Ölkur

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Die Ölkur (auch Ölziehen, Ölsaugen oder Ölkauen) ist eine alternativmedizinische ayurvedische Methode, bei der der Mund mit Pflanzenölen gespült wird. Dies soll dem Mund Giftstoffe entziehen und viele Krankheiten heilen oder lindern.

Ein großflächiger Nachweis einer positiven Wirkung liegt nicht vor. Nur wenige Studien zum Thema wurden bisher publiziert. Bekannt wurden unter anderem Studien am Meenakshi Ammal Dental College in Chennai und am PG Department of Microbiology, VHNSN College, Virudhunagar – beide im indischen Bundesstaat Tamil Nadu –, die eine signifikante Wirksamkeit der Ölkur unter anderem auf Streptococcus mutans und Lactobacillus acidophilus nachweisen. Beide Studien verwendeten Sesamöl. Einige internationale Studien beziehen sich zudem auf die antibiotische Wirkung von Pflanzenölen im Allgemeinen.

Die im deutschsprachigen Raum kursierenden Behandlungsempfehlungen lassen sich auf zwei Publikationen in den Zeitschriften Natur & Heilen (Autor: Günther W. Frank) und Natur und Medizin im Jahr 1991 zurückverfolgen. Beide Artikel berufen sich auf einen ukrainischen Arzt namens Fedor Karach, welcher das Verfahren auf einem angeblichen „All-ukrainischen Kongress der Onkologen und Bakteriologen“ vorgestellt haben soll. Karach wiederum habe die Ölkur von sibirischen Schamanen übernommen. Genaue Zeit- und Quellenangaben hierzu fehlen, zitierfähige Publikationen eines Doktor Karach liegen nicht vor.

Bei der Ölkur soll ein Esslöffel Sonnenblumenöl (alle im Lebensmittelhandel erhältlichen goldgelben Sonnenblumenöle sind kaltgepresst) etwa 10 bis 20 Minuten langsam im Mund hin und her bewegt und zwischen den Zähnen durchgezogen werden. Dieses Öl soll anschließend ausgespuckt und der Mund mit Wasser ausgespült werden. Das ganze solle den Empfehlungen zufolge am besten morgens etwa acht bis 14 Tage lang erfolgen. Olivenöl, Sesamöl und diverse andere Pflanzenöle sind von anderen Quellen empfohlen worden.

Das zugrundeliegende Krankheitsmodell, nachdem sich „Gifte“ und „Schlacken“ im Körper anhäufen, welche entfernt werden müssten, ist von der Medizin seit dem 18. Jahrhundert aufgegeben worden, da es nicht wissenschaftlich beweisbar ist. In der Alternativmedizin ist es jedoch noch immer sehr verbreitet.

Die „Entschlackung“ wird unter anderem gegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Hautprobleme (Ekzeme), Rheuma, Arthrose, Blasenleiden, Nierenleiden empfohlen. Den Empfehlungen zufolge ist es wichtig, dass das Öl nach dem Spülen nicht hinuntergeschluckt wird, da es mit Giftstoffen und Bakterien belastet sei. Des Weiteren sei kaltgepresstes beeziehungsweise kaltgeschlagenes Öl zu verwenden.

Man kann die Wirkung mit auf Öl basierten Mundwaschflüssigkeiten wie zum Beispiel Dentyl Ph vergleichen.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. New Scientist: Interview: The halitosis guru. 19. September 2007, abgerufen am 20. Mai 2010 (englisch).