Verband der Ersatzkassen

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Verband der Ersatzkassen e. V.
(vdek)
Logo
Zweck: Interessenverband
Vorsitz: Ulrike Elsner
Gründungsdatum: 1. Januar 2009
Mitgliederzahl: 6
Sitz: Berlin
Website: www.vdek.com

Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) ist für die Ersatzkassen Deutschlands auf Bundesebene und Landesebene der Interessenverband sowie ein Anbieter von Dienstleistungen. Der vdek hat seit dem 29. Juni 2009 seinen Sitz in Berlin.

Organisation und Geschichte[Bearbeiten]

Sitz des vdek in Berlin

Der vdek vertritt in Deutschland auf Landes- und Bundesebene die Interessen der Ersatzkassen bei Verhandlungen mit Leistungserbringern und politischen Entscheidungsträgern. In den 16 Bundesländern gibt es je eine Landesvertretung und in Dortmund eine Geschäftsstelle (Westfalen-Lippe). Insgesamt sind für diesen Verband ca. 580 Mitarbeiter tätig.[1] Mitglieder des vdek sind die Barmer GEK, DAK-Gesundheit, Hanseatische Krankenkasse, hkk, Kaufmännische Krankenkasse und Techniker Krankenkasse. Sie haben sich freiwillig im vdek zusammengeschlossen und bilden eine Kooperations- und Haftungsgemeinschaft. Damit können sie ihren Einfluss in den Vertrags- und Vergütungsverhandlungen mit den Leistungserbringern sowie gegenüber der Politik und Öffentlichkeit geltend machen.

1996 endete die berufsständische Trennung in Arbeiter und Angestellte und die Beschränkung der Ersatzkassen auf eingegrenzte Berufsgruppen. Der vdek entstand am 1. Januar 2009, weil der Arbeiter-Ersatzkassen-Verband (AEV) sich zum 31. Dezember 2008 auflösen musste und das einzig verbliebene Mitglied, die Gmünder Ersatzkasse Mitglied im Verband der Angestellten-Krankenkassen e. V. (VdAK) wurde, der sich daraufhin in den gegenwärtigen Verband der Ersatzkassen (vdek) umbenannte. Er gibt das alle zwei Monate erscheinende ersatzkasse magazin. heraus. Die Verbandszeitschrift ist erstmals 1916 erschienen und trug bis 2009 den Titel "Die Ersatzkasse".[2] Seit dem 1. Juli 2008 werden wesentliche Funktionen, die der vdek aufgrund gesetzlicher Zuweisung traditionell wahrgenommen hatte, vom neu gebildeten GKV-Spitzenverband übernommen.

Der vdek hat seinen Sitz in Berlin mit rund 240 Mitarbeitern und ist in allen Bundesländern mit Landesvertretungen mit insgesamt etwa 300 Mitarbeitern vertreten. Darüber hinaus sind weitere 40 Mitarbeiter in den Pflegestützpunkten für die Ersatzkassen im Einsatz. Verbandsvorsitzender ist seit 2006 Christian Zahn.[3] Der Verband wird von einem hauptamtlichen Vorstand geleitet. Vorsitzende des Vorstandes ist seit Juli 2012 Ulrike Elsner.[4]

Aufgaben[Bearbeiten]

Der vdek betreut und berät Mitgliedskassen und ihre Pflegekassen bei der Durchführung ihrer Aufgaben und bietet rechtliche Unterstützung. Die Aufgaben und Formen der Zusammenarbeit sind in der Verbandssatzung und der Geschäftsordnung der Landesvertretungen geregelt. Die vdek-Zentrale erarbeitet mit den Mitgliedskassen auf Bundesebene strategische Konzepte sowie Rahmenempfehlungen und -vorgaben, etwa für die Budget- und Vergütungsverhandlungen mit den Krankenhäusern, Ärzten, Apotheken und Zahnärzten. Die vdek-Landesvertretungen entwickeln Konzepte, die auf das jeweilige Land zugeschnitten sind und gestalten die Versorgung vor Ort konkret aus. Dies geschieht im Rahmen von Verhandlungen sowie durch den Abschluss von Verträgen. Darüber hinaus vertreten sie die Ersatzkassenpositionen gegenüber der Landespolitik und beteiligen sich an der Krankenhaus- und ärztlichen Versorgungsplanung.[5] Ein Teil der Interessensvertretung ist die Repräsentanz der Ersatzkassen im Spitzenverband Bund der Krankenkassen und in Bundes- sowie Ärzteausschüssen. Hier ist der vdek in unterschiedliche Gremien eingebunden und sorgt im Vorfeld für eine abgestimmte Meinung. Auf internationaler Ebene ist der vdek Mitglied in der AIM. Zudem bringt sich der Verband in das gemeinsame Büro der Deutschen Sozialversicherung ein, um die soziale Sicherheit auf europäischer Ebene zu beeinflussen.

