Anglo-German Club

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Der Anglo-German Club in Hamburg ist ein Verein zur Förderung der internationalen und insbesondere der deutsch-britischen Beziehungen zum Nutzen der Allgemeinheit. Er wurde 1948 auf Initiative des Regionalkommissars der britischen Militärregierung für Hamburg Sir John Dunlop gegründet. Der Club residiert seit der Gründung am Harvestehuder Weg 44 an der Außenalster in einer 1860 gebauten Villa, die ab 1945 von britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden war und nach der Rückgabe an die Eigentümer an den Anglo-German Club zunächst vermietet wurde. Seit 1989 gehört das Gebäude dem Club und das Grundstück ist per Erbbaurecht gesichert. Der Anglo-German Club gilt heute als einflussreiches Forum für deutsch-britische und internationale Beziehungen, Wirtschaft und Politik und als exklusiver Gentlemen’s Club.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung des Clubs 1948[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 befand sich Hamburg in der britischen Besatzungszone und wurde von einem britischen Regionalkommissar verwaltet. Unter den von der Militärregierung beschlagnahmten 1500 Häusern und Wohnungen befand sich auch die Villa der Familie Müller am Harvestehuder Weg 44, die von Briten als Offiziersunterkunft genutzt wurde. Obwohl Hamburg durch seine Handelskontakte schon im 18. und 19. Jahrhundert als britischste aller deutscher Städte galt, gab es auch aufgrund der großen Wohnungsnot immer wieder Konflikte zwischen der britischen Militärregierung und dem Hamburger Senat unter den Bürgermeistern Rudolf Petersen (1945/46) und Max Brauer (1946–1949), die dadurch verschärft wurden, dass neben den Hamburgern und vielen Flüchtlingen im Sommer 1947 rund 30.000 Briten in der Hansestadt arbeiteten.[1] Diese angespannte Lage brachte den britischen Regionalkommissar Sir John Dunlop 1948 auf die Idee, in den Räumen der bis dato von britischen Offizieren genutzten Villa einen Club nach britischem Vorbild zu gründen, der die Beziehungen zwischen Briten und Deutschen wieder auf die alte freundschaftliche Basis stellen sollte. Es gelang ihm, hierfür eine Reihe prominenter Politiker der Hansestadt als Gründungsmitglieder zu gewinnen, zu denen neben dem Bürgermeister Max Brauer auch die späteren Bürgermeister Kurt Sieveking (damals Senatssyndikus und Verbindungsperson zur Militärregierung), Paul Nevermann (damals Bausenator) und Herbert Weichmann (damals Präsident des Rechnungshofes) gehörten. Ebenfalls Gründungsmitglieder wurden bedeutende Wirtschaftsvertreter der Stadt, wie der Präses der Handelskammer Hamburg Albert Schäfer, der Vizepräses Erik Blumenfeld, der Präsident der Hamburger Landeszentralbank Karl Klasen oder die Verleger Ernst Rowohlt, John Jahr und Axel Springer.[2] Letzterer bekam im Anglo-German Club im Oktober 1948 seine Lizenz mit der Erlaubnis zum Druck des Hamburger Abendblattes vom Direktor der staatlichen Pressestelle Erich Lüth überreicht.[3]

Von Anfang an stand neben der Aussöhnung von Briten und Deutschen auch die internationalen Verbindungen von Politik und Wirtschaft im Mittelpunkt, die zunächst dazu dienten, die internationale Akzeptanz Deutschlands wiederherzustellen.

Entwicklung des Clubs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1960er-Jahren, in denen der Privatbankier Heinrich von Berenberg-Gossler als Gesellschafter der Berenberg Bank den Vorsitz übernahm, entwickelte sich der Anglo-German Club zunehmend auch zu einem Wirtschaftsclub, mit einem Schwerpunkt auf dem Bankwesen. Bundesbankpräsident Karl Blessing gründete hier eine „Mittwochsrunde“ hanseatischer Bankiers. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller war 1948 schon als 37-jähriger Bürgerschaftsabgeordneter Gründungsmitglied geworden. So blieb auch der politische Austausch ein Schwerpunkt. In den Folgejahren trafen sich die Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl während ihrer Kanzlerschaften hier zu vertraulichen Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Auf der Rednerliste standen und stehen seitdem zumeist Unternehmer und Banker wie August Oetker, Theo Sommer, Michael Otto oder Josef Ackermann, nationale Politiker wie Peer Steinbrück oder Bundespräsident Joachim Gauck bzw. internationale Gäste wie Michail Gorbatschow und Shimon Perez.[4] Allerdings wurde die deutsch-britische Tradition nie vergessen. Deutsche und britische Minister kamen hier zu informellen Treffen zusammen und mit Rednern wie den britischen Politikern Douglas Hurd und Michael Heseltine oder Autoren wie Frederick Forsyth und John le Carré wurde an die Gründungsidee angeknüpft. Prince Andrew durfte gar unter dem Porträt seiner Mutter Platz nehmen.[5] Eine veröffentlichte Redner-Liste gibt es nicht. Auf die Frage nach prominenten Gästen, die hier Einlass fanden, pflegte der langjährige Präsident Heinrich von Berenberg-Gossler mit einer Gegenfrage zu antworten: „Welche nicht?“

1997 wurde mit Claus-Günther Budelmann nicht nur ein Nachfolger von Heinrich von Berenberg-Gossler als Gesellschafter der Berenberg-Bank auch dessen Nachfolger als Vorsitzender des Anglo-German Clubs, sondern dieser folgte 2007 auch der Tradition des Gründers John Dunlop und wurde britischer Honorarkonsul in Hamburg.[6]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den regelmäßig wiederkehrenden Veranstaltungen gehören das „Herrenessen“ ebenso wie Abendessen mit Damen, mit prominenten englischen und deutschen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, ein alljährliches Golfturnier, das Christmas-Dinner mit bekannten Künstlern, und die Garden Party, die in jedem Jahr zu Ehren der englischen Königin Elisabeth II. anlässlich ihres Geburtstages veranstaltet wird.[7]

