Atacama-Humanoid

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Der Atacama-Humanoid (kurz Ata) ist eine aus der südamerikanischen Atacamawüste stammende menschliche Mumie mit einer Länge von dreizehn Zentimetern. Damit könnte sie den kleinsten Menschen darstellen, der je gelebt hat.

Analysen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mumie, die als „Atacama-Humanoid“ bezeichnet wird, wurde 2003 von Oscar Muñoz in 56 km Entfernung von der chilenischen Stadt Iquique bei La Noria in der Atacamawüste gefunden. Der gegenwärtige Eigentümer der Mumie ist der spanische Geschäftsmann Ramón Navia-Osorio.

Der Mikrobiologe und Genforscher Garry Nolan von der Stanford University kam mit einer DNA-Analyse der männlichen Mumie zu dem Ergebnis, dass sie zweifellos ein Mensch ist, wenn auch ein äußerst rätselhafter.[1][2] Die Untersuchung ergab, dass die DNA der Mumie zu 90 % mit der von gewöhnlichen Menschen übereinstimmt. Die Haplogruppe B (mtDNA) belegt, dass die Mutter von der Westküste Südamerikas stammte.[2] Die Mumie weist eine Größe von 13 Zentimetern, eine Schädeldeformation und eine um 2 verminderte Rippenzahl auf. Röntgenaufnahmen der Wachstumsfuge im Skelett lassen eine Lebenszeit von sechs bis acht Jahren vermuten.[2]

Der Paläoanthropologe William L. Jungers von der Stony Brook University nimmt an, dass Progerie den Fötus befallen hatte, was eine Fehlgeburt auslöste.[2] Dies widerspricht allerdings der Analyse von Gerry Nolan, wonach die Mumie in der Kniefuge Epiphysenkerne aufweist. Dies sind Knochenkerne, die sich erst im Lauf der Kindheit herausbilden. Demnach wäre der Mensch nicht tot oder sterbend zur Welt gekommen, sondern sechs bis acht Jahre alt geworden.[3] Im weiteren Verlauf seiner Analysen gab er jedoch bekannt, dass er nicht mehr so ganz von seiner anfänglichen Hypothese überzeugt sei. Jürgen Spranger, der auf Anfrage die Röntgenaufnahmen der Mumie untersucht hat, zweifelt am Befund über Atas Lebensalter. Seiner Ansicht sprächen die in den Kniefugen gefundenen Epiphysenkerne dafür, dass Ata mehrere Jahre gelebt hat, dafür fehlten aber diverse Verknöcherungen, etwa in den Händen sowie am Schambein, die bei einem Kind eigentlich vorhanden sein müssten. Seiner Ansicht nach handle es sich um einen Fötus in etwa der 24. Schwangerschaftswoche, der wahrscheinlich am sogenannten Wiedemann-Rautenstrauch-Syndrom gelitten habe.[4] Allerdings liegt für das Wiedemann-Rautenstrauch-Syndrom bislang keine bekannte Genetik vor. Der Experte für Skelettfehlbildungen, Ralph Lachman, der die Mumie zusammen mit Nolan untersuchte gab in seinem Bericht bekannt, dass sie Mutationen im Skelett aufweist:

„Diese Probe fällt in keine, mir bekannte, Klasse von Störungen oder Syndromen. […] es gibt keine bekannte Form des Kleinwuchses die alle bei dieser Probe zu sehenden Anomalien erklären könnte […] keine dieser Mutationen sind dafür bekannt alle beobachteten Anomalien hervorzurufen, […].“[5]

Weiterhin stellt er fest, dass die Proportionen des Rückens und der Extremitäten in vielerlei Hinsicht normal seien.

Entdeckung und Kommerzialisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mumie wurde in der Umgebung der Kirche der Geisterstadt La Noria, in der Atacamawüste im Norden Chiles entdeckt. So berichtete es der Finder Oscar Muñoz mit einer gewissen Unschärfe der lokalen Presse und einem überregionalen Fernsehsender.[6][7][8] Da es sich um einen Leichnam handelt, kommt somit als möglicher Fundort der nahe gelegene Friedhof in Frage, auf dem schon häufiger Gräber auf der Suche nach Wertgegenständen geöffnet wurden.[9][10] Als Funddatum wurde – ebenfalls recht vage – der Winter 2003 angegeben. Nach den Jahreszeiten auf der Südhalbkugel entspricht dies einem Zeitraum von Juni bis September.[6]

