Wu wei

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Dieser Artikel behandelt den Begriff Wu wei aus dem Daoismus. Zum gleichnamigen Badmintonspieler siehe Ng Wei. Zum gleichnamigen Architekten siehe Wu Wei (Architekt).

Der Begriff Wu wei (chinesisch 無爲 / 无为Pinyin wúwéi bzw. oft auch als chinesisch 爲無爲 / 为无为Pinyin wéi wúwéi bezeichnet) stammt aus dem Daoismus, erstmals wird er im Daodejing erwähnt. Er wird definiert als Nichthandeln im Sinne von „Enthaltung eines gegen die Natur gerichteten Handelns“.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Begriff Wu Wei begründet sich aus der daoistischen Auffassung vom Dao, dem umfassenden Ursprung und Wirkprinzip, das die Ordnung und Wandlung der Dinge bewirkt, so dass es nicht weise wäre, in das Walten dieses Prinzips einzugreifen. Die letzte Wahrheit ist gemäß dieser Lehre eins und handelt spontan, ohne dass der Geist des Menschen in sie eingreifen müsste. Die Rückkehr zum Ursprung kann nur erfolgen, wenn das dualistische Denken aufgegeben wird und die Handlungen natürlich und spontan erfolgen.

Wu Wei bedeutet nicht, dass man gar nicht handelt, sondern dass die Handlungen spontan in Einklang mit dem Dao entstehen und so das Notwendige getan wird, jedoch nicht in Übereifer und blindem Aktionismus, die als hinderlich betrachtet werden, sondern leicht und mühelos. Es ist ein Zustand der inneren Stille, der zur richtigen Zeit die richtige Handlung ohne Anstrengung des Willens hervortreten lässt.

Das Vollkommene wird im Daoismus als leer, weich und spontan gedacht und entsprechend sollte auch das Handeln sein, d.h. ohne ein Eingreifen des dualistischen Intellekts, sich der Situation anpassend und intuitiv. Das vollkommene Handeln erkennt intuitiv das beste Mittel und es erscheint als sinnlos, seine Energie in unfruchtbaren Handlungen um der Handlung willen zu erschöpfen, sondern das Handeln sollte sich auf die geeigneten Umstände und Mittel beschränken. Die beste Übersetzung des Begriffes Wu Wei wäre somit „Nicht-Eingreifen“ bzw. „Handeln durch Nicht-Handeln“, und es handelt sich um eine Art von kreativer Passivität.

Aus dieser Haltung des Geschehenlassens resultieren auch Gewaltlosigkeit und Widerstandslosigkeit als natürliche Folge.

Der Begriff Wu Wei erschien in der chinesischen Philosophie zum ersten Mal im Daodejing und blieb ein Wesensmerkmal des Daoismus.

„Wenn du auf dem Wasser reisen willst, ist ein Boot dafür geeignet, weil ein Boot sich auf dem Wasser in geeigneter Weise bewegt. Wenn du aber an Land gehst, kommst du damit nicht weiter und wirst nur Ärger haben und nichts erreichen als dir selbst Schaden zuzufügen.“

Zhuangzi XIV

„Niemals machen und doch bleibt nichts ungetan.“

„Der Edle tut es ohne Absicht.“

Daodejing XXXVII

„Ohne Absicht bleibt doch nichts ungefördert; denn man ist nie im Zweifel, was man zu tun hat.“

I Ging

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • J. C. Cooper: Was ist Taoismus? Der Weg des Tao. Eine Einführung in die uralte Weisheitslehre Chinas. Lizenzausgabe. Barth, München u. a. 1993, ISBN 3-502-62112-8.
  • Theo Fischer: Wu Wei. Die Lebenskunst des Tao. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-499-61980-6 (Rororo 61980 Sachbuch).
  • Alan Watts: Der Lauf des Wassers. Die Lebensweisheit des Taoismus. Lizenzausgabe. Inselverlag, Frankfurt am Main u. a. 1975, ISBN 3-458-34639-2 (Insel-Taschenbuch 2939).

Weblinks[Bearbeiten]