Ölkur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Ölkur (auch Ölziehen, Ölsaugen oder Ölkauen) ist eine alternativmedizinische ayurvedische Methode, bei der der Mund mit Pflanzenölen gespült wird. Dies soll dem Mund Giftstoffe entziehen und viele Krankheiten heilen oder lindern.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Ölkur soll ein Esslöffel kaltgepresstes Sonnenblumenöl (alle im Lebensmittelhandel erhältlichen goldgelben Sonnenblumenöle sind kaltgepresst) oder andere Pflanzenöle wie Olivenöl, Sesamöl oder Kokosöl etwa 10 bis 20 Minuten langsam im Mund hin und her bewegt und zwischen den Zähnen durchgezogen werden.[1] Dieses Öl soll anschließend ausgespuckt und der Mund mit Wasser ausgespült werden. Das ganze solle den Empfehlungen zufolge am besten morgens etwa acht bis 14 Tage lang erfolgen.

Wenn sich nach 20-minütiger Mundspülung das Öl milchig weiß färbt, liegt dies daran, dass die im Speichel enthaltenen Enzyme manche Ölbestandteile aufgespalten haben.[1]

Bewertung und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein großflächiger Nachweis einer positiven Wirkung (Abhilfe bei Kopfschmerzen, Hautproblemen, Rheuma, Arthrose sowie eine Besserung von Blasen- und Nierenleiden) liegt nicht vor.[1] Es gibt auch keine Evidenzen, dass das Ölziehen allgemein die Zahngesundheit fördere.[1] Nur wenige Studien zum Thema wurden bisher publiziert. Bekannt wurden unter anderem Studien am Meenakshi Ammal Dental College in Chennai und am PG Department of Microbiology, VHNSN College, Virudhunagar – beide im indischen Bundesstaat Tamil Nadu –, die eine signifikante Wirksamkeit der Ölkur unter anderem auf Streptococcus mutans und Lactobacillus acidophilus nachweisen. Beide Studien verwendeten Sesamöl, sind aber methodologisch schlecht und von zu kurzer Dauer.[1] Einige internationale Studien beziehen sich zudem auf die antibiotische Wirkung von Pflanzenölen im Allgemeinen.

Die im deutschsprachigen Raum kursierenden Behandlungsempfehlungen lassen sich auf zwei Publikationen in den Zeitschriften Natur & Heilen (Autor: Günther W. Frank) und Natur und Medizin im Jahr 1991 zurückverfolgen. Beide Artikel berufen sich auf einen ukrainischen Arzt namens Fedor Karach, welcher das Verfahren auf einem angeblichen „All-ukrainischen Kongress der Onkologen und Bakteriologen“ vorgestellt haben soll. Karach wiederum habe die Ölkur von sibirischen Schamanen übernommen. Genaue Zeit- und Quellenangaben hierzu fehlen, zitierfähige Publikationen eines Doktor Karachs liegen nicht vor.

Das zugrundeliegende Krankheitsmodell, nach dem sich „Gifte“ und „Schlacken“ im Körper anhäufen, welche entfernt werden müssten („Entschlackung“), ist von der Medizin seit dem 18. Jahrhundert aufgegeben worden, da es weder wissenschaftlich nachweisbar noch plausibel ist. In der Alternativmedizin ist es jedoch noch immer sehr verbreitet. Den Empfehlungen zufolge sei es wichtig, dass das Öl nach dem Spülen nicht hinuntergeschluckt werde, da es mit Giftstoffen und Bakterien belastet sei. Dass Ölziehen Gifte oder Schadstoffe aus der Mundschleimhaut aufnehmen könne, widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen.[1]

Man kann die Wirkung mit auf Öl basierten Mundwaschflüssigkeiten vergleichen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Bernd Kerschner: Ölziehen: fettreiche Zahnhygiene ohne Wirknachweis. In: Medizin transparent. 7. Januar 2020, abgerufen am 8. Juli 2020.
  2. New Scientist: Interview: The halitosis guru. 19. September 2007, abgerufen am 20. Mai 2010 (englisch).