Vilhelm Bergsøe

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Vilhelm Bergsøe

Vilhelm Bergsøe (* 8. Februar 1835 in Kopenhagen; † 26. Juni 1911 ebenda) war ein dänischer Novellist, Naturforscher und Numismatiker.

Vilhelm Bergsøe war Sohn des Administrators der königlichen Porzellanfabrik, studierte an der Universität Kopenhagen seit 1854 erst zwei Jahre Medizin, dann Naturwissenschaften, besonders Zoologie, und ging 1862 nach Italien, wo er namentlich in Messina die Fauna des Mittelmeers erforschte und interessante Beobachtungen über die Parasiten des Schwertfisches machte.

Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er über die letztern die Monographie Philichthys Xiphiae (Kopenhagen 1864), sodann ein umfangreiches Werk: Über die italienische Tarantel und den Tarantismus im Mittelalter und in neuerer Zeit (Kopenhagen 1865). Durch den anhaltenden Gebrauch des Mikroskops zog er sich eine heftige Augenentzündung zu, infolge deren er für einige Zeit völlig erblindete und sich genötigt sah, seine Laufbahn als Naturforscher aufzugeben.

Mit verdoppeltem Eifer wandte er sich nun der literarischen Tätigkeit zu, diktierte zunächst den Novellencyklus Fra Piazza del Popolo (1866, 4. Aufl. 1880; deutsch von Adolf Strodtmann, Berlin 1870), der große Sensation erregte, und ließ demselben seine erste Gedichtsammlung: J Ny og Nae (Dann und wann, Berlin 1867), nachfolgen.

Während eines zweiten Aufenthalts in Rom (1868), wo er teilweise Heilung seines Augenleidens fand, schrieb er den Roman Fra den gamle Fabrik (Aus der alten Fabrik, 3. Aufl. 1879; deutsch, 2. Aufl., Leipzig 1874), Erinnerungen aus seiner Jugendzeit, die zwar nicht an phantastischer Kraft dem vorhergehenden gleichkamen, aber in Form und Inhalt reifer sind. Der etwas breite Roman I Sabinerbjergene (1871; deutsch: Im Sabinergebirge, Bremen 1872) setzte die Reihe fort; dann folgten: Bruden fra Rørvig (1872; deutsch: Die Braut von Rörvig, Berlin 1872); Gjengangerfortællinger (1873; deutsch: Gespensternovellen, Berlin 1873); Italienske Noveller (1874; deutsch, Leipzig 1876) und die letzte novellistische Arbeit: Hvem var han? (Wer war er?), die einzige, die er selbst niederschrieb, und die deshalb auch die feinste und ausgearbeitete ist.

Reiche Phantasie, seine Beobachtung und glänzende Darstellung zeichnen diese Romane aus und lassen auch an Originalität seine lyrischen Dichtungen weit hinter sich. Von letztern erschienen noch zwei Sammlungen: Hjemvee (Heimweh, 1872) und Blomstervignetter (Blumenvignetten). In dem Werk Rom under Pius den Niende (1874–1879), zu welchem er während eines dritten Aufenthalts in Rom 1872 seine Studien machte, schildert er zu Bildern französischer Künstler das päpstliche Rom als den Herd des Ultramontanismus; in Fra Mark og Skov: billeder af Insekternes Liv (Aus Feld und Welt, 1880, 3 Teile), einer Sammlung früherer naturhistorischer Schilderungen, gibt er populäre Darstellungen aus dem Leben der Insekten.

Er veröffentlichte für die Numismatiske forening ein Werk über die dänischen Medaillen Danske Medailler og Jetons fra 1789–1891. Kopenhagen 1893, Reprint 1978.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Vilhelm Bergsøe – Quellen und Volltexte
 Commons: Vilhelm Bergsøe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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