Der Club unterstützt darüber hinaus Institutionen wie die Englische Kirche in Hamburg und vergibt Stipendien an deutsche Studenten zum Studium in England bzw. an britische Studenten zum Studium an einer deutschen Universität.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anglo-German Club hat derzeit gut 1000 Mitglieder, darunter 70 Junioren. Für eine Mitgliedschaft ist das Interesse an deutsch-britischen Beziehungen, die Unterstützung durch ein ordentliches Mitglied und die Befürwortung durch zwei weiterer Mitglieder, also der Zuspruch durch drei „Bürgen“ Voraussetzung. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand.[8] Im Clubhaus werden Herren gebeten, Jackett und Krawatte und Damen entsprechende Kleidung zu tragen.

Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, dem Schriftführer, dem Schatzmeister sowie vier Beisitzern. Ehrenvorsitzende sind jeweils der Botschafter des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland in Berlin (bis 2006 der Generalkonsul des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland in Hamburg) sowie der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Der Vorsitz des Anglo-German Clubs ist ehrenamtlich. Die bisherigen Vorsitzenden sind[9]:

  • 1948 bis 1949: Sir Vaughan Berry (1891–1979), Zivilgouverneur der Britischen Militärregierung für Hamburg.
  • 1949 bis 1968: Sir John Dunlop, vormaliger Regionalkommissar der Britischen Militärregierung, Britischer Honorarkonsul in Hamburg
  • 1968 bis 1997 Heinrich von Berenberg-Gossler (1907–1997), Privatbankier und Gesellschafter der Berenberg Bank
  • Seit 1997: Claus-Günther Budelmann (* 1944), Privatbankier, Gesellschafter der Berenberg Bank und 2007 bis 2015 Britischer Honorarkonsul in Hamburg

Villa am Harvestehuder Weg 44[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Villa am Harvestehuder Weg 44

1860 ließ die Familie Bielenberg von dem bekannten Hamburger Baumeister Martin Haller die heutige Villa als Wohnhaus am Harvestehuder Weg 44 errichten. 1901 wurde sie an den Hamburger Kaffeekaufmann und Konsul von El Salvador Gustav Müller (1856–1936) verkauft. Zu dieser Zeit war das Grundstück 14.000 m² groß, grenzte direkt an die Alster und umfasste neben der Villa noch ein altes strohgedecktes Bauernhaus mit Kuhstall und Hühnerhof, einen Ententeich sowie Weideland. 1911 verkaufte Müller die südlichsten 4.000 m² des Grundstückes, ließ das Bauernhaus abreißen und errichtete stattdessen ein Treibhaus und ein Gärtnerhaus, das mit dem Wohnhaus verbunden war. Die Villa selbst wurde von dem inzwischen 76-jährigen Martin Haller zu ihrer heutigen Form umgebaut und erhielt mit ihrem offenen Säulengang zur Haustür den Stil eines oberitalienischen Landhauses. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde das Anwesen von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und als Residenz für britische Offiziere genutzt. Nach Beendigung der Besatzung wurde das Haus an die Eigentümerfamilie zurückgegeben, die es an den Anglo-German Club vermietete. Nachdem die Stadt Hamburg zunächst das Gartenland als öffentliche Grünanlage und schließlich auch den Uferstreifen als öffentlichen Weg beanspruchte, verkaufte die Erbengemeinschaft das mittlerweile nur noch 4.117 m² große Grundstück samt Gebäuden an die Stadt, die ebenfalls einen Mietvertrag mit dem Club abschloss. 1989 erwarb schließlich der Anglo-German Club das Haus sowie das Erbbaurecht am Grundstück.

Im Gebäudeinneren gibt es heute eine große Lounge mit Kamin und weitem Blick auf die Alster, ein geräumiges Kaminzimmer im Erdgeschoss mit einem halben Dutzend Sitzecken, eine Bar auf jeder Etage, das weitläufige Restaurant mit 60 Plätzen, ebenfalls mit Blick auf die Alster, und zwei große Veranstaltungsräume im Obergeschoss.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Vier Jahre lang die Herren der Hansestadt“, Artikel in „Die Welt am Sonntag“ vom 20. September 2009.
  2. Anglo-German Club – Der Club
  3. Dreißig Jahre Hamburger Abendblatt (Memento des Originals vom 28. Oktober 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.axelspringer.de, Rede von Axel Springer zum 30. Jubiläum des Hamburger Abendblattes vom 28. Oktober 1978.
  4. „Enthüllt! Hamburgs verschlossene Gesellschaft“, Artikel im Hamburger Abendblatt vom 3. Mai 2009.
  5. „Zutritt für Damen – nur in Begleitung“, Artikel in „Der Hamburger“, Ausgabe 15.
  6. „Der diskrete Charme des Bankiers“, Artikel im Hamburger Abendblatt vom 20. April 2009.
  7. „Einen Toast auf die Queen“, Artikel in „Die Welt am Sonntag“ vom 15. Juni 2014.
  8. „Im Anglo-German Club wird Tradition gepflegt“, Artikel in „Die Welt“ vom 15. Januar 2000.
  9. „Anglo-German Club ehrt Mitbegründer Sir John Dunlop mit Bronze-Plakette“, Artikel in „Die Welt“ vom 20. Januar 2003.
  10. Anglo-German Club – Das Haus

Koordinaten: 53° 34′ 41,7″ N, 9° 59′ 56,7″ O