A cappella

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A cappella (Abkürzung a. c.) bezeichnet:

  • In der Ära ab dem späten 16. Jahrhundert eine Kompositionsweise für mehrstimmige kirchliche Vokalensembles mit fakultativer Instrumentalbegleitung
  • ab dem 19. Jahrhundert Chormusik ohne Instrumentalbegleitung
  • ein Genre der Popmusik, bei dem ein Close-Harmony-Vokalensemble ohne oder mit minimaler Instrumentalbegleitung auftritt
  • einen Teil eines Musikstücks der Popmusik, bei dem die Instrumentalbegleitung aussetzt

Ursprüngliche Bedeutung[Bearbeiten]

Münchener Hofkapelle

Die Bezeichnung a cappella lehnt sich an das italienische alla cappella an und bedeutet ursprünglich Musik „nach Art der Kapelle“.

Zunächst verstand man darunter mehrstimmige Vokalmusik, bei welcher der Chor durch Musikinstrumente begleitet wird und die Instrumente genau das spielen (Colla parte), was die Stimmen singen.

„A capella (ital.) heißet: wenn Vocal- und Instrumental-Stimmen sich miteinander zugleich, und zwar dergestalt hören lassen, daß diese eben dasjenige, was jene haben, exekutieren.“

Johann Gottfried Walther: Musikalisches Lexikon 1732.[1]

„A capella, alla capella, d. h. im Kapellstile, bedeutet in älteren Kirchenmusiken die Bewegung der Singstimmen ohne Instrumente, oder, wenn ja solche den Gesang begleiten, das Fortgehen der Instrumente im Unisono mit den Singstimmen.“

F. A. Brockhaus: Allgemeine Deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. 1851 Leipzig.[2]

Das bedeutet eine Aufführungspraxis von Vokalmusik, die variabel dargestellt werden konnte. Nach Möglichkeit zog der Kapellmeister vorhandenes Instrumentarium bei der Aufführung hinzu. Die Instrumente konnten die Singstimmen verdoppeln oder auch ersetzen.

Die Aufführungspraxis der Sixtinischen Kapelle stellte schon im 18. Jahrhundert einen Sonderfall dar:

„Indessen ist die Päbstliche Music darinnen von anderen unterschieden, daß man dabey keiner Orgel oder anderer Instrumenten brauchet, sondern die Stücke nur hersinget.“

Johann Gottfried Walther: Musikalisches Lexikon 1732 [3]

Bedeutung im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bei der Wiederentdeckung der alten Chormusik im 19. Jahrhundert durch Laienchöre kam es zu einem Missverständnis des Begriffes a cappella, aus dem eine Bedeutungsveränderung resultierte: Im allgemeinen Sprachgebrauch wurde nun darunter eine Musik verstanden, die vollständig auf Instrumente verzichtet und allein auf der menschlichen Stimme beruht.

Bedeutung im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Klassische Musik[Bearbeiten]

In der breiten Masse der traditionellen Chöre hat sich das Verständnis von a cappella als unbegleitete Musik weitgehend manifestiert. Durch die stärkere Gewichtung des Wissens um die historische Aufführungspraxis im Musikstudium ist zumindest den Berufsmusikern die ursprüngliche Bedeutung bewusst. Chöre und Kantoreien, die heute eine historische Aufführungspraxis beachten, ziehen zu ihren Aufführungen von alter Chormusik im Cappellstil wieder vermehrt Instrumente hinzu.

Populäre Musik[Bearbeiten]

Maybebop, eine durchweg a cappella singende deutsche Musikgruppe

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in den USA ein neues Genre von vokalen Kleingruppen (wie The Yale Whiffenpoofs 1909). Dabei wurde in Barbershop-Manier in Close Harmony gesungen. 1927 entstanden nach dem amerikanischen Vorbild der The Revelers in Deutschland die Comedian Harmonists. Sie sangen zwar mit Klavierbegleitung, förderten durch ihre Popularität aber das rein vokale Genre sehr. Weitere Einflüsse nahm die A-cappella-Musik aus dem Doo Wop der 1950er Jahre. Eine der ersten a-cappella singenden Girlgroups war das Quartett The Chordettes (bekanntester Hit war 1954 Mister Sandman [Bring me a Dream]).

So wird populäre A-cappella-Musik heutzutage vor allem durch moderne Vokalensembles mit vier bis sechs Personen aufgeführt. Neben vielen rein männlichen und gemischten Ensembles gibt es nur wenige rein weibliche Bands, beispielsweise Aquabella, medlz, Niniwe. Als Lied-Material werden zum einen spezielle Coverversionen von Liedern aus dem Pop- und Rock-Bereich verwendet, die ohne Instrumente arrangiert werden. Zum anderen werden speziell hierfür geschriebene und arrangierte Lieder verwendet.

Bei den Arrangements können die einzelnen Stimmen in Melodie und Text gleichberechtigt nebeneinander stehen. Häufig aber übernehmen eine oder mehrere Stimmen die Hauptstimme im Sinne einer Solostimme oder einer Leadstimme, während die anderen Stimmen für die Begleitung sorgen. Dabei ahmen die einzelnen Stimmen, oft durch elektronische Hilfsmittel und Studiotechnik verstärkt, einzelne Instrumente nach – insbesondere das Schlagzeug durch Vocal Percussion oder Beatboxing, gelegentlich auch durch Händeklatschen oder Fingerschnipsen. Vereinzelt benutzen A-cappella-Gruppen auch Eggshaker für die rhythmische Begleitung. Wegen dieser verschiedenen Aufgaben gibt es bei A cappella-Gruppen die klassische Aufteilung in Melodie- und Rhythmusgruppe.

Seit 1997 findet in Leipzig jährlich das Internationale Festival für Vokalmusik „a cappella“ statt, das seit 2007 im Rahmen eines Wettbewerbs auch Nachwuchsensembles fördert. Weitere bedeutende Wettbewerbe für A-cappella-Ensembles sind im deutschsprachigen Raum unter anderem die International A Cappella Competition in Graz, der A Cappella Award in Ulm sowie der Förderpreis Jugend kulturell.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Johann Gottfried Walther: Musikalisches Lexikon. S. 4.
  2. F. A. Brockhaus: Allgemeine Deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. 1851 Leipzig 1. Band, S. 85.
  3. Johann Gottfried Walther: Musikalisches Lexikon. 1732, S. 140.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]