Angelica Bellonata Facius

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Angelica Bellonata Facius,
porträtiert von Louise Seidler, 1842
Grabstein für Angelika Facius auf dem Historischen Friedhof Weimar (östliche Friedhofsmauer)

Angelica Bellonata Facius (* 13. August 1806 in Weimar; † 17. April 1887 ebenda) war eine deutsche Bildhauerin, Medailleurin und Gemmenschneiderin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie war die Tochter von Friedrich Wilhelm Facius, den sie in ihren Fähigkeiten weit übertraf. Sie war eine Schülerin Christian Daniel Rauchs in Berlin und stark geprägt vom Kreis um Goethe in Weimar. Nach fünfjähriger Lehrzeit beim Vater, der durch den Besuch der von Goethe geförderten Fürstlichen freien Zeichenschule in Weimar begleitet wurde, erhielt sie weiteren Unterricht bei Peter Kaufmann, dem Weimarer Hofbildhauer. 1825 wurde sie Goethe vorgestellt, der ihre künstlerische Entwicklung förderte. Ihr ungewöhnliches Talent verschaffte ihr die Förderung weiterer namhafter Persönlichkeiten, wie Leonhard Posch, Gottfried Schadow und des bekannten Medailleurs Gottfried Bernhard Loos. In Berlin verbrachte sie 1827 bis 1834 ihre Lehrjahre bei dem Bildhauer Christian Daniel Rauch und wohnte zeitweise bei dem Komponisten Karl Friedrich Zelter, der Goethe in seinen Briefen von ihren Fortschritten berichtete. Angelica Facius gehört zu den bedeutendsten deutschen Bildhauerinnen der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts und zur führenden Berliner Bildhauerschule.

Facius Hauptwerke sind Arbeiten für das Weimarer Schloss (Zueignungsrelief mit dem Medaillon Goethes, Viktorienreliefs, Apolloköpfe, aber vor allem die Schmucktüren) und 19 filigrane Kameen wichtiger Weimarer Persönlichkeiten, die heute im Dresdner Grünen Gewölbe verwahrt sind. Zu ihren besten Schnitten gehören das Bildnis des Großherzogs Karl August von Weimar in einem Karneol, die Medaille zur Feier des Jubelfestes des Großherzogs Karl August von Weimar (1825) und die unter Rauchs Leitung vollendete Medaille auf den Tod dieses Fürsten. Ebenso ausgezeichnet sind ihre Porträts in Gemmenart und ihre Büsten in Gips, Siegel und Basreliefs. Sie schuf zahlreiche Skulpturen. Das Schaffen von Facius ist nach Brodrecht (s. Literatur) weit umfangreicher, vielfältiger, anspruchsvoller und eigenständiger als bisher angenommen. Einige Werke gelten als verschollen, allerdings konnten in den letzten Jahren auch Werke wie ein Schützenpokal, das Brustbild Schillers auf dem Schilleralbum, eine Statuette Maria Pawlowas, eine Kinderbüste für Beust, eine Büste von Zelters Stieftochter, eine Muschelkamee mit dem Bildnis von A. Feodorowna oder Kandelaberfiguren wiederentdeckt werden, sodass weitere Entdeckungen in der Zukunft nicht auszuschließen sind.

Angelika Facius ist auf dem Historischen Friedhof Weimar bestattet. Ihr Grabstein findet sich an der östlichen Friedhofsmauer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeines Künstlerlexikon. Band XXXVI, 2003, S. 159.
  • Claude Keisch, Roland März: Deutsche bildende Künstlerinnen von der Goethezeit bis zur Gegenwart. National-Galerie, Berlin 1975.
  • Peter Bloch u. a. (Hrsg.): Ethos und Pathos, die Berliner Bildhauerschule 1786–1914. Dt. Verein für Kunstwiss., Berlin 1990.
  • Eva Wipplinger: Medaillenkünstlerinnen in Deutschland. Kreativität in Geschichte und Gegenwart. Halle 1992.
  • Ulrike Müller (Hrsg.): Frauenpersönlichkeiten der Weimarer Klassik: der Umgang hier scheint mir sehr angenehm und gar nicht kostspielig . Weimar 1998, 2003.
  • Bärbel Kovalevski (Hrsg.): Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Künstlerinnen der Goethe-Zeit zwischen 1750 und 1850. Ostfildern-Ruit 1999.
  • Maja Brodrecht: Angelica Facius (1806–1887) Leben und Werk einer Bildhauerin der Goethezeit und des Spätklassizimus. Dissertation. Jena 2016.
  • Maja Brodrecht: Die Medaille in Goethes Gartensee. Auf der Suche nach der Weimarer Künstlerin A. Facius. Norderstedt 2020, ISBN 978-3-7504-7196-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Angelica Facius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien