Vierer ohne Steuermann

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Vierer ohne Steuermann
WACCrew.JPG
Offiziell 4- Coxless four
Länge ca. 12 m
Mindestgewicht 50 kg
Olympische Bootsklasse
Männer 1904, 1908, seit 1924
Frauen 1992
Weltbestzeiten (2000m)
Männer: 5:37,86[1] (25. Mai 2012 in Luzern, Rotsee)
Flag of the United Kingdom.svg Alex Gregory, Peter Reed, Tom James, Andrew Triggs Hodge
Frauen: 6:14,10[1] (29. August 2014 in Amsterdam, Bosbaan)
Flag of New Zealand.svg Kelsey Bevan, Grace Prendergast, Kayla Pratt, Kerri Gowler

Der Vierer ohne Steuermann bzw. Vierer ohne Steuerfrau (Abkürzung 4-, häufig vereinfacht als Vierer-ohne bezeichnet) ist eine Bootsklasse im Rudersport. Im Boot sitzen vier Ruderer, die mit jeweils einem Riemen das Boot antreiben.

Im olympischen Programm ist der Männer-Vierer seit langem eine Kernbootsklasse und daher von hoher Bedeutung. Der Frauen-Vierer war nur im Jahr 1992 olympisch und wird heute wenig gerudert.

Beschreibung[Bearbeiten]

Vierer-ohne mit sogenannter italienischer Riggerung. Der Schlagmann und der Bugmann rudern auf der Backbordseite, die Mittelplätze rudern auf der Steuerbordseite.

Die Ruderer im (unbeschränkten) Vierer ohne Steuermann müssen kein Gewichtslimit einhalten, während die Ruderer in der ebenfalls olympischen Klasse Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann Gewichtslimits einhalten müssen: die Männer-Mannschaften dürfen im Schnitt maximal 70 kg wiegen.[2] Die klassische Wettkampfstrecke im Vierer ohne Steuermann entspricht der olympischen Distanz von 2000 m.

Material und Konstruktion des Bootes gleichen denen typischer Rennruderboote. Das Boot ist etwa 12 Meter lang, etwa 45 cm an der Wasserlinie breit und wiegt mindestens 50 kg.[3] Auf jeder Seite des Bootes sind zwei Ausleger am Boot angebaut. Am Bug befinden sich der Bugball sowie der Startnummernhalter, an dem bei einer Ruderregatta die Startnummer befestigt wird. Da kein Steuermann an Bord ist, wird der Vierer-ohne mit einem Fußsteuer gebaut und gesteuert. Die Steuerung des Bootes übernimmt meist der Schlagmann, der während des Trainings Befehle zum Steuern vom Bugmann erhält.[4] Beim Rennen und während des Trainings auf einer Strecke mit Albano-System oder normalen Bojenketten kann sich der Schlagmann an den Bojen orientieren.

Gut zu sehen ist der Bugball und die Startnummer.

Neben der hier beschriebenen Bootsklasse existieren zudem aus der Gattung der Vierer im Allgemeinen der Vierer mit Steuermann (4+) und der Doppelvierer (4x). Der Vierer-mit ist wie der Vierer-ohne eine Riemenbootsklasse, als solcher wegen der Anwesenheit des Steuermannes etwas langsamer und weitaus unbedeutender als der Vierer-ohne. Der Doppelvierer ist ein Skullboot ohne Steuermann und die schnellste Klasse aus der Gattung der Vierer. Im Freizeit- und Wanderrudern spielt der Vierer-ohne keine Rolle, denn in Gig-Bauweise ist er praktisch nicht existent.

Geschichte[Bearbeiten]

Männer[Bearbeiten]

Bei den Männern wurde der Vierer-ohne erstmals bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis ausgetragen. Die Strecke betrug damals zwei Meilen (3218 Meter).[5] Bei den Olympischen Spielen 1912 und Olympischen Spielen 1920 wurde der Vierer mit Steuermann anstelle der Version ohne Steuermann ausgefahren. Seit den Olympischen Spielen in Paris ist die Bootsklasse ununterbrochen olympisch.

Für die Olympischen Spiele 2012 in London hatten sich die Verbände aus Australien, Weißrussland, Kanada, Tschechien, dem Vereinigtes Königreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Niederlande, Neuseeland, Rumänien, Serbien, sowie der Verband der Vereinigten Staaten qualifiziert.[6] Die olympischen Vorläufe und die Halbfinals fanden vom 30. Juli 2012 bis zum 2. August auf dem Dorney Lake, bei London statt. Das Finale wurde am 4. August ausgetragen. Es war mit Booten aus dem Vereinigten Königreich, Australien, den Vereinigten Staaten, Griechenland, den Niederlanden und Deutschland besetzt. Für Deutschland setzte der Deutscher Ruderverband Gregor Hauffe, Toni Seifert, Urs Käufer und Sebastian Schmidt ins Boot.[7] Der deutsche Vierer erreichte am Finaltag bei windigen Bedingungen den sechsten Platz[8] mit einer Zeit von 6:16,37.[9] Erster mit einer Zeit von 6:03,97 wurde das Vereinigte Königreich mit Alex Gregory, Peter Reed, Tom James und Andrew Triggs Hodge. Zwei Sekunden später kam das Boot von Australien ins Ziel. Dritter wurde die Vereinigten Staaten mit einer Zeit von 6:07,20.

