Walter Bagehot

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Walter Bagehot

Walter Bagehot (* 3. Februar 1826 in Langport, Somerset; † 24. März 1877 ebenda) war ein britischer Ökonom, Verfassungstheoretiker sowie Herausgeber der Wochenzeitung „The Economist“. Bagehots Analysen und Schriften haben viel zum politischen System Englands und zum Verständnis von Parlamentarismus und des Prinzips der Zentralbanken beigetragen.

Leben[Bearbeiten]

Bagehot besuchte das University College London, das er 1848 mit dem Master abschloss. Obwohl als Anwalt zugelassen, praktizierte er nicht als solcher, sondern schloss sich seinem im Bankensektor tätigen Vater an.

Nachdem er schon für diverse Zeitschriften geschrieben hatte, erlangte er schließlich Bekanntheit als einer der ersten Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitschrift „The Economist“, gegründet von James Wilson, seinem Schwiegervater. Unter Bagehots Führung ab dem Jahre 1861, gelang es der Zeitschrift u.a. durch ein erweitertes Themenspektrum (Vereinigte Staaten, Politik etc.), ihren Einfluss auf politische Entscheidungsträger zu vergrößern.

1867 schrieb er das Buch The English Constitution, in dem die Struktur des Vereinigten Königreiches untersucht wird, insbesondere die Stellung des Parlaments und der britischen Monarchie sowie die Kontraste zwischen der britischen und amerikanischen Regierung. Die grundlegende Unterscheidung der vergleichenden Regierungslehre zwischen Präsidentialismus und Parlamentarismus geht auf Bagehots Abhandlung zurück. The English Constitution gilt als Standardwerk und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt.

Fünf Jahre später, 1872, schuf er Physics and Politics, worin er den noch immer geläufigen Ausdruck „the cake of custom“ kreierte. 1873 erschien mit Lombard Street ein für Ökonomen höchst nützliches Werk. Was seine Leistungen im Bereich der soziologischen Theorien anbetrifft – Bagehot verfasste einige historische Studien -, kann er mit seinem Zeitgenossen Henry James Sumner Maine verglichen werden. Postum, also nach 1877, erschien eine Sammlung von bibliografischen sowie ökonomischen Essays.

Bagehot trug außerdem wesentlich zur Entwicklung des modernen Rassismus und des Sozialdarwinismus bei.[1] Seine einschneidenden Äußerungen bezogen sich sowohl auf angeblich niedere Rassen wie auf niedere Klassen. So erklärte er, „orientalische“ Nationen blieben immer „what they are“, „Wilde“ „do not improve“ und nur „nations (…) of European origin advance“.[2] Hinsichtlich der eigenen Unterschichten behauptete er, es gäbe in England „crowds of people scarcely more civilised than the majority of two thousand years ago“.[3]

Bagehot zu Ehren publiziert The Economist allwöchentlich die Kolumne über britische Politik unter dessen Namen und die „British Political Studies Association“ verleiht jährlich den „Walter Bagehot Prize“ für die beste Dissertation im Bereich Regierung und öffentliche Verwaltung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Kapitel 5 („Bagehot Rewrites Gobineau“) in Edward Beasley: The Victorian Reinvention of Race. New Racisms and the Problem of Grouping in the Human Sciences. New York, London 2010, S. 81-96.
  2. Walter Bagehot: Physics and Politics: or, Thoughts on the Application of Principles of 'Natural Selection' and 'Inheritance' to Political Society. New York 1873, S. 41 f.
  3. Walter Bagehot: The English Constitution. London 1867, S. 7.

Schriften[Bearbeiten]

  • The English Constitution. Chapman and Hall, London 1867; zuletzt: Oxford University Press, Oxford 2001, ISBN 0-19-283975-6 (online (PDF; 564 kB); online).
  • Physics and politics or thoughts on the application of the principles of „natural selection“ and „inheritance“ to political society. King, London 1872
  • Lombard Street: A Description of the Money Market. King, London 1873; zuletzt: Wiley, New York 1999, ISBN 0-471-34499-0 (online).

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Nuscheler: Walter Bagehot und die englische Verfassungstheorie, 1969

Weblinks[Bearbeiten]