Altstadt (Tiflis)

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Blick über die Altstadt von Tiflis

Die Altstadt von Tiflis (georgisch ძველი თბილისი/ Dsweli Tbilisi, „Alt-Tiflis“) liegt im Zentrum der georgischen Hauptstadt auf dem rechten Ufer der Kura. Sie entstand in ihrer heutigen Form weitgehend im frühen 19. Jahrhundert, beherbergt jedoch eine große Anzahl städtebaulicher Zeugnisse aus dem 5. bis 18. Jahrhundert. Das Kulturdenkmal wurde von Georgien 1993 für die Liste des UNESCO-Welterbes angemeldet.

Von 2007 bis 2013 war die Altstadt als Dsweli Ubani (ძველი უბანი, etwa „Alter Bezirk“) einer der Stadtbezirke (Rajone) von Tiflis.

Geschichte und Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altstadt-Wohnhäuser vom Tifliser Typ

Ursache der späten Entstehung der Altstadt ist die weitgehende Zerstörung von Tiflis bei der Eroberung der Stadt durch die persische Armee Aga Mohammed Khans im Jahre 1795. Die Stadt wurde unter russischer Herrschaft völlig neu aufgebaut und erweitert. Dabei legte die russische Verwaltung ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung neuer, moderner Stadtteile außerhalb der Altstadt, während der historische Stadtkern von einheimischen Handwerkern wiedererrichtet wurde. Der Wiederaufbau der Altstadt war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschlossen.

Die Altstadt entspricht dem im 5. Jahrhundert erbauten historischen Stadtkern. Beim Wiederaufbau im 19. Jahrhundert wurden die unregelmäßigen, gewundenen Straßen und die mittelalterliche Stadtstruktur erhalten. Noch heute haben die Straßen das alte Kopfsteinpflaster.

Signifikant sind die Wohnbauten vom traditionellen Tifliser Typ: Es handelt sich um zwei- bis dreistöckige Backsteingebäude mit einem System ausgedehnter, weitläufiger hölzerner Balkone, Passagen, Außentreppen und einem Hof, der als Vestibül dient. Die äußere und innere Organisation der Häuser gehen ineinander über. Im Sommer bilden die Balkone ein Zentrum des Familienlebens.

Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sioni-Kathedrale in der Altstadt

Die Altstadt vereint historische Sakralbauten vieler Religionen: Drei georgisch-orthodoxe Kirchen, die Sioni-Kathedrale (5. Jahrhundert), die Metechi-Kirche (13. Jahrhundert) und die Antschischati-Basilika (6. Jahrhundert), die armenisch-gregorianische Kirche, die sephardische Synagoge sowie die Moschee.

Die im 19. Jahrhundert erbaute Karawanserei (georgisch Karwasala) steht auf den Fundamenten einer Karawanserei aus dem 17. Jahrhundert. Sie zeugt von der Seidenstraße, einer historischen Ost-West-Verbindung, auf der einst Marco Polo durch Tiflis reiste. Heute ist sie ein Einkaufszentrum mit Cafés und dem Ioseb-Grischaschwili-Museum für Tifliser Geschichte. Der Gorgassali-Platz war einst Sammelpunkt von Kamelkarawanen. In den kleinen Häusern des früheren Basars an der Schardeni-Straße haben sich Kunstgalerien sowie Läden für Kunstgewerbe und traditionellen Schmuck angesiedelt. Straßen tragen die Namen alter Handwerke. Nahe der Synagoge an der Gorgassali-Straße finden sich jüdische Restaurants und Geschäfte.

Zur Altstadt gehören auch die Schwefelbäder im Bäderviertel Abanotubani aus dem (17. Jahrhundert). Tolstoi, Puschkin und Alexandre Dumas haben sie besucht und gelobt. Der Eintritt kostet knapp 5 Euro, eine gründliche Massage etwa 15 Euro.

Teile der alten Stadtmauer sind an der Barataschwili-Straße erhalten geblieben. In die Lücken wurden Wohnhäuser gebaut. Eine Gedenkmauer erinnert an die Verteidigung der Altstadt gegen die persischen Invasoren 1795 durch eine Bürgerwehr unter Führung des Hofschauspielers David Matschabeli. Gegenüber der Mauer steht eine 23 Meter hohe Stele. Sie gedenkt 300 Aragwinern, einer georgischen Militäreinheit, die an dieser Stelle König Irakli II. aus persischer Umzingelung retteten und dabei ihr Leben ließen.

Instandsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Jahrhunderte ist die Altstadt zerfallen. Sie wurde 1934 erstmals restauriert. Sie war damals eines der seltenen Restaurierungsprojekte in der Sowjetunion. 1975 wurde sie amtlich zum „historischen Bezirk“ erklärt. Die Häuser wurden 1998 aus Mitteln der Weltbank kartographiert, um Grundlagen für den Denkmalschutz zu schaffen.

Im September 2003 unterzeichneten der Europarat und die georgische Regierung eine Vereinbarung zum Tifliser Projekt, das eine Instandsetzung, Modernisierung und Revitalisierung des historischen Stadtkerns vorsieht. An der Realisierung des Projekts beteiligen sich auch die UNESCO und die Internationale Organisation zur Bewahrung des kulturellen Erbes (ICCROM).

Im Rahmen der Festlegung neuer Bezirksgrenzen in Tiflis wurde die Altstadt 2007 ein eigener Stadtbezirk. Er trägt den Namen Alt-Tiflis (ძველი თბილისი, Dsweli Tbilisi) und übernahm Teile der Stadtbezirke Mtazminda-Krzanisi, Isani-Samgori und Didube-Tschughureti.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thea Kvastiani, Vadim Spolanski, Andreas Sternfeld: Georgien entdecken. Unterwegs zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer. Trescher Verlag, Berlin 2000, ISBN 3928409859
  • Ulrich Bock: Georgien und Armenien. DuMont Reise Verlag, Köln 1988, ISBN 3770114647
  • Tamaz Gersamia: Old Tbilisi. Sabčota Sakartvelo, Tbilisi 1984 (Fotos)
  • Vahtang Vukolovic Beridze: Arhitektura Tbilisi: 1801 gody 1917. Sabeota Sakartvelo, Tbilisi 1960
  • Giorgi Pavles je Berije: Problema istoriceskogo centra v proekte rekonstrukcii Tbilisi 1934 goda. Izdat. Mecniereba, Tbilisi 1983
  • Urban rehabilitation policy in Tbilisi (Georgia): Document. prep. by the Technical Co-operation and Consultancy Unit, Directorate of Culture and Cultural and Natural Heritage, Council of Europe Publishing, Strasbourg 2002, ISBN 92-871-4944-5
  • Zizischwili, Irakli: Tbilissi – Architekturdenkmäler und Kunstmuseen. Aurora, Leningrad 1985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 41° 42′ N, 44° 48′ O