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Adela von Hamaland

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Adela von Hamaland (* um 955; † zwischen 1021 und 1028 in Köln) war eine Gräfin von Hamaland und Drenthe.

Adela von Hamaland war die jüngere Tochter des Grafen Wichmann von Hamaland und der Luitgard. Ihr Vater gründete das Stift Elten, deren erste Äbtissin ihre ältere Schwester Luitgart wurde. Nach dem Tod ihres Vaters um 973 forderte sie einen Teil der gestifteten Besitztümer zurück, da die Schenkung ohne ihre Zustimmung als Erbin erfolgt sei. Sie berief sich dabei auf die Lex Saxonum. Zwischen beiden Schwestern entwickelte sich daraus ein heftiger Streit. Selbst Kaiser Otto II. versuchte erfolglos zu vermitteln, als Elten besetzt wurde. Luitgart wiederum ließ die Burg Upladen ihrer Schwester von ihren Vasallen Godizo und Balderich (s. u.) niederbrennen, während Adela rechtzeitig entkam. Luitgart selbst starb wenig später an einer Vergiftung (995), als deren Anstifterin Adela vermutet wurde. Der frisch zum Kaiser gekrönte Otto III. beendete am 18. Dezember 996 schließlich den Streit auf einem Gerichtstag in Nimwegen: Das Stift blieb bestehen, Adela erhielt aber einen Teil ihres Erbes zurück.[1]

In erster Ehe war Adela mit dem Immedinger Immed IV. († 983) verheiratet, der dadurch zum Grafen von Hamaland aufstieg. Aus dieser Verbindung entstammten fünf Kinder, darunter Emma von Lesum und Meinwerk, der spätere Bischof von Paderborn.

In zweiter Ehe (geschlossen vor dem Gerichtstag 996, da sie dort vom Ehemann vertreten werden musste, um mit einem symbolischen Halmwurf[2] den Verzicht zu erklären) lebte Adela mit dem nicht ebenbürtigen Balderich von Drenthe, ihrem ehemaligen Angreifer, den sie als Beschützer zu sich zog.[3] Mit ihm gründete sie auf seinem Eigengut im Düffelgau das Stift Zyfflich – ein Gegenstück zum und Ausgleich für das Eltener Stift.

Die Macht- und Besitzgier des Paares führten auch nach dem Ende des Erbstreites zu langwierigen territorialen Konflikten in Hamaland. Um 1016 wurde Graf Wichmann von Vreden aus der Familie der Billunger ermordet, was dem Ehepaar in die Schuhe geschoben wurde. Seine Verwandten griffen daraufhin die Burg Upladen an und zerstörten sie.[4] Balderich verlor am Ende alle Besitzungen und zog sich auf die Burg Heimbach zurück. Um 1014 oder 1017/18 kam auch Adelas ältester Sohn Dietrich um, den Beamte seiner Herrschaft vergifteten. Auch dieser Mord wurde ihr unterstellt. Beide unterstellten sich der Jurisdiktion des Erzbischofs von Köln Heribert, dem auch das Stift Zyfflich unterstand. Adela starb um 1021 in Köln; Graf Balderich im Juni 1021. Balderich wurde in der Stiftskirche Zyfflich beigesetzt. Die Grabanlage wurde erst in neuerer Zeit zerstört. Adelas Leichnam wurde im Kölner Dom beigesetzt. Laut einer Legende soll er später ausgegraben und in den Rhein geworfen worden sein, um einen drohenden, angeblich durch Adela verursachten Sturm abzuwenden.

Deutungen der Geschichtsschreibung

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Eine Hauptquelle zum Leben Adelas ist die viel später geschriebene Darstellung De diversitate temporum des Mönches Alpert von Metz, der in ihr eine weibliche Furie und Schwesternmörderin sah. Thietmar von Merseburg nannte sie eine zweite Herodias. Moderne Deutungen betonen stärker die Selbstbehauptung der Frau in einer männlichen Umwelt und zweifeln die Mordvorwürfe an (Edith Ennen).

  • Anton Kos: Adela van Hamaland. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland, 15. April 2012, gesehen am 7. Juni 2012.

Einzelnachweise

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  1. RI II,3 n. 1217, in: Regesta Imperii, Online, (Abgerufen am 15. Dezember 2025).
  2. D. Rudolph Sohm: Fränkisches Recht und römisches Recht: Prolegomena zur deutschen Rechtsgeschichte. Hermann Böhlau, 1880 (google.de [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
  3. Edith Ennen: Frauen im Mittelalter. 6. Auflage. Beck, München 1999, ISBN 978-3-406-37799-0, S. 82.
  4. Berg en Dal - Motte Mergelp. In: Spannende Geschichte. Abgerufen am 14. Dezember 2025 (deutsch).