Alexianer

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Ordenswappen

Die Ordensgemeinschaft der Alexianerbrüder, kurz Alexianer (lat.: Congregatio Fratrum Alexianorum, Ordenskürzel: CFA), auch: Kongregation der Celliten, Alexianerbrüder oder „Lollarden“ sind eine katholische Brüdergemeinschaft, die in der Krankenpflege tätig ist. Sie zählen im Jahr 2016 weniger als 100 Ordensbrüder in zwei Provinzen sowie zwei Regionen in sieben Ländern (USA, Großbritannien, Irland, Deutschland, Belgien, Ungarn, Philippinen). Eine der beiden Provinzen ist die St. Alexius Provinz Deutschland mit drei Konventen in Aachen, Neuss und Münster. Das Provinzialat ist in Münster angesiedelt, das Generalat in Signal Mountain/Tennessee, USA.[1]

Die Alexianer sind nach ihrem Schutzheiligen Alexius von Edessa benannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert aus den Begarden hervorgegangen, fanden die Alexianer unter Papst Julius II. die Bestätigung als exemter Orden und gaben sich den Wahlspruch caritas Christi urget nos (Uns treibt die Liebe Christi). Das Verbreitungsgebiet während des Mittelalters umfasste Flandern, den Niederrhein, Straßburg, Hamburg und Braunschweig.[2] Um 1480 begann die Gemeinschaft sich als „Alexianer“ zu bezeichnen.[3]

Auch wenn dieser Orden in der Säkularisation nicht aufgelöst wurde, zerschlug diese doch den Orden. Jede Niederlassung wurde zu einer selbstständigen Kongregation unter dem jeweiligen Diözesanbischof. Mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert (um 1900 waren es drei deutsche und sechs belgische Kongregationen) begann eine Zeit der Bestrebungen nach Wiedervereinigung, die 1990 mit der Fusion der Kongregationen von Neuss (mit noch etwa zehn Mitgliedern) und Aachen ihren Abschluss fanden.

In den Jahren der NS-Diktatur gerieten durch das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933 auch die Alexianer in Bedrängnis. Sie versuchten, die ihnen anvertrauten Bewohner ihrer Häuser vor den „Euthanasie“-Morden zu schützen, u. a. indem sie ihre Schutzbefohlenen in die belgischen Häuser des Orden verlegten – doch oft vergebens. Bruder Gereon Wittkamp, der Rektor von Haus Kannen bei Münster, berichtete dem Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, von einer Mordaktion an 106 Bewohnern von Haus Kannen.[4] Dessen berühmte Predigt am 3. August 1941 und seine Strafanzeige gegen die Mörder trugen entscheidend dazu bei, dass die Mordaktion ausgesetzt wurde.

Derzeit widmen sich die Alexianer-Brüder insbesondere der psychiatrischen Krankenpflege.

Kliniken und Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland betreibt die von der Stiftung der Alexianerbrüder getragene Alexianer GmbH mit über 16.000 Mitarbeitern eine Vielzahl von Einrichtungen:[5]

  • Krankenhäuser: In Aachen, Münster-Amelsbüren, Krefeld, Köln, Berlin, Potsdam, Hörstel, Dessau, Lutherstadt-Wittenberg und Tönisvorst. Außerdem noch in Sulingen, Diepholz, Bassum und Twistringen (St. Ansgar Klinikverbund)
  • Senioreneinrichtungen: In Aachen, Krefeld, Bonn, Siegburg, Köln, Münster-Amelsbüren, Twistringen, Berlin, Potsdam und Tönisvorst.
  • Behinderteneinrichtungen: In Aachen, Krefeld, Köln und Münster-Amelsbüren. In Münster-Amelsbüren, Münster-Zentrum Nord und Münster-Angelmodde gibt es verschiedene Werkstätten von Bäckerei bis zur Floristik und Schreinerei.
  • Forensik: In Münster-Amelsbüren.

Außerdem betreiben die Alexianer Einrichtungen in den USA, Belgien, England, Philippinen, Indien usw.

Seit dem 11. Mai 2011 betreiben die Alexianer-Brüder im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen eine Forensik für Straftäter mit niedriger Intelligenz. Der Bischof von Münster Felix Genn hat in einer feierlichen Messe Reliquien von dem ehemaligen Bischof Clemens August Graf von Galen (Bischof von Münster während der Zeit des Nationalsozialismus) in den Altar der Kapelle eingelassen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website der Alexianer
  2. Günther Binding: Alexianer, -innen. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 384.
  3. Christopher J. Kauffman: Geschichte der Alexianerbrüder. Bd. 1: Von 1300 bis 1789: Sie haben den Tod vertraut gemacht. Gemeinschaft der Alexianerbrüder, Aachen 1980.
  4. Alexianer Münster GmbH (Hrsg.): Die Zeit des Nationalsozialismus (1935 bis 1945).
  5. Einrichtungen der Alexianer

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günther Binding: Alexianer, -innen. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 384.
  • Christopher J. Kauffman: Geschichte der Alexianerbrüder:
    • Bd. 1: Von 1300 bis 1789: Sie haben den Tod vertraut gemacht. Gemeinschaft der Alexianerbrüder, Aachen 1980. (englischsprachige Ausgabe: Tamers of death. The history of the Alexian Brothers from 1300 to 1789. Seabury Press, New York 1976. ISBN 0-8164-0314-7)
    • Bd. 2: Von 1789 bis zur Gegenwart: Dienst am Kranken. Gemeinschaft der Alexianerbrüder, Aachen 1980. (englischsprachige Ausgabe: The Ministry of healing. The history of the Alexian brothers from 1789 to the present. Seabury Press, New York 1978. ISBN 0-8164-0387-2)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]