Arthur Ernest Dowden

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Arthur Ernest Dowden war ein britischer Diplomat. Er wurde bekannt als Helfer von durch das NS-System verfolgten Juden in Deutschland nach den antisemitischen Ausschreitungen vom November 1938 (Reichskristallnacht).

Leben und Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 13. Dezember 1922 wurde Dowden zum britischen Vizekonsul in Bratislava ernannt. Nach der Auflösung dieses Konsulates zum 20. Oktober 1928 war er für Lloyd’s tätig.

Zum 11. Dezember 1934 wurde Dowden zum britischen Vizekonsul in Frankfurt am Main ernannt. Auf diesem Posten, in dem er dem Generalkonsul Robert Smallbones unterstand, blieb er bis zur britischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen im September 1939. Vom 16. November 1939 bis Juni 1940 wurde er dann bei der britischen Botschaft in Rom beschäftigt.

Nach den antijüdischen Pogromen in Deutschland im November 1938 unternahm Dowden, zusammen mit seinem Vorgesetzten, zahlreiche Hilfeleistungen zugunsten der nun in verschärfter Form vom NS-Staat verfolgten jüdischen Bevölkerungsgruppe: So fuhr er in den ersten Tagen nach den Ausschreitungen von Angehörigen der Sturmabteilungen gegen Synagogen und jüdische Geschäfte am 9. November 1938 mit dem Automobil des Konsulats durch die Stadt und brachte Lebensmittel in die Wohnungen von Frankfurter Juden, die diese aufgrund einer nach den Pogromen gegen Juden verhängten Ausgangssperre nicht verlassen durften und sich dementsprechend nicht selbst mit Lebensmitteln versorgen konnten. Zudem gewährte er in den Tagen nach den November-Pogromen zahlreichen Juden eine sichere Zuflucht vor den Übergriffen von SA-Einheiten und anderen NS-Anhängern im Gebäude des Konsulats, das als diplomatische Vertretung eines anderen Staates als exterritoriales Gebiet galt, so dass sie hier der Verfolgung aus den Reihen staatlicher oder parteieigener Organisationen der Nationalsozialisten vorerst entzogen waren.

Die Tafel erinnert an die Hilfen, die die beiden englischen Diplomaten Smallbones und Dowden von ihrem Konsulat in Frankfurt aus für jüdische Menschen leisteten, um denen nach dem 9. November 1938 das Entkommen aus Nazi-Deutschland zu ermöglichen.

Vor allem aber ermöglichte Dowden in den Monaten nach den Ausschreitungen vom November 1938 zusammen mit seinem Vorgesetzten Smallbones mehreren tausend deutschen Juden die Ausreise aus Deutschland nach Großbritannien oder in die Überseeterritorien des britischen Empire, indem sie diesen in unbürokratischer und großzügiger Weise Einreisevisa erteilten.[1] Sie gingen dabei zugunsten der Verfolgten weit über die Vorschriften für eine Visaerteilung hinaus und vergaben auch Visa an Personen, denen rechtlich eigentlich keine Einreisegenehmigung in britisches Gebiet erteilt werden durfte. Für die Betroffenen bedeutete das Visum die Möglichkeit, das nationalsozialistische Herrschaftsgebiet zu verlassen. In Hinblick auf den wenige Jahre später einsetzenden Holocaust wird den beiden daher vielfach das Verdienst zugeschrieben, tausende von Menschen dem Zugriffsbereich der Nationalsozialisten entzogen zu haben, in dem sie sonst mit großer Wahrscheinlichkeit im Rahmen der von der NS-Führung während des Zweiten Weltkriegs auf die Ausrottung der europäischen Juden abzielenden Maßnahmen zu Tode gebracht worden wären.

Von den nationalsozialistischen Polizeiorganen wurde Dowden nach Kriegsbeginn als Staatsfeind eingestuft: Im Frühjahr 1940 wurde er vom Reichssicherheitshauptamt auf die Sonderfahndungsliste G.B. gesetzt, ein Verzeichnis von Personen, die im Falle einer erfolgreichen Invasion und Besetzung der britischen Insel durch die den Besatzungstruppen folgenden Sonderkommandos der SS mit besonderer Priorität ausfindig gemacht und verhaftet werden sollten.[2]

Heute erinnert eine Gedenktafel am Gebäude des ehemaligen Britischen Generalkonsulats in der Guiolettstraße/Ecke Feuerbachstraße in Frankfurt am Main an Dowdens und Smallbones Hilfeleistungen für deutsche Juden in den Monaten nach den Pogromen vom November 1938. Sie wurde am 8. Mai 2013 im Beisein des damaligen britischen Botschafters in Deutschland, Simon McDonald, und des Oberbürgermeisters von Frankfurt, Peter Feldmann, enthüllt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Foreign Office List and Diplomatic and Consular Year Book, 1949, S. 213.
  • Petra Bonavita: Quäker als Retter im Frankfurt am Main der NS-Zeit, Schmetterling Verlag, Stuttgart, 2014, ISBN 3-89657-149-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Petra Bonavita: Quäker als Retter im Frankfurt am Main der NS-Zeit, S. 160–163 & „Männer zuerst“ – das „Smallbones-Schema“ des britischen Konsuls in Frankfurt am Main. Bonavita, S. 166, berichtet auch darüber, dass Dowden nach der Pogromnacht durch Frankfurts Straßen gefahren sei, um Lebensmittel zu verteilen.
  2. Eintrag zu Dowden auf der Sonderfahndungsliste G.B. (Wiedergabe auf der Website des Imperial War Museums in London).