Anschlag auf die Wehrmachtsausstellung

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Am 9. März 1999 wurde ein Sprengstoffanschlag auf die Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 verübt. In den frühen Morgenstunden explodierte am VHS-Zentrum in Saarbrücken eine Bombe. Die Ermittler gehen von einer rechtsterroristischen Tat aus. Bis heute wurden die Täter des Anschlages nicht ermittelt (Stand 7/2017). Seit 2011 sehen Ermittler deutliche Hinweise dafür, dass der faschistische Nationalsozialistische Untergrund (NSU) den Terrorakt verübte.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung war bereits vor der Schau in Saarbrücken bereits in 30 Städten gezeigt worden. 700.000 Menschen hatte die Ausstellung bis dahin gesehen. An allen Ausstellungsorten wurde die Schau von rechten Kreisen stark angefeindet, und auch in Saarbrücken kam es im Vorfeld zu schweren Zusammenstößen zwischen Gegnern der Ausstellung aus dem rechten Lager und linken Demonstranten.

Die CDU Saarbrücken hatte eine Anzeige geschaltet, in der es hieß: „Wir lassen unsere Väter von diesen Ausstellungsmachern und ihren Hilfstruppen nicht unwidersprochen als Verbrecher und Mörder diffamieren - und mit ihnen die vielen Toten, die sich nicht mehr wehren können.“[1] Der damalige Ministerpräsident des Saarlandes Reinhard Klimmt (SPD) eröffnete die Ausstellung.[2]

Tathergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 4:40 Uhr explodierte an der Rückseite des Gebäudekomplexes der Volkshochschule Saarbrücken ein Sprengsatz. Dabei wurden das VHS-Gebäude und die Meistermann-Fenster der benachbarten Schlosskirche beschädigt; es entstand ein Sachschaden von mehreren hunderttausend Euro. Einige der Ausstellungsstücke wurden von umherfliegenden Splittern leicht beschädigt.

Ermittlungen nach der Tat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Anschlag teilte das LKA Saarland schnell mit, dass er professionell ausgeführt worden war. Die Ermittlungen wurden ergebnislos eingestellt.

Ermittlungen 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute wurden die Täter des Anschlages nicht ermittelt (Stand 7/2017). 2011 rollten die Ermittler den Fall neu auf, nachdem klar war, dass eine rechte Terrorzelle über Jahre in Deutschland Mordanschläge verübt hatte. Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) wurde mit mehreren ungeklärten Gewaltverbrechen in Verbindung gebracht.[3] Ermittler wollten laut Tagesspiegel einen Journalisten befragen, der nach der Explosion zwei Männer und eine Frau beobachtet haben will, die ihm verdächtig erschienen. Eine der drei Personen soll laut dem Zeugen gesagt haben, „wir waren das“. Bei den drei Personen könnte es sich um die Mitglieder der Rechtsterror-Gruppe NSU gehandelt haben, die im Jahr 1998 untergetaucht waren.[4]

Der saarländische Generalstaatsanwalt ermittelte auch wegen Serie von zehn Brandstiftungen in Völklingen im Saarland in Verbindung, die möglicherweise mit dem NSU zusammenhängen. Die Anschläge hatten sich gegen Gebäude von vor allem türkischstämmige Einwanderer, aber auch Araber und Schwarzafrikaner gerichtete. Bei den Bränden wurden 20 Personen verletzt.[5] Medienberichten zufolge hatte eine türkische Moschee in Völklingen die zwölfte DVD erhalten, die Beate Zschäpe am 4. November 1999 verschickt hatte.[4]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sprengstoffanschlag auf Wehrmacht-Ausstellung: - WELT. Abgerufen am 26. Juli 2017.
  2. Jüdische Nachrichten: Die Wehrmachtsausstellung: Bombenanschlag in Saarbrücken. Abgerufen am 26. Juli 2017.
  3. NDR: Wie eine Ausstellung die Deutschen spaltete. Abgerufen am 26. Juli 2017 (deutsch).
  4. a b Verübte NSU Anschlag auf Wehrmachtsausstellung? (tagesspiegel.de [abgerufen am 26. Juli 2017]).
  5. Frankfurter Rundschau: Bombenanschlag auf Wehrmachtsausstellung: Terror-Spur ins Saarland? In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 26. Juli 2017]).