Agnes von Lilien

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Agnes von Lilien ist ein Roman von Caroline von Wolzogen. Er gilt als einer der ersten deutschen Bildungsromane mit einer weiblichen Protagonistin.

Hintergrund des Romans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er erschien erstmals im 8. und 12. Heft des Jahrgangs 1796 und im 5. von 1797 in Friedrich Schillers Zeitschrift "Die Horen". Vollständig wurde der Roman in zwei Bänden, von denen der erste Band das Horen-Fragment darstellte, bei Unger in Berlin 1798 publiziert. Die Leserschaft bei der Zeitschriftenpublikation lang darüber gerätselt, wer der Verfasser des Romans gewesen sein könnte. Unter anderem wurde Goethe vermutet, da es Parallelen zu dessen Bildungsroman „Wilhelm Meister“ gibt. Diesen Gerüchten widersprach Goethe nicht, sondern schrieb in einem Brief an Schiller am 7. Dezember 1796: „Lassen Sie mir so lange als möglich die Ehre als Verfasser der Agnes zu gelten.“[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genaue Handlungszeit der „Agnes von Lilien“ lässt sich nicht genau definieren, jedoch befasst sich der Roman mit dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen der höfischen Gesellschaft und der außerhöfischen, die sich selbst als Intelligenzschicht versteht und zum großen Teil aus Beamten oder Staatsdienern mit bürgerlicher oder geringer adliger Herkunft besteht. Der Roman behandelt diesen Konflikt und zeigt, wie eine bürgerlich aufgewachsene junge Frau in die höfische Gesellschaft gelangt und dort von mehreren Intrigen und konventionellen Hindernissen konfrontiert wird, sich jedoch letztlich von dem Ganzen lösen und ihren geliebten Mann heiraten kann.

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungsroman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem weiblichen Bildungsroman spielen viele wichtige Faktoren eine entscheidende Rolle. Ein signifikanter Faktor spiegelt sich in der Entwicklung der Protagonistin wider, die sich von ihrem Umfeld abzuheben scheint und der Zeit voraus ist. Das führt wiederum zu einer Veränderung des Bildes einer Frau: die weibliche Protagonistin hat nicht nur die Funktion eine gute Hausfrau, Mutter und Tochter zu sein, sondern sie wächst und entwickelt sich als Mensch und als Künstlerin weiter. Aufgaben, die eigentlich meistens nur von männlichen Protagonisten ausgeführt und respektiert werden, kann die Protagonistin ebenfalls tätigen. Die Protagonistin ist sehr gebildet und nicht mit den anderen Frauen zu vergleichen. Ihre Empfindsamkeit und ihre Träumereien sind nicht in Worte zu fassen und das Streben nach künstlerischer als auch persönlicher Freiheit ist im Roman sichtlich spürbar. Beispielsweise möchte ihre leibliche Mutter ihr Geld hinterlassen, damit sie nicht an einen Mann gebunden ist und ein unabhängiges Leben führen kann. In der Zeit des 18. Jahrhunderts war dieser Gedanke der Unabhängigkeit nicht allgemein üblich. Das hat auch die Schwägerin von Schiller am eigenen Leib erfahren müssen, da ihre Familie durch den Verlust des Vaters Geldnöte hatte und sie deswegen zur Heirat gezwungen war. Diese Erfahrung hält die Schriftstellerin auch in ihrem Roman fest: es dreht sich kontinuierlich um den Konflikt, ob Agnes ihrem individuellen Ehewunsch nachgehen kann oder ob sie sich eine Konvenienz Ehe unterziehen muss. Im Ganzen kann man von einem weiblichen Bildungsroman sprechen, da die Protagonistin fortschrittliche Gedanken aufzeigt. Agnes ist mutig, stark und möchte nicht zu der höheren Gesellschaftsschicht dazugehören. Der Roman zeigt auf, dass man sich auch gegen den Strom stellen kann und eigene Wünsche verfolgen muss, auch wenn es in ihrem Fall durch Hilfe anderer Menschen erst gelingen kann. Ungewöhnliche Erzählung aus der Ich-Perspektive. Der typische Frauenroman der Zeit ist ein Briefroman. Agnes stellt die ideale Frauenfigur des 18. Jahrhunderts dar. Es geht viel darum, dass die idealen Charakterzüge von Agnes nicht vom höfischen Leben verdorben werden. Die Unschuld die Agnes besitzt ist vielen Charakteren sehr wichtig. Das zeigt die von Konventionen bestimmte Rolle der Frau im 18. Jahrhundert. Vor allem die männlichen Charaktere sorgen sich um Agnes Unschuld.

Nordheim ist das Bild des perfekten Mannes im 18. Jahrhundert. Ebenso zeigt die Verbindung zwischen diesen beiden idealisierten Figuren den Wunsch nach einer Liebesehe im 18. Jahrhundert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephan Brock: Caroline von Wolzogens "Agnes von Lilien" (1798). Ein Beitrag zur Geschichte des Frauenromans. Berlin (Diss.) 1914
  • Simon Richter: Weimar heteroclassicism : Wilhelm von Humboldt, Caroline von Wolzogen, and the aesthetic of gender In: English Goethe Society. Publications of the English Goethe Society. - [Oxford] : Routledge, Taylor & Francis Group 81 2012, 3, 137–151
  • Angelika Schneider: Widersprüche weiblicher Selbstentwürfe um 1800 : Caroline von Wolzogens Roman "Agnes von Lilien" – Sulzbach/Taunus: Helmer 2009. 349 S.
  • Caroline von Wolzogen: Agnes von Lilien (1798), Ersterscheinung in den Horen, Herausgeber Friedrich Schiller.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 250. An Schiller, 7. Dezember 1796. In: Friedrich Schiller Archiv. 1. August 2013, abgerufen am 24. Februar 2021 (deutsch).