Nach eigenen Angaben war der Finder mit Schaufel und Hacke auf der Suche, als er den kleinen Körper eingewickelt in ein weißes Tuch fand.[7] Es war mit einem violetten Band verschnürt.[6] Den Fund zeigte er anderen Personen, die wie er unterwegs waren. Bei dieser Gelegenheit wurde das erste Foto von Alejandro Dávalos aufgenommen, der dieses an die sogenannte UFO-Forschungsgruppe Chile (span.: Agrupación de Investigaciones Ovniológicas de Chile[11]) weitergab.[6] Einige Tage nach der Entdeckung wurde die Mumie für 30.000 Pesos (damals rund 37 €[12]) an einen Gastronomen in Iquique abgegeben, dem der Finder sonst auch seine Funde verkaufte.[6]

Die erste Veröffentlichung zu dem Fund erschien am 9. Oktober 2003 in der Tageszeitung El Mercurio de Antofagasta. Zu dieser Zeit befand sich die Mumie im Besitz eines Sammlers, der nicht genannt werden wollte.[7][13] Am 19. Oktober 2003 folgte eine zweite, ausführlichere Reportage in der lokalen Tageszeitung La Estrella de Iquique. Fotos wurden zu Preisen von 630 € für eins, bzw. 950 € für zwei angeboten. Angeblich wurden für die Mumie rund 100.000 € geboten.[6][12][14] Der Biologe Walter Seinfeld von der Universidad Arturo Prat wurde durch die Lokalpresse zu dem Fund befragt. Aufgrund der ihm vorgelegten Fotos identifizierte er die Mumie als menschlich. Dabei machte er darauf aufmerksam, dass es sich bei diesem Objekt um einen Leichnam handelt und forderte die Besitzer auf, ihn herauszugeben.[6]

Somit war die Entdeckung der Mumie das Ergebnis einer in der Region verbreiteten Grabräuberei.[10] Es ist nicht bekannt, wann und unter welchen Umständen die Mumie Chile verlassen hat. Angeblich hat der Spanier, in dessen Besitz sie in Barcelona wiederauftauchte, sie von dem Gastronomen aus Iquique gekauft. Es gibt Gerüchte darüber, dass gleichzeitig noch eine zweite Mumie gefunden worden sein soll.[15]

Ähnliche Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Atta Boy: Irgendwo in oder bei der Atacamawüste gefunden. Es wurde erstmals 1933 über den Fund berichtet.[16]
  • Aleshenka: 1996 in Russland gefunden.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bizarre Mumie: Forscher lösen Alien-Rätsel der Atacama-Wüste spiegel.de, abgerufen am 27. Mai 2013
  2. a b c d Richard Stone: Bizarre 6-Inch Skeleton Shown to Be Human. Science (Magazin), 3. Mai 2013, abgerufen am 9. September 2014.
  3. Der Spiegel: Forscher lösen Alien-Rätsel der Atacama-Wüste
  4. Bizarre Mumie: Forscher lösen Alien-Rätsel der Atacama-Wüste spiegel.de, abgerufen am 27. Mai 2013
  5. Ralph Lachman: Signed Lachman report
  6. a b c d e f g Camilo Aravena Arriagada: Hallazgo en La Noria: ¿Feto O Extraterrestre? In: La Estrella de Iquique. 19. Oktober 2003, abgerufen am 22. Juni 2013 (spanisch).
  7. a b c Descubren extraña criatura en una salitrera. In: El Mercurio de Antofagasta. Nr. 34.463. Empresa Periodística El Norte S.A., 9. Oktober 2003 (online [abgerufen am 19. Mai 2013]).
  8. El extraterrestre de La Noria. Chilevisión, 2003, abgerufen am 22. Juni 2013 (spanisch).
  9. Paul Spaudo V.: No descansan en paz. In: La Estrella de Iquique. Iquique 28. August 2005 (estrellaiquique.cl [abgerufen am 19. Mai 2013]).
  10. a b A. Lobo, P. Cofré, L. Vieyra: Fiebre de tesoros. Buscan baúles llenos de oro en ex oficina salitrera. In: La Cuarta. El diario popular. 30. September 2005 (online [abgerufen am 19. Mai 2013]).
  11. Homepage: AION
  12. a b Umgerechnet mit dem OANDA-Währungsrechner, 22.06.2003
  13. Online-Ausgabe der Tageszeitung El Mercurio de Antofagasta (Spanisch)
  14. Online-Ausgabe der Tageszeitung Estrella de Iquique (Spanisch)
  15. "Sirius" se estrena en EE.UU.: El supuesto E.T. de un polémico documental sería un feto humano. El Mercurio de Santiago, 11. April 2013. Homepage der Online-Ausgabe
  16. Huffington Post: Ata — The So-Called ‘6-Inch Alien’ — May Have An Earthling Cousin, And Ripley’s Wants To Find Him
  17. Cronica: Misterio por momia rusa: ¿es extraterrestre?