Agnes von Staufen († 1184)

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Agnes von Staufen († 8. Oktober 1184) war eine Tochter von Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Beatrix von Burgund.[1]

Den Marbacher Annalen ist zu entnehmen, dass 1184 kurz vor dem Tod der Kaiserin Beatrix eine mit einem Sohn des ungarischen Königs verlobte Tochter des Kaisers gestorben sei.[2] Die Chronik des Petersklosters in Erfurt berichtet zum selben Jahr, dass die Kaiserin mit einer Tochter, die mit einem auch in dieser Quelle nicht beim Namen genannten Sohn des ungarischen Königs verlobt war und noch parvula (= sehr klein, sehr jung) gewesen sei, gestorben und in Speyer bestattet worden sei.[3]

König Béla III. von Ungarn hatte zu dieser Zeit zwei Söhne: den zehnjährigen späteren Thronfolger Emmerich und den zwei oder drei Jahre jüngeren Andreas. Es ist zu vermuten, dass Agnes als Tochter des römisch-deutschen Kaisers mit dem erstgeborenen und 1182 zum Mitkönig gekrönten Emmerich verlobt war. Die Verlobung wird nach 1180 zu datieren sein, denn der Codex des Stift Zwettl berichtet, dass Barbarossa und Béla sich damals wegen der Verheiratung ihrer Kinder zusammengetan hätten.[4] Für das von Hansmartin Decker-Hauff genannte Verlobungsjahr 1183[1] existieren keine Quellen.

Ihren Namen und ihr genaues Sterbedatum berichtet Johann Seffried. In der Chronik der Bischöfe von Speyer schreibt er um 1468, dass anlässlich der Öffnung des Grabes von Adolf von Nassau in der Gruft des Speyerer Doms in einer kleinen Kapsel in einem Epitaph der Leichnam eines kleinen Mädchens gefunden wurde. Laut Inschrift waren dies die sterblichen Überreste einer Tochter von Kaiser Friedrich I. namens Agnes, die an einem 8. Oktober gestorben sei.[5]

Kaisergruft im Speyerer Dom. Im hintersten Grab direkt vor dem Gitter ist Agnes' Bruder König Philipp von Schwaben bestattet. In dem Grab davor liegt Agnes mit ihrer Mutter Beatrix von Burgund.

Da sie in dieser Quelle mit puellula (= Verkleinerungsform von Mädchen) und ihr Leichnam als corpusculum (= Körperchen) bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass sie nach ihrem Anfang 1177 geborenen Bruder Philipp von Schwaben auf die Welt kam.[6] Bei ihrem Tod wird sie ein Kleinkind von höchstens sechs Jahren gewesen sein. Eine Verlobung im frühen Kindesalter war im Hochmittelalter aber keine Seltenheit. Ein Geburtsjahr zwischen 1169 und 1174, wie von Hansmartin Decker-Hauff angesetzt,[1] ist unplausibel, weil ein zehn- bis fünfzehnjähriges Mädchen nicht mit sehr klein, kleines Mädchen und Körperchen bezeichnet worden wäre.

Agnes ist heute in der 1903 fertiggestellten neuen Kaisergruft unter dem östlichen Ende des Mittelschiffs des Speyerer Doms in einem damals neu angefertigten Doppelgrab mit ihrer Mutter Beatrix, die am 15. November 1184 nur wenige Wochen nach ihr starb, bestattet.[7]

In englischen Chroniken wird eine Tochter von Friedrich I. Barbarossa erwähnt, deren Name nicht überliefert ist und die im August 1184 mit dem damals 26-jährigen Richard Löwenherz, Herzog von Poitou und Sohn des englischen Königs Heinrich II., verlobt worden ist.[8][9] Dieses Heiratsprojekt scheiterte aber, weil die Braut noch im selben Jahr starb.[10] Laut Decker-Hauff soll es sich dabei um Agnes gehandelt haben, deren ungarische Verlobung im Jahre 1184 gelöst worden sei.[1] Dem steht entgegen, dass für einen 26-Jährigen, der sich in damaliger Zeit dringend um Nachkommen bemühen musste, ein Kleinkind als Braut nutzlos gewesen wäre. Außerdem gibt es keinerlei Quellen, aus denen eine Lösung der Verlobung von Agnes und Emmerich hervorgeht, die ja auch weder für Barbarossa, noch für Béla politisch opportun gewesen wäre. Die englische und die ungarische Eheabsprache sind ohne Zweifel auf zwei verschiedene Töchter Barbarossas zu beziehen, die beide 1184 starben.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hansmartin Decker-Hauff: Das Staufische Haus. In: Württembergisches Landesmuseum (Hrsg.): Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Stuttgart 1977, Band III, S. 355-356.
  2. Marbacher Annalen, MGH SSrG 9, S. 55, Zeile 7-9.
  3. Chronik des St. Petersklosters zu Erfurt, MGH SSrG 42, S. 193, Zeile 18-19.
  4. Codex Zwettl, MGH SS 9, S. 541, Zeile 46-48.
  5. Johann Seffried, Chronica praesulum Spirensis civitatis, S. 344-345: In cuius quidem tumuli apertione inventa est parva capsula, in qua effigies cuiusdam puellule, que quondam erat filia Friderici imperatoris, adhuc qualiter restabat cum corpusculo involuto cum panno serico. Quod corpusculum, cum manibus tractaretur, statim in pulverem est redactum et remanserunt ossa sola, et coma seu pili capitis integri apparebant. De qua puella in eodem marmore tale habetur epitaphium: Octavo idus octobris Agnes filia regis Friderici imperatoris obiit.
  6. a b Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. S. 176.
  7. Peter Koblank: Staufergräber. Nur wenige der prominentesten Staufer sind in Deutschland bestattet. auf stauferstelen.net. Abgerufen am 4. Dezember 2017.
  8. Gesta Regis Henrici Secundi, RBS 49/1, S. 319, Zeile 1-7.
  9. Chronica Magistri Rogeri Houedene, RBS 51/2, S. 288, Zeile 15-18.
  10. Chronica Magistri Rogeri Houedene, RBS 51/2, S. 289, Zeile 4-6.