Mitgliederversammlung[Bearbeiten]

Die Selbstverwaltung ist tragendes Prinzip der Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland. Sie ist nicht nur Kontrollorgan für Vorstände und Verwaltungen der Krankenversicherungsträger, sondern auch Zeichen von demokratischer Mitsprache der Versicherten. Denn die Versicherten entscheiden durch ihre in die Verwaltungsräte der Kassen gewählten Vertreter über wesentliche Belange der GKV mit. Der Verband ist wie seine Mitgliedskassen nach dem demokratischen Prinzip der Selbstverwaltung organisiert. Sein wichtigstes Entscheidungsgremium ist die Mitgliederversammlung, die sich aus ehrenamtlichen Vertretern zusammensetzt. Gemeinsam mit dem Gesamtvorstand bildet sie das Bindeglied zu den Ersatzkassen. Die Mitgliederversammlung des Verbandes besteht aus 27 Versichertenvertretern und sieben Arbeitgebervertretern, die jeweils von den Verwaltungsräten der sechs Ersatzkassen entsendet werden. Alle sechs Jahre wählen die Versicherten bei der Sozialwahl ihre Vertreter, die somit demokratisch legitimiert sind. Legt man die Zahl der Wahlberechtigten zugrunde, sind die Sozialwahlen die drittgrößten Wahlen nach den Wahlen zum Deutschen Bundestag und zum Europäischen Parlament. Die gewählten Vertreter nehmen ihre Aufgabe als Ehrenamt wahr.

Gesamtvorstand[Bearbeiten]

Jede Mitgliedskasse entsendet seinen hauptamtlichen Vorstand sowie bis zu zwei ehrenamtliche Mitglieder in den Gesamtvorstand des vdek. Aus dem Kreis der ehrenamtlichen Mitglieder des Gesamtvorstandes werden der Verbandsvorsitzende und dessen Stellvertreter gewählt. Die Wahl erfolgt durch die Mitgliederversammlung. Die Stellvertreter des ehrenamtlichen vdek-Verbandsvorsitzenden Christian Zahn sind Holger Langkutsch, Dieter F. Märtens und Hans-Jürgen Schnurr.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verband blickt auf eine mehr als 100-jährige Tradition zurück. 1912 gründete sich der Verband Kaufmännischer Eingeschriebener Hilfskassen (Ersatzkassen) als Interessenverband und benannte sich später in Verband der Angestellten-Krankenkassen e.V. (VdAK) um. Zu Beginn vertraten die Gründerkassen 120.000 Mitglieder deutschlandweit. Daneben entstand 1939 der AEV – Arbeiter-Ersatzkassen-Verband e.V. als Verband freier Krankenkassen, der sich aufgrund von Kassenfusionen Ende 2008 auflöste und zum 1. Januar 2009 gemeinsam mit dem VdAK in dem vdek aufging.

Ersatzkassen[Bearbeiten]

Die Ersatzkassen gehören als Krankenkassen zur gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Sie sind derzeit nach §168 I SGB V definiert als „am 31. Dezember 1992 bestehende Krankenkassen, bei denen Versicherte die Mitgliedschaft bis zum 31. Dezember 1995 durch Ausübung des Wahlrechts erlangen können.“ Der Begriff „Ersatzkasse“ ist historisch aus der Situation entstanden, dass zunächst nach Gründung der Sozialversicherung durch Bismarck jeder versicherungspflichtige Bürger einer berufsständischen Pflichtversicherung (einer Primärkasse) zugeordnet wurde (bspw. Handwerker den Innungskrankenkassen), er aber als Ersatz für die Pflichtzuweisung eine der bisher schon freiwillig organisierten, eingeschriebenen Hilfskassen wählen konnte, sofern eine solche Kasse für ihn berufsständisch zuständig war. [6] Um 1900 gab es rund 1.500 Hilfskassen in Deutschland. Mit der Reichsversicherungsordnung (RVO) mussten bis 1914 die Hilfskassen eine Zulassung als „Ersatzkasse“ beantragen und mindestens 1.000 Mitglieder haben. 1936 musste eine Ersatzkasse sich entweder auf Angestellte oder auf Arbeiter beschränken und durfte keine neuen nicht versicherungspflichtigen Mitglieder mehr aufnehmen. In der Folge nahmen ausgegründete Private Krankenversicherungsvereine diese versicherungsberechtigten Mitglieder auf. Seit der Wiederzulassung der Ersatzkassen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich die Versicherungsbedingungen vielfältig weiterentwickelt. Die Selbstverwaltung der Ersatzkassen wird seit 1953 allein von ihren Mitgliedern in den Sozialwahlen gewählt. Seit 2009 wird nach einer Fusion mit einer Krankenkasse einer anderen Kassenart die Vertreterversammlung der neuen Kasse, auch wenn sie Ersatzkasse bleibt, paritätisch aus Arbeitgeber- und Mitgliedervertretern besetzt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.vdek.com/ueber_uns/index.htm
  2. http://www.vdek.com/magazin/
  3. Christian Zahn auf vdek.com
  4. Ulrike Elsner auf vdek.com
  5. vdek-Landesvertretungen
  6. Zu den Hilfskassen im 19. Jahrhundert vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914