Andrea Rossi (Unternehmer)

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Andrea Rossi (* 3. Juni 1950) ist ein italienischer Erfinder und Unternehmer[1] sowie verurteilter Betrüger.[2] Er ist Erfinder des Energie-Katalysators (auch E-Cat), den er als Kernfusionsreaktor für kalte Fusion vorstellte.[3]

Er behauptete, ein Verfahren erfunden zu haben, um organische Abfälle in Öl zu verwandeln. 1978 gründete er zu diesem Zweck die Firma Petroldragon. In den frühen 1990er Jahren wurde die Firma aufgelöst und Rossi auf Grund unerlaubter Entsorgung von Giftstoffen sowie Steuerhinterziehung verurteilt.[2]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andrea Rossi wurde am 3. Juni 1950 in Mailand geboren und graduierte 1973 an der Universität Mailand in Philosophie[4] mit einer Arbeit zum Zusammenhang zwischen Albert Einsteins Relativitätstheorie und der Phänomenologie nach Edmund Husserl.[5] Rossi ist mit Maddalena Pascucci verheiratet.[6]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petroldragon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 beantragte Rossi ein Patent für eine Verbrennungsanlage. Es beschrieb das Recycling von Abfällen und wurde in Mailand in der Tecniche Nuove veröffentlicht. Danach gründete er Petroldragon, ein Unternehmen, das Öl aus Abfall gewinnen sollte. In den 1990er Jahren kamen Vorwürfe über die Verklappung von Giftstoffen[7], sowie Vorwürfe über Steuerhinterziehung auf. Sein Vermögen wurde eingezogen und Rossi blieb bis zum Prozess in Untersuchungshaft. Rossi verbrachte vier Jahre im Gefängnis.[8][9][10] Die Regierung der Lombardei wendete über 40 Millionen Euro auf, um 70.000 Tonnen Giftmüll, die Petroldragon unsachgemäß verklappt hatte, zu entsorgen. Der Bürgermeister von Lacchiarella, Luigi Acerbi, sagte: „In den Jahren, als Rossi hier arbeitete, wurde, soweit wir wissen, kein Tropfen Öl erzeugt.“[11]

Nach eigener Darstellung wurde er Opfer eines Angriffes der Ölindustrie, die sich durch seine Erfindung bedroht fühlte und Druck auf die italienische Regierung ausübte, um Petroldragon sowie seinen Ruf zu zerstören. Er war mehrmals in Haft, sei aber jedes Mal freigesprochen worden. Mittlerweile gebe es weltweit mehrere auf seinem Patent basierende Anlagen, die erfolgreich Abfall in Biodiesel umwandelten, unter anderem in Edmonton, Kanada.[12]

Strom aus Abwärme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA gründete Rossi die Beratungsfirma Leonardo Technologies, Inc. (LTI). Er sicherte sich einen Rüstungsauftrag, um Strom mit der Hilfe von thermoelektrischen Generatoren aus Abwärme zu erzeugen. Dies ähnlich den Heiz- und Kühlelementen, die auf dem Peltier-Effekt basieren, deren Effizienz aber nur wenige Prozent beträgt. Rossi behauptete, seine Geräte könnten 20 % Wirkungsgrad erreichen. Er schickte 27 thermoelektrische Geräte zur Auswertung an ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. 19 Geräte produzierten überhaupt keine Elektrizität, die verbleibenden jeweils weniger als 1 Watt anstelle der erwarteten 800–1000 Watt.[13]

Energie-Katalysator (so genannte "kalte Fusion")[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2011 stellten Andrea Rossi und Sergio Focardi ein Gerät vor, das angeblich Energie rentabel durch kalte Fusion erzeugen soll. Angeblich könne er einen Ein-Megawatt Reaktor für 1,5 Millionen Euro bereits zum Kauf anbieten.[1]

