Saepius officio

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Das Schreiben Saepius officio vom 19. Februar 1897 der Erzbischöfen von Canterbury und York, Frederick Temple und William Dalrymple Maclagan, ist die öffizielle Antwort der anglikanischen Kirche auf das päpstliche Schreiben Apostolicae curae vom 13. September 1896, in dem Papst Leo XIII. die anglikanischen Bischofs- und Priesterweihen aus römisch-katholischer Sicht für ungültig und unwirksam erklärt hatte.

Die liturgiegeschichtliche Argumentation von Saepius officio wurde erarbeitet durch den Gottesdiensthistoriker und anglikanischen Priester Frank Edward Brightman.

Argumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gültigkeit der anglikanischen Weihen war in der römisch-katholischen Kirche lange eine offene Frage. In den 1720er Jahren etwa hatte das Thema in Paris eine heftige Kontroverse zwischen Pierre François Le Courayer, Michel Le Quien und anderen ausgelöst, die auch in England auf Echo stieß, ohne dass es zu einer päpstlichen Entscheidung kam.

Laut Leo XIII. verloren die anglikanischen Bischöfe die apostolische Sukzession, weil bei ihnen die Bischofsweihe nicht ununterbrochen gemäß der Intention der Kirche gespendet worden sei. Belegt wird dies insbesondere mit der anglikanischen Formel für die Priesterweihe „empfange den Heiligen Geist“, die auch in ihrer späteren Form mit den Zusätzen „für das Amt und die Tätigkeit des Priesters“ beziehungsweise „für das Amt und das Werk des Bischofs“ die Absicht ungenügend zum Ausdruck bringe. Da die Intention innerlich ist, könne sie laut Leo XIII. nur insoweit beurteilt werden, als sie nach außen in Erscheinung trete. Da nun von den Anglikanern der Weiheritus der katholischen Kirche absichtlich geändert worden sei, dürfe angenommen werden, dass auch nicht die Absicht bestand, „zu tun, was die Kirche tut“.

Das Schreiben der Erzbischöfe von York und Canterbury macht demgegenüber geltend, auch in der Traditio Apostolica (häufig Hippolyt von Rom zugeschrieben) werde kein Bezug genommen auf die priesterliche Tätigkeit als Vorsteher der Eucharistiefeier, sondern nur auf „die Gebete, die er Tag und Nacht vor Gott herantragen wird“ sowie auf seine Vollmacht zur Vergebung der Sünden. Träfe die Argumentation Leos XIII. zu, so müsse die apostolische Sukzession schon zu diesem Zeitpunkt und somit für das gesamte Christentum und nicht nur für den Anglikanismus unterbrochen worden sein. Wenn Leo XIII. sich auf das Konzil von Trient berufe, so müsse er nach Meinung der Anglikaner sich ebenfalls von dem Urteil des Konzils richten lassen. Entweder sei das Urteil des Konzils richtig und auch die frühchristlichen Weihen seien ungültig gewesen, oder das Urteil des Konzils dürfe nicht herangezogen werden.

Die Erzbischöfe von York und Canterbury bemängelten ferner, Leo XIII. ließe die Intentionen, die im Vorwort zum Weiheritus, der unter Edward VI. eingeführt wurde, genannt seien, außer Acht. Sie behaupteten; die Riten der römischen Kirche seien ebenfalls nicht einheitlich, und die Einführung eines neuen Ritus sei daher zulässig, zumal dies zu den Freiheiten der Ortskirchen gehöre und nicht „vom Wohlwollen Roms“ abhänge. Die angeblichen „Neuerungen“, die in England im 16. Jahrhundert eingeführt wurden, ließen Bräuche der frühchristlichen Kirche wieder aufleben, die in der römischen Praxis verloren gegangen seien; dies, und nicht die Abkehr vom Brauch der Kirche Jesu Christi, seien die Absichten, die im anglikanischen Ritus des 16. Jahrhunderts zum Ausdruck kämen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]