Annegret Stopczyk

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Annegret Stopczyk, auch Annegret Stopczyk-Pfundstein (* 1951), ist eine deutsche Philosophin und Autorin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annegret Stopczyk absolvierte zuerst eine Schneiderlehre, holte dann das Abitur nach und entschied sich auf dem zweiten Bildungsweg für ein Studium in Physik, Germanistik, Erziehungswissenschaften, Freie Malerei und Philosophie, welches sie mit dem Abschluss M.A. in Erziehungswissenschaft, Germanistik und Hauptfach Philosophie bei Ernst Tugendhat abschloss.[1] Als Studentin sammelte sie Texte von bedeutenden Denkern der Philosophiegeschichte über Frauen und dokumentierte sie kommentiert 1980 in dem Buch Was Philosophen über Frauen denken,[2] mit dem sie als feministische Philosophin bekannt wurde. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl veröffentlichte Stopczyk den Essay Vom Ausstieg aus der männlichen Zivilisation in dem Sammelband Tschernobyl hat unser Leben verändert. Vom Ausstieg der Frauen. Darin entwirft sie ihre These von der „Verstaatlichung des Leibes“. Nach Stopczyk sei das Staatsziel nicht der Schutz des individuellen 'Lebens', sondern im Zeichen eines 'kollektiven Gemeinwohls' die Selbstopferung der 'Untertanen' als Soldat oder Mutter.[3] Stopczyk kritisierte die Beschränkung der Erkenntnisfähigkeit auf den Logos, der männlich geprägt sei, und entwickelte einen philosophischen Ansatz, den sie Leibphilosophie nennt und der körperliche Erfahrungen als Erkenntnisweg der Vernunft gegenüberstellt. 1989 plädierte sie in einer Strategiedebatte über Frauen und Wissenschaft in der TAZ für den Abschied von Frauen aus dem Wissenschaftsbetrieb, in dem freies Denken nicht möglich sei.[4]

Im Jahr 2000 promovierte Stopczyk in Philosophie zum Thema Philosophin der Liebe. Helene Stöcker. Die „Neue Ethik“ um 1900 in Deutschland und ihr philosophisches Umfeld bis heute bei Gernot Böhme in Darmstadt.[1] Stöckers Neue Ethik interpretierte sie als „Leibesphilosophie“. Die Dissertation publizierte sie 2002 als Buch, laut der Rezension von Rolf Löchel in Literaturkritik mit dem Hinweis, dass der Begriff Feminismus für ihre eigene philosophische Arbeit, die auf ethischem Gebiet eine Revitalisierung von Stöckers Theorien anstrebe, „wenig Sinn“ mache.[5]

Seit 1999 ist sie Vorsitzende der von ihr initiierten Helene-Stöcker-Gesellschaft – Bund für ethische und philosophische Allgemeinbildung" e. V.[1]

Sie war in verschiedenen Arbeitsfeldern tätig, u. a. als Lehrbeauftragte für politische Theorie am Otto-Suhr-Institut[1] und freiberufliche Dozentin in der Erwachsenenbildung.[6][1] Von 2003 bis 2012 führte sie eine eigene philosophische Beratungspraxis.

Annegret Stopczyk ist mit dem Physiker Matthias Pfundstein verheiratet und hat einen Sohn. Seit 2013 lebt sie in Südspanien und Deutschland.[1]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f stopczyk-philosophie.de. Abgerufen am 11. November 2017.
  2. Philosophen. Schiffbruch des Mannes, Der Spiegel, 21. Juli 1980
  3. Birgit Seemann: Feministische Staatstheorie. Der Staat in der deutschen Frauen- und Patriarchatsforschung, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 1996, ISBN 978-3-8100-1675-1, S. 52
  4. Annegret Stopczyk: Aus der Traum, Frau Professorin, Taz, 9. März 1989
  5. Mütterlichkeit als Frauenideal der Tiefe. Annegret Stopczyk-Pfundsteins Reanimationsversuch von Helene Stöckers Neuer Ethik, Rezension von Rolf Löchel, Literaturkritik, Nr. 5/2004
  6. Karen Falkenberg: Alma Mater Akademie: Dozentinnen. Abgerufen am 11. November 2017.