Armenisch-aserbaidschanische Beziehungen

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Armenisch-aserbaidschanische Beziehungen
Lage von Armenien und Aserbaidschan
ArmenienArmenien AserbaidschanAserbaidschan
Armenien Aserbaidschan

Die Beziehungen zwischen der Republik Armenien und der Republik Aserbaidschan sind von offener Feindschaft und gegenseitigem Misstrauen geprägt, mit ernsten wirtschaftlichen und sozialen Folgen für die jeweiligen Bevölkerungen. Vor allem wegen des Bergkarabachkonfliktes pflegen die beiden Staaten keine diplomatischen Beziehungen und die Grenze ist geschlossen. Politiker der beiden Staaten haben sich nur unter dem Druck Dritter getroffen.[1]

Während der Sowjet-Zeit war der ethnische Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidschanern eingefroren.[2] Die junge Sowjetunion schlug Nachitschewan und Bergkarabach der Aserbaidschanischen SSR zu, um Wünschen der Türkei entgegenzukommen.[3] Er ist nach dem Zerfall der Sowjetunion wieder aufgebrochen, zahlreiche Initiativen Dritter (Georgien, OSZE, Russland, USA, Europarat) wurden gestartet, um den Konflikt beizulegen, keine der Initiativen war jedoch erfolgreich.[1] Dazu trägt auch die Politik der kontrollierten Destabilisierung Russlands bei, das zwar zahlreiche Missionen für Frieden und Stabilität im Kaukasus unternommen hat, dem jedoch Parteinahme für Armenien vorgeworfen wird. So wurden an das armenische Militär zwischen 1992 und 1997 Waffen in Wert von einer Milliarde US-Dollar geliefert.[1]

Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden 85 % der Waren- und Energieimporte über aserbaidschanisches Territorium abgewickelt. In Folge des Bergkarabachkonfliktes und der folgenden Schließung der Grenze durch Aserbaidschan entfiel dieser Transportkorridor. Lieferungen aus Russland müssen nun durch Georgien passieren, womit Armeniens Importe von den schlechten georgisch-russischen Beziehungen und mit Werchni Lars dem einzigen Grenzübergang, der nicht auf Separatisten-Territorium liegt, abhängig sind.[4][5] Aserbaidschan ist insbesondere darauf bedacht, dass seine Öl- und Gasexporte das armenische Staatsgebiet umfahren, so dass der armenische Staat nichts an aserbaidschanischen Energieexporten verdient.[1]

Nicht zuletzt ist die außenpolitische Ausrichtung der beiden Staaten unterschiedlich. Armenien ist Mitglied des von Russland geführten Militärbündnisses Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, dem Aserbaidschan ursprünglich nur widerwillig beigetreten ist und seine Mitgliedschaft im Jahre 1999 nicht verlängert hat. Aserbaidschan ist mittlerweile Mitglied der Sicherheitsallianz GUAM. Armenien ist darüber hinaus Mitglied der von Russland geführten Eurasischen Wirtschaftsunion, während Aserbaidschan aufgrund seiner Energieexporte seine wirtschaftspolitische Unabhängigkeit gewahrt hat.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Armenisch-aserbaidschanische Beziehungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Frederik Coene: The Caucasus: an introduction. 1. Auflage. Routledge, London 2010, ISBN 978-0-203-87071-6, S. 171.
  2. Claude Moniquet und William Racimora: The Armenia-Iran Relationship – Strategic implication for security in the South Caucasus Region. European Strategic Intelligence & Security Center, Brüssel 2013, S. 49 (esisc.org [PDF]).
  3. Claude Moniquet und William Racimora: The Armenia-Iran Relationship – Strategic implication for security in the South Caucasus Region. European Strategic Intelligence & Security Center, Brüssel 2013, S. 30 (esisc.org [PDF]).
  4. Houman A. Sadri und Omar Vera-Muñiz: Iranian relations with the South Caucasus. In: Thomas Juneau und Sam Razavi (Hrsg.): Iranian Foreign Policy since 2001. Routledge, Abingdon 2013, ISBN 978-0-415-82743-0, S. 145.
  5. Claude Moniquet und William Racimora: The Armenia-Iran Relationship – Strategic implication for security in the South Caucasus Region. European Strategic Intelligence & Security Center, Brüssel 2013, S. 13 (esisc.org [PDF]).
  6. Frederik Coene: The Caucasus: an introduction. 1. Auflage. Routledge, London 2010, ISBN 978-0-203-87071-6, S. 172.