Albert Lemeier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Albert Lemeier

Albert Lemeier auch: Lehmeier, Lemeiger, Lehenmeier, Lemeyer, Leminger (* um 1530 in Hamburg; † 30. April 1595 ebenda) war ein deutscher Rhetoriker und Moralphilosoph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Lemeiers Herkunft ist nichts bekannt. Vielleicht war er Schüler der Gelehrtenschule des Johanneums. Einzig ein Bruder mit Namen Johannes kennt man[1]. Lemeier selbst immatrikulierte sich am 28. Juni 1550 an der Universität Wittenberg, am 1. August 1552 wurde er auch in die Matrikel der Universität Rostock eingetragen.[2] In Wittenberg absolvierte er zunächst ein Studium der philosophischen Wissenschaften, wobei Philipp Melanchthon sein prägender Lehrer wurde. Am 31. Juli 1554 erlangte er den philosophischen Magistergrad und wurde am 18. Oktober 1556 als Dozent an der philosophischen Fakultät der Wittenberger Hochschule aufgenommen. Er fand seine neue Wohnung im Wittenberger Lutherhaus[3]. Am 8. April 1561 wurde er Professor für Rhetorik der Wittenberger Hochschule und wechselte 1574 auf den Lehrstuhl der Dialektik und Ethik.

Zudem beteiligte er sich an den organisatorischen Aufgaben der Alma Mater. So war er im Wintersemester 1564/65 und im Wintersemester 1571/72 Dekan der philosophischen Fakultät, sowie im Wintersemester 1570/71 Rektor der Hochschule. Da er sich 1580 weigerte, seine Unterschrift unter die sächsische Konkordienformel zu setzen, wurde er aus seiner Dienststellung entlassen. Er zog in seine Geburtsstadt, wo er im Jahr 1581 eine Stelle als Senatssekretär erhielt. In dieser Eigenschaft war er 1587 bei Verhandlungen in Stade aktiv und 1588 in Itzehoe anwesend[4]. Am 21. Februar 1588 wurde er Hamburger Ratsherr und als 1589 der Turm der St. Nikolaikirche durch ein Gewitter entzündet wurde, setzte er sich für die Wiederherstellung desselben ein.

Lemeier war zwei Mal verheiratet gewesen. Seine erste Ehe schloss er mit einer Hamburgerin namens Katharina († 12. Januar 1569 in Wittenberg). 1570 schloss er in Hamburg eine zweite Ehe mit Sophia Bestenborstel, die Tochter des Hamburger Ratsherrn Diedrich (Theodor) Bestenborstel[5]. Von den Kindern kennt man[6]:

  • Joachim Lemeier (* 13. Juli 1561 in Wittenberg,)
  • Albert Lemeier (* 5. September 1562 in Wittenberg, immatr. 18. Oktober 1570 UWB)
  • Daniel Lemeier (* 23. November 1563 in Wittenberg, immatr. 18. Oktober 1570 UWB)
  • Johannes Lemeier (* 25. März 1565 in Wittenberg; † 30. Januar 1566 ebd.)
  • Anna Lemeier (* 2. Januar 1567 in Wittenberg; † 14. April 1567 ebd.)
  • Katharina Lemeier (* 20. Februar 1568 in Wittenberg; † 28. Juni 1568 ebd.)
  • Theoderich Lemeier (* 28. März 1576 in Wittenberg) [7]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oratio de studio et cura recte dicendi 5. Mai 1561, recit. cum explicationem Rhetorices auspicaretur. In: Declamtionum Melanchtonianarum. Wittenberg 1565, 7. Bd. S. 543 u. 566
  • Oratio continens Commonefactionem de discipllna scholastica d. 20. Mart. 1565 recitiata. In: Declamtionum Melanchtonianarum. Bd. 7 S. 960–976
  • Oratio de historia exilii Babylonici. Wittenberg 1572 auch In: Declamationum scholae Melanchtonis. Zerbst, 1586, Bd. 7, S. 128 f.
  • Programmata plurima ad praelectiones suas, partim philosophicas, partim oralorias, invitatoria ab 1559—1570 Witebergae proposita. In: Scriptorum Witebergae publice affixorum. T. 4. 5. 6 und 7, In: Judicia de Autoribus variis ex istis excerpta in Gregorii Richteri judiciis scholae Melanchtonianae. Wittenberg 1592, S. 53, 118, 119, 141, sqq. 150, sqq. 153, sqq. 156, 159, 160, 163, 164, 166, 168, 171, 172, 174, 712 -715, 720,
  • Dictata in dialecticam Philippi (Melanchthonis). Wittenberg 1571

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Schröder, F. A. Cropp, C. R. W. Klose: Lexikon der Hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. Verein für hamburgische Geschichte, Hamburg, 1866, 4. Bd., S. 420, Nr. 2220
  • Christian Gottlieb Jöcher: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Darinne die Gelehrten aller Stände sowohl männ- als weiblichen Geschlechts, welche vom Anfange der Welt bis auf die ietzige Zeit gelebt, und sich der gelehrten Welt bekannt gemacht, Nach ihrer Geburt, Leben, merckwürdigen Geschichten, Absterben und Schrifften aus den glaubwürdigsten Scribenten in alphabetischer Ordnung beschrieben werden. Verlag Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig, 1750, 2. Bd., Sp. 2357 (Online)
  • Johann Christoph Adelung; Heinrich Wilhelm Rotermund: Fortsetzungen und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinen Gelehrten-Lexico, worin die Schriftsteller aller Stände nach ihren vornehmsten Lebensumständen und Schriften beschrieben werden. Georg Jöntzen, Delmenhorst, 1810, Bd. 3, Sp. S. 1559
  • Helmar Junghans: Verzeichnis der Rektoren, Prorektoren, Dekane, Professoren und Schloßkirchenprediger der Leucorea. In: Irene Dingel, Günther Wartenberg: Georg Major (1502–1574). Ein Theologe der Wittenberger Reformation. Leipzig 2005, ISBN 3-374-02332-0, S. 247

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. immatr. 6. April 1564 als Johannes Leminger frater m. Alberti professoris (Album Academiae Vitebergensis Volumen Secundum. Halle (Saale), 1894, S. 63)
  2. Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Albertus Lehemeyer im Rostocker Matrikelportal
  3. Seidemann: Luthers Grundbesitz. In: Christian Wilhelm Niedner: Zeitschrifrt für die historische Theologie. Friedrich Andreas Perthes, Gotha, 1860, 30. Bd., Neue Folge 24 Bd., S. 495 (Online)
  4. Nicolaus Wilcken: Hamburgischer Ehren-Tempel. C. S. Schröder, Hamburg, 1770, S. 108
  5. Conrad Walter: Ecloga in Nuptias Clarissimi Atque Doctissimi viri D. M. Alberti Lenmeigeri, Oratoriae facultatis Professoris in Academia Witebergensi, et honestißime uirginis Sophiae Bestenborstel relictae filiae Theodorici Bestenborstel, Reipub: Hamburg Senatoris. Wittenberg, 1570, (Online)
  6. Theodor Wotschke: Aus Wittenberger Kirchenbüchern. In: Archiv für Reformationsgeschichte. (ARG) Jg. 29, 1932, S. 169–223
  7. in welchem familiären Kontext der Philosophiestudent Theodor Lemaier (* ± 1589 in Hamburg) immatr. 18. September 1605 Universität Greifswald, immatr. 17. September 1609 Universität Leiden steht, ist unklar