Arschkarte

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Ein Handballschiedsrichter verstaut die Rote Karte in der Gesäßtasche, nachdem er einen Spieler disqualifiziert hat.

Der Begriff Arschkarte findet Anwendung in den saloppen Redewendungen „die Arschkarte ziehen“, „die Arschkarte zeigen“ oder „die Arschkarte haben“ im Sinne von – anders als beim Fußball auch zufälligem – „Pech haben“, „ein Missgeschick erleben“ (ähnlich der älteren Redewendung „den Schwarzen Peter ziehen“). Damit wird ausgedrückt, dass eine Situation für eine Person besonders ungünstig verläuft oder unangenehme Folgen hat. Der Phraseologismus (Redewendung) ist seit Mitte der 1990er Jahre in Gebrauch.

Zur Herkunft der Redewendung gibt es nur Vermutungen; die weitaus populärste ist, sie ließe sich von der ab 1970 eingeführten Roten Karte beim Fußball ableiten. Um Verwechslungen zu vermeiden, bewahren Fußballschiedsrichter häufig die Gelbe Karte in der Brusttasche, die Rote Karte dagegen in der Gesäßtasche auf, der Spieler, dem der Schiedsrichter die Rote Karte zeigt, hätte dann „die Arschkarte bekommen“.[1][2]

Damit zusammenhängend gibt es mitunter die Behauptung, die Karten seien deswegen in unterschiedliche Taschen gesteckt worden, weil der Fernsehzuschauer zur Zeit des Schwarz-Weiß-Fernsehens die Farbunterschiede nicht erkennen konnte.[3]

Gegen die Annahme solcher Zusammenhänge mit dem Fußball bzw. dem Fernsehen spricht, dass das Farbfernsehen in Deutschland schon 1967, also drei Jahre vor dem ersten verbürgten Anwenden einer Roten Karte eingeführt worden war, außerdem sind in Schwarz-Weiß die Gelben Karten in einem sehr hellen Grau, die Roten dunkelgrau zu sehen – und eine Richtlinie, wo und wie die Schiedsrichter die Rote Karte aufzubewahren haben, gibt es nicht.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arschkarte: die Arschkarte gezogen haben, die Arschkarte haben. In: Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens: Neuer Wortschatz: Neologismen der 90er Jahre im Deutschen (= Schriften des Instituts für deutsche Sprache. Bd. 11). De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-11-017750-1, S. 16 (online, eingeschränkte Leseprobe).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Arschkarte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spiegel Online: Die Erfindung der Arschkarte, einestages, 26. März 2010; abgerufen 7. Februar 2019.
  2. Vergleiche Ausführungen des Literaturwissenschaftlers Rolf-Bernhard Essig in der Sendung Essigs Essenzen im Deutschlandradio, 16. Mai 2008; abgerufen 7. Februar 2019.
  3. So etwa in einem früheren Lexikoneintrag (Memento vom 19. Februar 2009 im Internet Archive) beim Fernsehsender ProSieben; abgerufen 7. Februar 2019.
  4. Robert Sedlaczek: Die Arschkarte gibt uns Rätsel auf, Wiener Zeitung, 15. Januar 2008; abgerufen 7. Februar 2019.