Arschgeweih

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Tätowierungen oberhalb des Steißbeins
Frau lehnt sich an Billardtisch mit Tätowierung oberhalb des Steißbeins
Trägerin eines sogenannten „Arschgeweihs“ (2006)

Mit dem Vulgarismus Arschgeweih bezeichnet man umgangssprachlich eine längliche, meist symmetrische Tätowierung auf dem Rücken eines Menschen, meistens einer Frau, kurz oberhalb des Steißbeins.

Körpergegend und Form[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausführung der Tätowierung ist vorwiegend ein geschwungenes, verzweigtes Phantasieornament (Tribal). Die Lineart ist meist spiegelsymmetrisch zur Wirbelsäule. Die waagerechte Ausdehnung in der Breite beträgt das zwei- bis vierfache der Höhe. Die Form entspricht mit dieser Ausdehnung einem Kreuz oder einem verbreiterten „T“ bzw. „Y“, oder auch einem „V“. Die Namensgebung erfolgte wegen des an ein Geweih erinnernden Aussehens und wird ergänzt durch Bezug auf die Trageposition oberhalb des Gesäßes. Diese Tätowierungsform wird fast ausschließlich von Frauen getragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätowierung wurde in den späten 1990er Jahren im Rahmen der Bauchfreimode populär. Mit Begriffen wie Steißgeweih, Steißbeintattoo oder Steißbeintribal wurde versucht, einen neutral klingenden Begriff zu etablieren. In den 2000er Jahren war die Tätowierung besonders populär. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung wurde der Begriff Arschgeweih vom bekannten Tätowierer Pogo aus Österreich 2002 erfunden. Nachdem er auf den Begriff gekommen war, ließ er 5.000 Aufkleber damit drucken und nahm sie mit auf eine Tattoo-Convention und sorgte für die Verbreitung des Begriffs.[1]

Der Begriff „Arschgeweih“[2] wurde beispielsweise durch die Sendung Genial daneben vom 7. Februar 2004 populär, in der das Rateteam die Frage „Was ist ein Arschgeweih?“ nicht beantworten konnte. 2004 erlebte die Popularität des Arschgeweihs seinen Höhepunkt. Bild suchte im Sommer 2004 „das schönste Arschgeweih“ und Hunderte Leserinnen schickten Fotos ihres Arschgeweihs. Es kam zu Wahlen der Miss Arschgeweih.

Der Komiker Michael Mittermeier trug 2004 in seiner Bühnenshow Paranoid ebenfalls zur Verbreitung des Begriffs bei. Dabei setzte zugleich die Abwertung dieses Tattoos ein. Diese Abwertung gab es auch in anderen Ländern. In den USA gibt es beispielsweise den Begriff Trampstamp (Schlampenstempel).[3]

Viele Frauen ließen ihr Arschgeweih umarbeiten, vergrößern, verzieren oder weglasern. Bekannteste Deutsche Trägerin war Sabrina Setlur.[1]

Im Jahre 2009 wurde die erste Barbie mit einem Sortiment an Tattoo-Aufklebern, darunter auch einem für den unteren Rücken, vermarktet.[4] In dem Lied Bye Bye Arschgeweih thematisierte die Sängerin Ina Müller eine Laserentfernung der Tätowierung.[5]

Seit den 2010er Jahren wird das Arschgeweih eher als Jugendsünde angesehen, und manch eine Trägerin wollte es gerne wieder entfernen lassen.[6][7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Drab: Das Hirschsymbol. Psychologische Studie über die Entstehung und die Wirkung des Symbols. Eigenverlag, Druck bei Industria Grafica Atesina, Trient 1974, Herbig, München / Berlin [1983], ISBN 3-87587-102-2.
  • Wilfried Ferchhoff: Jugend an der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert. Lebensformen und Lebensstile. Opladen 1999, ISBN 3-81002-351-5.
  • Elke Gaugele und Kristina Reis: Jugend, Mode, Geschlecht, die Inszenierung des Körpers in der Konsumkultur. Campus, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-59337-255-X.
  • Oliver Kuhn, Alexandra Reinwarth, Axel Fröhlich: Arschgeweih – Das wahre Lexikon der Gegenwart. Ullstein, Berlin 2008, ISBN 978-3-548-37207-5.
  • Karin Mann: Jugendmode und Jugendkörper. Schneider, Hohengehren 2002, ISBN 3-89676-648-1.
  • Kurt Starke: Fit for SexPower? Eine sexualwissenschaftliche Untersuchung zu BRAVO GiRL!. Lang, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-63136-721-X.
  • Daniel Krause: Goodbye Arschgeweih: Von der Kunst, beschissene Tätowierungen zu vermeiden. Heyne, November 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Arschgeweihe – Sammlung von Bildern
Wiktionary: Arschgeweih – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Aufstieg und Fall des perfekten TattoosFAZ vom 10. Januar 2018, abgerufen am 14. Juni 2020
  2. Tagesspiegel vom 3. Juni 2008, Körper als Schmuck
  3. Übersetzungsangaben zu Arschgeweih
  4. Chav Barbie gets tattoos mimic high profile celebs like Amy Winehouse
  5. «Bye Bye Arschgeweih»: Viele wollen Tattoo entfernen
  6. Der Spiegel: Was ein Tattoo verrät, 23. November 2013
  7. Berliner Zeitung: „Arschgeweih“ stigmatisiert Trägerinnen heute eher, 10. Februar 2015