Alkalische Hydrolyse (Bestattungsart)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die alkalische Hydrolyse (englisch resomation) ist eine Bestattungsmethode, bei der der zu bestattende Leichnam durch die Einwirkung einer starken Lauge hydrolysiert wird.

Das Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leiche wird in einem Druckbehälter aus Edelstahl bei Temperaturen von 150 bis 160 °C in konzentrierter Kalilauge binnen weniger Stunden zersetzt. Der Behälter steht dabei unter Druck, um ein Sieden der Lauge zu verhindern. Die erhöhte Temperatur beschleunigt die Hydrolyseprozesse (Verseifung der Körperfette, Proteolyse). Abgesehen von Knochenresten (Calciumphosphat) und eventuellen Metall- oder Keramikimplantaten (z. B. Hüft-Endoprothesen) bleibt dabei nur eine durchsichtige, braune Flüssigkeit übrig. Sie besteht im Wesentlichen aus Aminosäuren, kurzen Peptiden, Zuckern und Mineralien. Sie enthält keine DNA mehr, da diese durch konzentrierte alkalische Lösungen zersetzt wird. Die resultierende Flüssigkeit ist mikrobiologisch steril und kann im Normalfall bedenkenlos über den Abfluss entsorgt werden.[1]

Bevor das Verfahren bei verstorbenen Menschen zur Anwendung kam, war es bereits zum Teil in der Veterinärmedizin in der Anwendung. Dort stellte sich mitunter das Problem, dass schwierige infektiöse Materialien zu entsorgen waren, beispielsweise im Rahmen der BSE-Epidemie. Die Behandlung mit konzentrierten Laugen ist eines der wenigen Verfahren, dass auch Prionen sicher inaktivieren kann.

Die Kosten für eine Bestattung mit der alkalischen Hydrolyse liegen in den USA bei ungefähr 600 USD.

Umweltaspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt bisher nur wenige wissenschaftliche Studien, die die Umweltaspekte dieser Bestattungsart genau untersucht haben. Eine niederländische Studie aus dem Jahr 2014, die im Auftrag der Bestattungsfirma Yarden in Almere erstellt wurde, und verschiedene Bestattungsarten (Erdbestattung, Kremation und Alkalische Hydrolyse) anhand von 18 ökologischen Kriterien beurteilte (Landschaftsverbrauch, CO2-Ausstoß, Energieverbrauch, Schadstoffbelastung, ...), kam zu dem Ergebnis, dass die Alkalische Hydrolyse bei diesem Vergleich die bei weitem umweltfreundlichste Methode darstellt.[2] Die Umweltkosten wurden nach dieser Studie wie folgt quantifiziert: Erdbestattung 63,66 €, Kremierung 48,47 €, Alkalische Hydrolyse 2,50 €. Diese Zahlenangaben waren jedoch im wesentlichen auf Verhältnisse in den Niederlanden bezogen. Durch unterschiedliche Bestattungspraktiken in verschiedenen Ländern können sich unterschiedliche Ergebnisse ergeben. Beispielsweise sind bei Krematorien in den Niederlanden Filteranlagen, die die Quecksilberemissionen aus dem Rauch aufwändig herausfiltern, gesetzlich vorgeschrieben. Dies ist bei Krematorien in den Vereinigten Staaten nicht der Fall, womit dort die Umweltkosten diesbezüglich höher sein dürften. Andererseits erfolgt die Kremierung in den Vereinigten Staaten in Regel ohne Sarg, was die Umweltkosten wieder senkt.[3]

Ethische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Bestattungsart ist zum Teil auf Ablehnung von religiösen Institutionen gestoßen. Die offizielle Römisch-katholische Kirche in den Vereinigten Staaten hat sich mehrfach gegen das Verfahren ausgesprochen. Ein Hauptargument der Gegner war dabei, dass es pietät- und würdelos sei, den aufgelösten Verstorbenen gewissermaßen einfach im Abfluss zu „entsorgen“. Der Verstorbene würde dann wie „Abfall“ behandelt. Dem wurde von Befürwortern entgegengehalten, dass auch alte traditionelle Bestattungsmethoden immer Teile des Körpers als Abfall behandelt hätten – beispielsweise bei der Einbalsamierung oder Feuerbestattung. Bei der letzteren sei es auch so, dass ein Teil der Asche in die Luft gewirbelt werde und letztlich mit dem Regen wieder auf die Erde heruntergewaschen werde.[3]

Anhänger einer „Öko-Bestattung“ argumentierten, dass die bei der Alkalischen Hydrolyse übrigbleibende Aminosäure-, Zucker- und mineralhaltige Flüssigkeit wieder anderen Lebewesen (Bakterien in Wasseraufbereitungsanlagen) zur Nahrung dienen könne.[3]

Zulassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Form der Bestattung ist in den US-Bundesstaaten Minnesota und New Hampshire für die Bestattung von Menschen zugelassen (Stand Mai 2008). Bis zum Sommer 2007 wurden in den USA angeblich etwa 1000 Menschen auf diese Art bestattet.[4] Sechs weitere US-Bundesstaaten haben bis 2013 die Bestattungsform zugelassen. Außerdem wird sie in Großbritannien, Kanada und Australien angewendet.[1][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Neil Bowdler: New body 'liquefaction' unit unveiled in Florida funeral home. BBC News, 30. August 2015, abgerufen am 23. Mai 2017 (englisch).
  2. E. E. Keijzer, H. ten Broeke, Ir. A. M. M. Ansems: Milieueffecten van verschillende uitvaarttechnieken – update van eerder TNO - onderzoek. Hrsg.: Niederländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung. 30. November 2014 (niederländisch, uitvaart.nl [PDF]).
  3. a b c William Kremer: Dissolving the dead. BBC News, 22. Mai 2017, abgerufen am 23. Mai 2017 (englisch).
  4. UK firm: Don't burn bodies, boil them. A British company says it has an eco-friendly alternative to cremation: boiling bodies into dust. 6. August 2007, abgerufen am 18. Januar 2013 (englisch).
  5. Emissionsarm auf die letzte Reise. Abgerufen am 18. Januar 2013.