Der sogenannte Energie-Katalysator soll, wie Rossi in einem Interview behauptete, die Energie auf der Grundlage einer „schwachen Kernreaktion“ erzeugen.[14] Allerdings wurde bei der internationalen Patentanmeldung das Gerät als nicht patentierbar abgelehnt, da die Funktionsweise den allgemein anerkannten Gesetzen der Physik widerspräche.[15] Die Anwendung müsste entweder experimentell oder theoretisch bestätigt werden. Journalisten war es nicht erlaubt, den Kern des Reaktors zu untersuchen.[16]

Rossi behauptet, dass in seinem „Reaktor“ Kerne von Nickel- und Wasserstoffatomen bei niedrigen Temperaturen (1400 °C) miteinander verschmelzen. Claude Petitjean vom Schweizer Paul Scherrer Institut bezweifelt dies aufgrund der Coulomb-Barriere, die eine Teilchenfusion verhindere: „Ich halte es für ausgeschlossen, dass der Reaktor von Herrn Rossi auf Basis einer Kernfusion Energie erzeugt.“[1]

Ähnlich äußern sich Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik: „Wenn die allgemein anerkannten Gesetze der Physik die Natur richtig beschreiben, dann ist in diesen Anlagen eine ‚kalte Fusion‘ nicht möglich“, und Ulrich Samm, Leiter der Kernfusionsforschung am Forschungszentrum Jülich: „Was Herr Rossi macht, gehört in die Kategorie Scharlatanerie.“[1][17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Zweifelhafte Erfindung: Herr Rossi und sein Wunderreaktor. Abgerufen am 10. August 2014.
  2. a b Riciclaggio rifiuti tossici Assolto Andrea Rossi (Memento vom 18. März 2015 im Internet Archive)
  3. World Intellectual Property Organization publication number WO/2009/125444.
  4. Mats Lewan: 'E-cat': Here is the Greek energy box. 2011.
  5. Andrea Rossi's E-Cataclysm? Abgerufen am 11. August 2014.
  6. Archivlink (Memento des Originals vom 2. Februar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ecat-news.com
  7. David Hambling: Cold fusion rears its head as 'E-Cat' research promises to change the world (Wired UK). Abgerufen am 29. Oktober 2011.
  8. Steven B. Krivit: Report #5: Rossi's Profitable Career in Science. In: New Energy Times. 7. März 2012. Abgerufen im 31. Mai 2013.
  9. http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2795&artikel=5872724
  10. Riciclaggio rifiuti tossici Assolto Andrea Rossi. Archiviostorico.corriere.it. Archiviert vom Original am 18. März 2015. Abgerufen am 12. November 2011.
  11. Aldo Vaglia: Rischia più uno scienziato che un ladro (Italian). In: Valle Sabia News, 7. Oktober 2011. Abgerufen im 3.1 Mai 2013.  (English: „Most likely a scientist and a thief“)
  12. Lebenslauf von Andrea Rossi auf eCat.com. Abgerufen am 21. September 2015.
  13. John Huston, Chris Wyatt, Chris Nichols, Michael J. Binder, and Franklin H. Holcomb: Application of Thermoelectric Devices to Fuel Cell Power Generation: Demonstration and Evaluation. Construction Engineering Research Laboratory in Champaign, Illinois, part of Engineer Research and Development Center (ERDC), September 2004. (online pdf Archivlink (Memento des Originals vom 9. Mai 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dodfuelcell.cecer.army.mil)
  14. Issue #36: Energy Catalyzer: It Works and It's Not Fusion. New Energy Times. 31. Januar 2011. Abgerufen am 12. November 2011.
  15. http://www.physorg.com/news/2011-01-italian-scientists-cold-fusion-video.html
  16. Mats Lewan: Cold Fusion: Here's the Greek company building 1 MW. In: Ny Teknik, 7. Februar 2011. 
  17. Kernfusion: Was wurde eigentlich aus Herrn Rossis Wunderreaktor? Abgerufen am 10. August 2014.