vermögenswerte (Investitionen), die im Fonds gehalten werden und deren Marktentwicklung (je besser die Marktentwicklung des Fonds, desto größer die Nachfrage nach den Fondsanteilen). Das Unit Trust-Statut gibt oft dem Fondsmanager zudem das Recht, den Bid-Offer-Spread marktbedingt zu beeinflussen. Dadurch kann der Fondsmanager unter anderem die Liquidität des Fonds steuern. In einigen Ländern wird daher der Bid-Offer-Spread als „Bid-Ask-Spread“ bezeichnet (engl. „Geld-Brief-Spanne“ von „Bid“ – Angebot, Gebot und „Ask“ – Briefkurs, Preisangebot).[9]

Die Berechnung des Preises eine Anteils (unit) erfolgt nach vier wesentlichen Faktoren:[10]

  • Die Entwicklung des investierten Vermögens ist Grundlage für die Entwicklung des Fondsvermögens,
  • Anzahl der ausgegebenen bzw. zur Ausgabe genehmigten Fondsanteile,
  • Steuern und Abgaben,
  • Verbindliche Vorgaben über die Gestaltung und die Höhe des Ausgabepreises.

Anteilshandel[Bearbeiten]

Anteile an Unit Trusts können direkt beim Fonds-Management oder über Händler (zum Beispiel Banken) gekauft werden.

Nettovermögenswert des Fonds[Bearbeiten]

Ein Anteil wird ausgegeben, wenn Geld in den Fonds investiert wird und zurückgenommen, wenn der Anteil zurückgekauft wird.

Der tatsächliche Erstausgabepreis (creation price) und der zuvor festgelegte und verbindliche Rücknahmepreis bei Auflösung des Fonds (cancellation price oder redemption price) eines Anteils stimmt nicht immer mit dem aktuellen Verkaufskurs (offer price) und Ankaufskurs (bid price) für die Fondsanteile überein.

Vorbehaltlich regulatorischer und statutarischer Vorschriften dürfen sich diese Preise mehr oder weniger unterscheiden und beziehen sich auf den aktuellen Marktwert des Fondsvermögens auf den Tag der Investition bezogen. Die Gewinne aus dem Kauf- und Verkauf von Anteilen zum aktuellen Tagespreis werden als „box profits“ bezeichnet.

Vergleich mit der Investmentgesellschaft[Bearbeiten]

Im Vereinigten Königreich wurden in den letzten Jahren viele Unit Trusts von den Fondsmanagern in Investmentgesellschaften (zum Beispiel SICAV, AG mit variablem Kapital, SE etc.) konvertiert.

Investmentgesellschaften haben in der Regel nur einen Kauf- und Verkaufspreis (NAV). Investmentgesellschaften sind auch weltweit anerkannt und verbreitet und die Berechnung des Kauf- und Verkaufspreis (NAV) erfolgt nach standardisierten Regeln.

Die größere Transparenz hinsichtlich des Anteilswertes und der Gebühren und die besseren Möglichkeiten des Vertriebs von Anteilen hat dazu geführt, dass die Unit Trust weitgehend von den Investmentgesellschaften abgelöst wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin J. Day; Paul I. Harris: Unit Trusts. 1. Auflage. Oyez Publishing, London 1974, ISBN 0-8512-0196-2.
  •  Christine Stopp: Unit Trusts. 1. Auflage. Financial Times Business Information, London 1988, ISBN 1-85334-017-0.

Quellen und Verweise[Bearbeiten]

  1. Nach Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 2.
  2. Nach Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 2 ff
  3. Nach Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 2 ff, 5, haben die passiv gemanagten Fonds rasch an Bedeutung verloren. Im erwähnten Buch (1974) wurde bereits auf diese passiv verwalteten Fonds deswegen nicht mehr näher eingegangen.
  4. Nach Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 4.
  5. Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 5 nennt eine Zahl von 73 Unit Trusts zu Beginn des Jahres 1938, welche von vierzehn verschiedenen Fondsmanagementunternehmen bzw. -gruppen verwaltet wurden.
  6. Quelle: M&G. Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 5 (1938).
  7. Dieses Gesetz wurde 1958 durch den "Prevention of Fraud (Investments) Act" ersetzt.
  8. Absatz zitiert nach: Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 55 f.
  9. Siehe hierzu grundlegend: Christine Stopp in "Unit Trusts", Financial Times Business Information, London 1988, S. 118 ff, und Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 49 ff, 80 ff.
  10. Martin J. Day; Paul I. Harris in "Unit Trusts", Oyez Publishing, London 1974, S. 49.
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