Vierer (Rudern)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
DDR-Sonderbriefmarke anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1980.

Der Vierer ist ein Ruderboot für vier Sportler, die Ruderer. Man unterscheidet nach Ruderweise und Art der Steuerung: Beim Vierer hat jeder Ruderer nur ein Ruder, den Riemen, beim Doppelvierer hingegen deren zwei, die Skulls. Gesteuert wird entweder von einem Steuermann/einer Steuerfrau: „mit Steuermann“ oder von einem Ruderer/einer Ruderin: „ohne Steuermann“.

Typen[Bearbeiten]

Doppelvierer[Bearbeiten]

Doppelvierer mit Steuermann

Beim Doppelvierer betätigen alle vier Sportler auf jeder Seite jeweils einen Skull. Dadurch ist er wesentlich leichter zu lenken als Riemenboote und wird in offiziellen Wettbewerben über ein Fußsteuer gelenkt. Im Kinder- (bis 14 Jahre) und Junioren-B-Bereich (15-/16-Jährige) wird er jedoch noch mit Steuermann gefahren. Im Gegensatz zu Riemenbooten kann die Mannschaft leicht das Gleichgewicht halten, weshalb der Doppelvierer auch sehr gerne zur Anfängerausbildung genutzt wird. Ein fortgeschrittener Ruderer genügt, um das Boot vor dem Kentern zu schützen. Der Doppelvierer ohne Steuermann ist die zweitschnellste Bootsklasse nach dem Achter und gehört zu den olympischen Bootsklassen.

Vierer[Bearbeiten]

Beim Vierer betätigen alle vier Sportler nur einen Riemen. In Riemenbooten ruderte traditionell der Schlagmann auf der Backbordseite, die weiteren Ruderplätze wechselten sich dann in der Anordnung der Riemen-Ausleger auf Steuerbord und Backbord ab. Mittlerweile wird jedoch nach den individuellen Fertigkeiten der Ruderer geriggert, auch die „Italienische Riggerung“ (auch „Zwilling“), bei der die Ruderer auf den mittleren Plätzen auf der gleichen Seite rudern, ist dank der modernen Materialien im Bootsbau möglich und wird häufig genutzt. Diese Anordnung kann das für Riemenboote typische Gieren, also die Neigung des Bootes, bei jedem Schlag leicht zu einer Seite auszubrechen, eindämmen.

Vierer ohne Steuermann[Bearbeiten]

Hauptartikel: Vierer ohne Steuermann

Als Vierer ohne Steuermann, auch Vierer ohne genannt, bezeichnet man ein Ruderboot, das von vier Ruderern gerudert wird, aber ohne Steuermann. Das Boot wird dabei von einem der Ruderer über eine eingebaute Fußsteuerung gesteuert, in Rennbooten übernimmt dies meist der Schlagmann. Seit 1900 gehört der Vierer ohne Steuermann zum Programm der Olympischen Spiele; zusätzlich wird seit 1996 auch noch der Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann an Olympischen Spielen ausgetragen, dafür wurde jedoch der Vierer mit Steuermann aus dem Programm genommen.

Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann[Bearbeiten]

Vierer ohne Steuermann

Der Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann, auch leichter Vierer ohne wird ebenfalls von vier Ruderern gefahren, der Mannschaftsdurchschnitt des Gewichts darf jedoch höchstens bei 70,0 kg liegen. Der leichte Vierer ohne ist seit 1996 bei den Männern eine olympische Bootsklasse. Bei den Frauen wird dieses Boot seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr bei Weltmeisterschaften gefahren.

Vierer mit Steuermann[Bearbeiten]

Vierer mit Steuermann

Der Vierer mit Steuermann, auch Vierer mit genannt, bezeichnet ein Ruderboot mit vier Ruderern und einem Steuermann.

Der Vierer mit war von 1900 bis einschließlich 1992 olympisch; 1996 wurde er aus dem Programm der Olympischen Spiele genommen und durch den Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann ersetzt. Seit 2009 ist der Vierer mit auch nicht mehr im Programm der Weltmeisterschaften, so dass er nur noch bei den Weltmeisterschaften im Junioren- und U23-Bereich (wo es keinen Zweier mit Steuermann gibt) und auf nationalen Regatten und Meisterschaften gerudert wird.

Steuerung[Bearbeiten]

In Booten mit Steuermann wird das Boot von einem Steuermann mit einem Steuer am Heck gesteuert, das über Drahtseile bewegt wird. Der Steuermann sitzt im Heck des Bootes, in modernen Rennbooten liegt er aufgrund der besseren Gewichtsverteilung immer im Bug. Ausnahme ist hier der Handicap-Bereich, wo dem direkten Kontakt zur Mannschaft der Vorzug gegeben wird.

Wenn das Boot keinen Steuermann hat, fungiert ein Ruderer als Bootsführer, er ist für den Kurs des Bootes verantwortlich. Dabei muss er sich umdrehen, um die Fahrtrichtung des Bootes beobachten zu können, denn Ruderer sitzen entgegen der Fahrtrichtung im Boot. Die Fußsteuerung besteht aus einem kleinen Steuerblatt am Heck des Bootes, mit dem das Boot über Drahtseile gesteuert wird. Einer der Ruderer bedient das Steuer mittels eines speziellen, beweglichen Fußteils seines Stemmbretts, an dem sich die Ruderer bei jedem Ruderschlag abstoßen. Im Rennsport steuert in der Regel der Schlagmann im Heck das Boot, wobei er den Kurs anhand der Richtung, in die die Heckspitze schwenkt, kontrolliert.

Dass das nicht ganz so einfach ist, lässt sich immer wieder gegen Ende eines Rennens mit Booten ohne Steuermann beobachten. Im Endspurt verlieren die Schlagleute, aufgrund der Erschöpfung, hin und wieder die Kontrolle über ihr Boot und fahren aus ihrer Bahn heraus. Deshalb ist die „Italienische Riggerung" im Vierer ohne sehr nützlich, da das Boot besser Kurs hält und nicht so stark zum Gieren neigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Körner, Peter Schwanitz: Rudern, Sportverlag, Berlin (DDR) 1987, ISBN 3-328-00027-5
  • Wolfgang Fritsch: Handbuch für das Rennrudern, Meyer & Meyer Verlag, Aachen 1990, ISBN 3-89124-084-8
  • Wolfgang Fritsch: Das große Buch vom Rennrudern, Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2005, ISBN 3-89899-034-6