Aachener Bachverein

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Aachener Bachverein
Sitz: Aachen
Gründung: 1913 / 1919
Gattung: Gemischter Chor
Gründer: Heinrich Boell
Leitung: Georg Hage
Stimmen: 120
Website: http://www.bachverein.de/

Der Aachener Bachverein ist der Oratorienchor der Evangelischen Kirchengemeinde Aachen. Er wurde im Jahre 1913 bzw. im Jahre 1919[1] von Heinrich Boell (1890–1947) gegründet und steht seit 2008 unter Leitung von Georg Hage. Beheimatet ist der Aachener Bachverein an der 1748 von Johann Josef Couven erbauten evangelischen Annakirche in Aachen.

Aufbau und Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seinen rund 120 Mitgliedern aller Altersgruppen und Konfessionen gilt der Verein als eine der traditionsreichsten Kunstinitiativen der Region. Kontinuität und Qualität kennzeichnen seinen Beitrag als renommierter Klangkörper der Kaiserstadt Aachen. Die Aufführung der Vokalwerke Johann Sebastian Bachs bildet einen Schwerpunkt des Aachener Bachvereins; gleichermaßen fühlt er sich dem gesamten oratorischen Repertoire vom Frühbarock bis zur Gegenwart verpflichtet. Seine instrumentalen Partner sind u. a. die Prager Philharmoniker, das Deutsche Radio Kammerorchester und das Sinfonieorchester Aachen sowie das Hamburger Barockorchester, das Kammerorchester Barocco Locco. Als Chor der Evangelischen Kirchengemeinde gestaltet er auch die Kirchenmusik an der Aachener Annakirche.

Der Kammerchor Aachener Bachverein, gegründet 1992 als Auswahlensemble des Oratorienchors, widmet sich insbesondere der Pflege der a cappella-Musik und bringt nach kurzen und intensiven Probenphasen auch unbekanntere Werke des 17. und 18. Jahrhunderts sowie zeitgenössische Chorliteratur zur Aufführung. Dabei arbeitet er zusammen mit namhaften Instrumentalensembles wie Concerto Farinelli, Les Cornets Noirs oder dem Aachener Bachorchester.

Mit dem überregional bedeutenden Kulturfestival Aachener Bachtage, initiiert 1974 von Johannes Geffert, setzt der Aachener Bachverein jeweils am Jahresende einen künstlerischen Schwerpunkt. Die Konzertreihe stellt die Werke Johann Sebastian Bachs in einen musikgeschichtlichen wie außermusikalischen Kontext. Auch an selten zu hörende Chorwerke wagt sich der Aachener Bachverein immer wieder heran[2]. Seit 2008 findet durch die Einbeziehung von Jazz-Improvisation und der Avantgarde eine zunehmende stilistische Erweiterung statt.

Künstlerische Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren seines Bestehens wurde der Verein von namhaften Persönlichkeiten geleitet, so unter anderem von:

CD-Einspielungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nun danket alle Gott – Choralbearbeitungen für Orgel und Trompete von Bach, Ebhardt, Homilius, Kaufmann, Krebs, Oley, Pachelbel, Tag und Walther – Ltg.: Wolfgang Karius, Solo-Trompete: Guy Touvron, Aachener Bachverein und Hamburger Barockorchester
  • J. S. Bach: Johannespassion – Tenor [Evangelist, Arias]: Wilfried Jochens; Baritone [Christus]: Christoph Erpenbeck; Sopran: Sabine Schneider; Alt: Cornelia Sander; Bass: Peter Schüler, Kammerchor Aachener Bachverein und Hamburger Barockorchester (mit historischen Instrumenten), Ltg. Wolfgang Karius, März 2002
  • J. S. Bach: Weihnachtsoratorium BWV 248 – Sopran: Sabine Schneider; Alt: Christine Wehler; Tenor: Max Ciolek; Bass: Raimund Fischer, Aachener Bachverein und Hamburger Barockorchester (mit historischen Instrumenten), Ltg. Wolfgang Karius, Dezember 2002
  • J. S. Bach: Messe in h-Moll BWV 232 – Sopran: Monika Mauch; Counter-Tenor: Yosemeh Adjei; Tenor: Hans-Josef Ritzerfeld; Bass: Gotthold Schwarz, Kammerchor Aachener Bachverein / Hamburger Barockorchester (mit historischen Instrumenten), Ltg. Wolfgang Karius, November 2007
  • J. S. Bach: Matthäuspassion – Sopran: Konstanze Maxsein; Tenor: Andreas Post; Bariton: Georg Heckel; Alt: Kai Wessel; Bass: Hans-Georg Wimmer; Hamburger Barockorchester, Concerto Farinelli, Hannover und dem Aachener Bachverein, Ltg.: Romano Giefer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In der vereinsinternen mündlichen Überlieferungstradition, deren Beginn nicht exakt verifizierbar ist, gibt es hinsichtlich des Gründungsjahres eine andere Darstellung als in der Musikwissenschaft. Deren Forschungsergebnisse basieren sowohl auf einem Aufruf zur Gründung des Bachvereins im Politischen Tageblatt vom 1. Februar 1919 als auch darauf, dass der Chor noch bis 1916 mehrfach unter dem Namen "Evangelischer Kirchenchor Aachen", Leitung Heinrich Boell bzw. Hermann Stange auftrat. Diese Auffassung vom 1919 erfolgten Gründungsjahr des Aachener Bachvereins hat sich in der musikwissenschaftlichen Fachliteratur durchgesetzt (s. Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Stichwort Aachen), vgl. Siegfrid Vogelsänger: Zur Geschichte des Aachener Bachvereins – die ersten vierzig Jahre (1913–1956), in: 75 Jahre Aachener Bachverein, 1913–1988. Aachen 1988, S. 17.
  2. Heike Nelsen-Minkenberg: Konzert mit fast sakralem Charakter, in Aachener Nachrichten vom 13. April 2009