Warwara Fjodorowna Stepanowa

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Stepanowa und Rodtschenko in den 1920er Jahren
Stepanowa und Rodtschenko in den 1920er Jahren

Warwara Fjodorowna Stepanowa (russisch Варвара Фёдоровна Степанова; wiss. Transliteration Varvara Fëdorovna Stepanova; Pseudonym: Warst[1]; * 23. Oktoberjul./ 4. November 1894greg. in Kaunas; † 20. Mai 1958 in Moskau) war eine russische Malerin, Designerin und Theoretikerin. Ihr Werk ist dem Konstruktivismus zuzuordnen.

Leben[Bearbeiten]

Warwara Stepanowa stammte aus einer kleinbürgerlichen Familie[2], ihre Ausbildung erhielt sie ab 1910 an der Kazaner Kunstschule. 1912 Umzug nach Moskau; Studium bei Ilja Maschkow und Konstantin Juon. 1913-14 Besuch der Stroganoff-Kunstschule.

Bereits an der Kazaner Kunstschule lernte sie 1914 ihren Arbeitskollegen, Gefährten und späteren Ehemann Alexander Rodtschenko kennen. Nachdem Stepanowa 1914 ohne Abschluss nach Moskau zurückgekehrt war, arbeitete sie zunächst als Näherin und Buchhalterin und nahm Unterricht an Michail Leblans Schule. Ab 1916 lebte sie mit Rodtschenko zusammen, ihre gemeinsame Tochter Warwara kam 1925 zur Welt.

In den Jahren vor der Russischen Revolution gehörte sie in Moskau mit Wassily Kandinsky, Alexandra Exter und Ljubow Popowa zur Russischen Avantgarde. 1918 Verbindung zur Abteilung für Bildende Künste (ISO, russisch Изобразительный Отдел) und Teilnahme an mehreren Ausstellungen bis in die 20er Jahre. 1920 folgte sie Rodtschenko als Mitglied des INCHUK (russisch Институт Художественной Культуры) mit der Teilnahme an der Ausstellung >5 x 5 = 25< Die Erste Russische Kunstausstellung Berlin 1922 zeigte ihre Gemälde Komposition und Figuren sowie 2 Figuren, 4 Kompositionen und 12 Linoleumschnitte.

Zusammen mit Rodtschenko wurde sie eine engagierte Anhängerin der neuen konstruktivistischen Tendenzen. Sie machte Studien über Strukturprobleme anhand von Analysen der Bewegungsabläufe der menschlichen Figur. Diese Bewegungen wurden auf einfache, flache, geometrische Formen reduziert, wodurch eine ganze Reihe von Figuren entstanden, die an Roboter und Marionetten erinnern.

Designerin[Bearbeiten]

Seit Anfang der 1920er Jahre widmete sich Stepanowa stärker dem Design, dem Entwurf von Stoffen, Theaterkostümen sowie Inszenierungen. 1922 entwarf sie Kostüme und Bühnenset für Meyerholds Stück Tarelkins Tod. Sie beschäftigte sich außerdem mit Textildesign und arbeitete zusammen mit Popowa 1923-24 für Moskauer Erste Staatliche Textilfabrik[3]. Gemeinsam mit Rodtscheko entwarf Stepanowa funktionale Arbeitskleidung.

Stepanowa war ein aktives Mitglied des INCHUK und der Lef-Gruppe. Sie unterrichtete ab 1924 Textilgestaltung an der Wchutemas.[4]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Buch zur Ausstellung 16. Russische Avantgarde 1910-1930 Sammlung Ludwig, Köln, in der Kunsthalle Köln, 16. April-11. Mai 1986 (bearbeitet und mit einer Einführung von Evelyn Weiss)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anhaltischer Kunstverein Dessau e.V. (Hg.): Alexander Rodtschenko Warwara Stepanowa. Fotografien und grafische Arbeiten. 28. Februar-16. April 2001. Dessau 2001. S. 2
  2. Raev, Ada: Varvara Stepanova – Konstruktivistin aus Überzeugung In: Sykora, Katharina; Dorgerloh, Annette; Noell-Rumpeltes, Doris und Raev, Ada (Hg.): Die Neue Frau. Herausforderung für die Bildmedien der Zwanziger Jahre. Marburg 1993. S. 68
  3. Dabrowski, Magdalena: Ljubow Popowa – die Künstlerin als Konstrukteurin In: Dabrowski, Magdalena (Hg.): Ljubow Popowa. München 1991. S. 9-35
  4. Bowlt, John E.: Geniale Frauen In: Bowlt, John E. und Drutt, Matthew (Hg.): Amazonen der Avantgarde. Alexandra Exter, Natalja Gontscharowa, Ljubow Popowa, Olga Rosanowa, Warwara Stepanowa und Nadeschda Udalzowa. New York 1999. S. 20-36