100-Tage-Frist

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Die 100-Tage-Frist bemisst die Zeitdauer, die nach einer Faustregel des Journalismus einem neuen (politischen) Amtsinhaber oder einer neuen Regierung zugestanden wird, um sich einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen. Danach kommt es zu einer ersten Bewertung (100-Tage-Bilanz) der Regierungsleistung (Regierungskommunikation).

100 Tage sollen neue Entscheider nutzen, um sich mit den Abläufen ihres Amtes vertraut zu machen, wesentliche Personalentscheidungen zu treffen und erste Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Da ein Regierungsalltag z. B. sehr komplex ist und Entscheidungen meist einen gewissen Vorlauf benötigen, lässt sich die Leistung der handelnden Personen nicht sofort nach ihrer Amtseinführung abschätzen. Traditionell wird das erste Resümee von Medien und Opposition darum erst nach Ende dieser Schonfrist gezogen. In den USA findet zum Abschluss der 100 Tage traditionell das White House Correspondents Dinner (Gala-Dinner der im Weißen Haus akkreditierten Presse-Korrespondenten) statt, in dem sich der jeweilige Präsident auch selbstironisch mit seinem Start auseinandersetzt.[1]

Ursprünglich ging diese Form von Stillhalteabkommen zwischen Presse und Politik auf den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt zurück, der während der Weltwirtschaftskrise zum Präsidenten gewählt worden war. Er bat um eine Schonfrist von 100 Tagen, nach denen die Wirkung seines Reformprogramms, des New Deal, erkennbar werden sollte.[2] Er erließ nach seinem Amtsantritt 1933 während dieser Frist 15 wichtige Gesetze und setzte sie im US-Parlament durch, um eine wirtschaftliche Wende einzuleiten.[1]

Ursprünglich also eine Faustregel aus dem Redaktionsleben der Presseorgane, ist die „100-Tage-Frist“ immer mehr zum Allgemeingut geworden und im politischen Tagesgeschehen verankert. Die allgemeine Anwendbarkeit dieser willkürlichen Frist ist jedoch umstritten und verliert in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Träm: Führung braucht Zeit. Der Mythos der ersten 100 Tage. Econ, 2002, ISBN 3-430-19141-6

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b badische-zeitung.de, 28. April 2017, Frank Herrmann: 100 Tage im Amt: Ernüchternde Bilanz für Trump (28. April 2017)
  2. a b Matthias Meisner: Eine Frist gibt’s kaum mehr. In: Der Tagesspiegel. 9. September 2012, abgerufen am 17. November 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]