Bei den Olympische Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro werden die Wettkämpfe auf dem Lagoa Rodrigo de Freitas stattfinden. Die Regatta wird voraussichtlich vom 6. August bis zum 14. August auf dem See stattfinden.[10] Die ersten Quotenplätze werden auf den Ruderweltmeisterschaften 2015 vergeben.

Amtierender Weltmeister ist das Vereinigte Königreich mit Alex Gregory, Mohamed Sbihi, George Nash und Andrew Triggs Hodge vor den Vereinigten Staaten und Australien. 2015 werden die Weltmeisterschaften auf dem Lac d’Aiguebelette in Savoyen (Frankreich) stattfinden.

Frauen[Bearbeiten]

Bei den Frauen wurde der Vierer ohne Steuerfrau hingegen nur 1992 in Barcelona ausgetragen. Die Klasse ersetzte damals den Vierer mit Steuerfrau, wurde aber gleich wieder zugunsten des Leichtgewichts-Doppelzweiers der Frauen gestrichen. Für die Spiele 1992 qualifizierten sich Bulgarien, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Kanada, die USA, Deutschland, China, Rumänien und Australien. Das Finale gewann Kanada (mit Kirsten Barnes, Brenda Taylor, Jessica Monroe und Kay Worthington) vor den USA und Deutschland.[11]

Das erste Mal bei Ruder-Weltmeisterschaften wurde er 1989 ausgetragen, als er den Vierer mit Steuerfrau ersetzte. Der amtierende Weltmeister ist Neuseeland mit Kayla Pratt, Kelsey Bevan, Grace Prendergast und Kerri Gowler.[12]

Medaillen[Bearbeiten]

Olympische Spiele[Bearbeiten]

Die Tabelle stellt die Olympiasieger mit den meisten Medaillen im Vierer ohne Steuermann der Männer dar (Stand: 1904 bis nach den Spielen von London 2012).

Platz Nation Gold Silber Bronze Gesamt
1 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 8 3 2 13
2 DeutschlandDeutschland Deutschland
(davon Deutsches ReichDeutsches Reich Deutsches Reich)
(davon Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich)
(davon Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik)
(davon Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland)
6

(1)
(5)
 
1
(1)


 
2



(2)
9
(1)
(1)
(5)
(2)
3 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 2 6 4 12
4 AustralienAustralien Australien 2 2 1 5

Ruder-Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

Diese Tabelle stellt die Weltmeister mit den meisten Medaillen im Vierer ohne Steuermann der Männer dar (Stand: 1962 bis nach der WM 2014).

Platz Nation WM-Titel
1 DeutschlandDeutschland Deutschland
(davon Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik)
(davon Deutschland BRBR Deutschland BR Deutschland)
12
(8)
(3)
2 Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 9
3 SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 2
AustralienAustralien Australien 2
FrankreichFrankreich Frankreich 2
ItalienItalien Italien 2
7 SchweizSchweiz Schweiz 1
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1
KanadaKanada Kanada 1
NeuseelandNeuseeland Neuseeland 1
NiederlandeNiederlande Niederlande 1

Diese Tabelle stellt die Weltmeister mit den meisten Medaillen im Vierer ohne Steuerfrau der Frauen dar (Stand: 1989 bis nach der WM 2014).

Platz Nation WM-Titel
1 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 6
2 AustralienAustralien Australien 4
3 NiederlandeNiederlande Niederlande 3
WeissrusslandWeißrussland Weißrussland 3
5 Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik 1
RumänienRumänien Rumänien 1
KanadaKanada Kanada 1
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 1
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 1
UkraineUkraine Ukraine 1
FrankreichFrankreich Frankreich 1
NeuseelandNeuseeland Neuseeland 1

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wolfgang Fritsch: Handbuch für den Rudersport: Training – Kondition – Freizeit. 4., überarbeitete Auflage. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2006, ISBN 978-3-89899-111-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vierer ohne Steuermann – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Weltbestzeiten im Rudern. Abgerufen am 2. November 2014.
  2. Ruderwettkampf-Regeln (RWR). Deutscher Ruderverband (DRV), abgerufen am 30. Oktober 2014.
  3. Maße verschiedener Vierer-Ausführungen bei der Bootswerft Empacher. Bootswerft Empacher, abgerufen am 2. November 2014.
  4. Verantwortung im Ruderboot. Deutscher Ruderverband, abgerufen am 2. November 2014.
  5. Ergebnis Olympia 1904 (Männer). Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  6. Entries by Event. FISA, abgerufen am 10. Oktober 2014 (PDF; 33 kB, englisch).
  7. Carsten Oberhagemann: Olympia: Vierer bleibt unverändert. Deutschlandachter.de, 30. Juni 2012, abgerufen am 10. Oktober 2014.
  8. Männer-Vierer (M4-) (Olympische Spiele 2012). rudern.de (DRV), abgerufen am 10. Oktober 2014.
  9. Ergebnis Olympia 2012 (Männer). Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  10. 2013 to 2016 FISA Long Term Planning Calendar. FISA, abgerufen am 10. Oktober 2014 (PDF; 139 kB, englisch).
  11. Ergebnis Olympia 1992 (Frauen). Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  12. Ergebnis WM 2014 (Frauen). Abgerufen am 2. November 2014.