Warren Lee Hill

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Warren Lee Hill (* 1960) ist ein US-amerikanischer Staatsbürger, der wegen Mordes zum Tode verurteilt wurde. Er soll im US-Bundesstaat Georgia hingerichtet werden, obwohl dies aufgrund einer möglichen geistigen Behinderung gegen Bundesrecht verstieße.

Tat, Prozess und Inhaftierung[Bearbeiten]

Warren Lee Hill wurde wegen des Mordes an seiner damals 18-jährigen Freundin zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 18. August 1990 erschlug er im Gefängnis den Mithäftling Joseph Handspike.[1] Die Geschworenen verhängten daraufhin die Todesstrafe. Allerdings konnten sie sich zu diesem Zeitpunkt gar nicht für eine lebenslange Strafe ohne Bewährung entscheiden, da diese rechtliche Möglichkeit erst später geschaffen wurde. Die New York Times wies darauf hin, dass nicht nur mehrere Geschworene Lebenslänglich als Strafe vorgezogen hätten, sondern auch die Familie des Opfers sich gegen eine Hinrichtung Hills ausgesprochen habe.[2] Hill sitzt seit 21 Jahren in der Todeszelle.

Es bestanden erhebliche Zweifel an den geistigen Fähigkeiten des Verurteilten. Seine Anwälte machten im letzten Gnadengesuch geltend, dass Hill geistig zurückgeblieben sei und einen Intelligenzquotienten von 70 habe. Ein IQ unter 70 gilt als geistige Behinderung. Verteidiger Brian Kammer berichtete, dass verschiedene Familienangehörige geschildert hätten, dass sie mit Hill aufgewachsen sind und ihnen schon damals auffiel, dass etwas mit ihm nicht stimme, dass er irgendeine Art von Behinderung gehabt habe.[3]

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hatte im Fall Atkins v. Virginia die Todesstrafe für geistig Behinderte verboten, allerdings die Kriterien zur Bewertung der Behinderung den einzelnen Bundesstaaten überlassen. In Georgia wird der Nachweis einer geistigen Behinderung „gegen jeden berechtigten Zweifel“ (beyond a reasonable doubt) verlangt.[4]

Im Juli 2012 war der Rechtsweg ausgeschöpft, nachdem auch der Berufungsausschuss des Bundesstaates Georgia in Atlanta das Gnadengesuch ablehnte. Der Oberste Gerichtshof in Washington hatte den Fall gar nicht erst zur Prüfung angenommen.

Am 13. Juni 2013 reichte eine Gruppe von sechs Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit der American Association on Intellectual and Developmental Disabilities (AAIDD) einen Antrag beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein, in welchem sie darum baten, neue bzw. revidierte Aussagen im Fall Warren Lee Hill und in Betreff Hills geistigem Entwicklungsstand zu berücksichtigen. Hintergrund des Antrags ist, dass drei Sachverständige, die Hill bisher eine geistige Behinderung absprachen, mittlerweile dahingehend von ihrem Standpunkt abgerückt wären, dass bisherige Einschätzungen fehlerhaft seien und eine Behinderung sehr wohl vorläge. Dies wurde von allen betreffenden Sachverständigen unter Eid eingeräumt. Infolge dieser Entwicklung wird Warren Lee Hill nun von sämtlichen Experten, die ihn untersuchten, für geistig behindert befunden.[5][6]

Menschenrecht[Bearbeiten]

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzte den Fall Warren Hill auf ihre Urgent-Action-Liste. Die New York Times veröffentlichte einen Leitartikel über den Fall.[2]

Hinrichtungstermine[Bearbeiten]

Die ursprünglich geplante Hinrichtung am 23. Juli 2012 wurde aufgeschoben. Danach war der 19. Februar 2013 um 19 Uhr Ortszeit als neuer Termin festgelegt worden.[7][8] Lediglich 30 Minuten vor diesem Termin (Hill hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Beruhigungsmittel eingenommen, Ativan mit dem Wirkstoff Lorazepam) wurde die Hinrichtung erneut aufgeschoben: Das US-Bundesberufungsgericht für den 11. Bezirk fordert Klarheit in der Frage von Warren Lee Hills geistiger Verfassung, während das Berufungsgericht des Staates Georgia einschritt, da auch Unklarheiten betreffs der für die Hinrichtung vorgesehenen Methode bestünden.[9][10][11]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Yokamon Hearn, im Juli 2012 in Huntsville (Texas) hingerichteter Mann, bei dem ebenfalls eine geistige Behinderung vermutet wurde.
  • Marvin Wilson, im August 2012 in Huntsville (Texas) hingerichteter Mann, bei dem ebenfalls eine geistige Behinderung vermutet wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georgia halts Monday execution of Warren Lee Hill. In: ABC15.com. 24. Juli 2012, abgerufen am 21. Februar 2013 (englisch).
  2. a b A Plea for Mercy for Man on Georgia’s Death Row. New York Times, 6. Juli 2012, abgerufen am 11. August 2012 (englisch).
  3. Christina Bergmann: USA: Exekution trotz geistiger Behinderung. In: Deutsche Welle. 18. Juli 2012, abgerufen am 18. Februar 2013.
  4. Jane Hansen: COURT DENIES REVIEW OF MENTAL RETARDATION CLAIM. Supreme Court of Georgia, 23. Juli 2012, abgerufen am 11. August 2012 (PDF; 107 kB, englisch).
  5. Mental Disability Experts File Brief at SCOTUS in Support of GA Death Row Prisoner Warren Hill – Georgians for Alternatives to the Death Penalty, vom 14. Juni 2013 (englisch)
  6. Disability Experts File Brief Supporting Warren Lee Hill, auf politic365.com, vom 25. Juni 2013 (englisch)
  7. Umstrittene Hinrichtung in den USA: Keine Gnade für Behinderten. In: die tageszeitung. 18. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013.
  8. Warren Lee Hill execution scheduled for tonight. In: FOX31online. 19. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013 (englisch).
  9. Court issues temporary stay of execution for Georgia inmate Warren Lee Hill. In: Foxnews.com. 19. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013 (englisch).
  10. Gerichte blockieren Hinrichtung eines geistig Behinderten. In: FAZ.net. 20. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013.
  11. Georgia inmate Warren Hill granted stay of execution 30 minutes before lethal injection. In: The Guardian. 20. Februar 2013, abgerufen am 20. Februar 2013 (englisch).