Yvan Kyrlya

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Yvan Kyrlya, auch Yvan Kurly, (russisch: Kirill Iwanowitsch Iwanow; * 17. März 1909 in Kupsola, Region Mari El; † Juli 1943 in Krasnoturjinsk) war eine der bekanntesten Persönlichkeiten der in Russland lebenden ethnischen Minderheit namens Mari.

Frühes Leben[Bearbeiten]

Yvan Kyrlya wurde am 17. März 1909 in dem Dorf Kupsola (in der Region Mari El) geboren. Er wuchs, gemeinsam mit seinen zwei Schwestern, als Waise in einer armen Bauernfamilie auf, da sein Vater schon früh in einer Schlägerei umkam. Dies führte dazu, dass Kyrlya auf den Straßen betteln musste, um gemeinsam mit seinen Schwestern und seiner Mutter den Lebensunterhalt zu sichern.

Bildung[Bearbeiten]

Seine Schulkarriere begann Yvan Kyrlya an der Grundschule in Marisol, einem Kupsola naheliegenden Ort. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Grundschule beendete er auch die Sekundarschule in Sernur, wo sein Interesse für Poesie, Musik, Theater und Kino sich schon verdeutlichte. 1926 wurde er an der technischen Hochschule an der Kasaner Universität akzeptiert, wo er Kinematographie studierte. Hier bemerkten seine Lehrer sein außerordentliches Talent und empfahlen ihm, eine Schauspielschule zu besuchen.

Filmkarriere[Bearbeiten]

Anstatt jedoch eine Schauspielschule zu besuchen, bewarb Kyrlya sich direkt um eine Rolle in dem ersten sowjetischen Tonfilm „Road to Life“ (1932). In der Verfilmung der ersten Episoden des Filmes erkannte Regisseur Nicolas Eck das Talent Kyrlya’s und gab ihm die Hauptrolle. Die Erlebnisse des Protagonisten in dem Film, Mustafa (Straßenname: Firth), ähnelten sehr denen, die Kyrlya selbst in seiner Kindheit erlebt hatte. Der Film hatte in Russland einen beispiellosen Erfolg und erlaubte Kyrlya den Durchbruch in die Schauspielerszene. Kyrlya’s Filmkarriere dauerte jedoch nicht lange an. Er spielte in nur einem weiteren Film, „Stellvertreter des Buddha“ (1934–1936), unter der Regie von Jewgeni Iwanow-Barkov, wo er die Rolle des Lamas spielte.

Andere Beschäftigungen[Bearbeiten]

Nach seinem letzten Film zog Yvan Kyrlya nach Joschkar-Ola, wo er in dem Mari State Drama Theatre arbeitete. Seine Theaterkarriere musste er jedoch auch vorzeitig abbrechen, da er aufgrund der, aus der Sicht der sowjetischen Regierung, inkompatiblen Ideologie des Nationalismus verhaftet wurde und in ein Arbeitslager geschickt wurde. Neben seiner kurzen Theaterkarriere schrieb Kyrlya auch Gedichte. Nach seinem Tode wurden drei Bücher veröffentlicht, die Gedichte und Lieder von ihm enthielten. Die meisten von ihm geschriebenen Gedichte zentrieren um zwei Themen: die Verweigerung seiner schlimmen Kindheit und den sozialen Durchbruch, der aus seiner Sicht aufgrund der Bildung möglich war.

Verhaftung und Tod[Bearbeiten]

In der Nacht des 18. April 1937 befand sich Yvan Kyrlya mit ein paar Freunden in einem Hotelrestaurant, nachdem einer Reihe von bedeutenden Schauspielern am Mari State Drama Theatre, jedoch nicht ihm, der Vertrag gekündigt worden war. Dort stritt er sich mit einem Studenten, der ihn angeblich als nationalistisch bezeichnete. Auf diese Anschuldigung antwortete er angeblich: „Es lebe die Brüderlichkeit der Völker!“ Ein Polizist, den Kyrlya früher an dem Abend schon gerufen hatte, um den Studenten festzunehmen, nahm daraufhin Yvan Kyrlya fest. In dem darauffolgenden Prozess wurde Kyrlya von den Behörden als „glühender Nationalist“ bezeichnet, weswegen er ein „Feind des Volkes“ sei. Yvan Kyrlya wurde zu 10 Jahren Arbeitslager verurteilt, wovon er die ersten fünf Jahre in Karelien diente. 1942 wechselte er das Arbeitslager: von Karelien in den Ural. Nach offiziellen Angaben starb er dort in den Minen von Krasnoturjinsk wegen „schwerer Krankheit und Erschöpfung“. Offiziell wurde Yvan Kyrlya vom russischen Staat 1957 rehabilitiert.

Spätere Bedeutung[Bearbeiten]

Für die heutigen Mari ist Yvan Kyrlya immer noch eine ihrer prominentesten Persönlichkeiten. 1969 wurde eine Straße in Yoskar-Ola nach ihm benannt, und 2009 wurde ein Denkmal für ihn in Yoskar-Ola platziert. Bei der Enthüllung des Denkmals sagte der Bürgermeister von Yoskar-Ola: „Wir erkennen sein Talent und eröffnen heute ein Denkmal zu Ehren des großen Schauspielers und Dichters.“ Außerdem diente Yvan Kyrlya’s Biographie als Grundlage für den Film „Son of Happiness“, ein Film über das Leben von Jugendlichen aus ethnischen Minderheiten.

Weblinks[Bearbeiten]