Augenscheinkarte

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Augenscheinkarte des Amtes Eich im Ämteratlas des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel von Gottfried Mascop[1], 1574.
Augenscheinkarte mit einer Ansicht der Stadt Speyer. Die Karte diente als Unterlage in einem Rechtsstreit der Stadt gegen den Bischof von Speyer vor dem Reichskammergericht. Aquarell von Wilhelm Besserer, 1574.

Als Augenscheinkarte (auch Streitkarte) wird eine handgezeichnete Landkarte bezeichnet, die topographische Sachverhalte nach dem „Augenschein“ (Besichtigung des Geländes) abbildet, ohne vorangegangene Landesvermessung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augenscheinkarten wurden vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert meist im Auftrag von Landesherren für administrative Zwecke angefertigt oder entstanden als juristische Beweisstücke, die etwa bei Grenzstreitigkeiten dem Gericht vorgelegt wurden.

Augenscheinkarten finden sich häufig als Beilagen zu Gerichtsakten. Die Karten dienten als Illustration zu einem vor Gericht verhandelten Streitfall. Dazu wurden im betroffenen Gelände Ortsbegehungen durchgeführt und der räumliche Sachverhalt des Prozessgegenstandes von einem Zeichner durch eine Handzeichnung festgehalten.[2]

Die als Augenscheinkarten bezeichneten Werke unterscheiden sich erheblich voneinander in Bezug auf Genauigkeit, Perspektive und Qualität, je nach Fähigkeit und Sorgfalt des Zeichners. Einige Exemplare stellen einen Blick auf die Landschaft dar, wie er von einem bestimmten Ort aus wahrgenommen wurde, oder weisen aufwändig kolorierte Panoramaansichten auf, mit dekorativer, malerischer Wirkung. Andere Werke sind stark vereinfachte Karten in schematisierter und skizzenhafter Darstellung. Oft wurde die zeichnerische Darstellung durch umfangreiche Texte ergänzt.[3]

Mit der Verbreitung flächendeckender, großmaßstäbiger, gedruckter Kartenwerke verloren Augenscheinkarten an Bedeutung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Ohainski, Arnd Reitemeier (Hrsg.): Das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahr 1574. Der Atlas des Gottfried Mascop. Verlag für Regionalgeschichte, Gütersloh 2012, ISBN 978-3-89534-987-4.
  • Thomas Horst: Die älteren Manuskriptkarten Altbayerns. Eine kartographiehistorische Studie zum Augenscheinplan unter besonderer Berücksichtigung der Kultur- und Klimageschichte. 2 Bände, München 2008, ISBN 978-3-406-10776-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Ämteratlas des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel auf der Website der Georg-August-Universität Göttingen, abgerufen am 16. Mai 2013
  2. Walter Koch, Theo Kölzer (Hrsg.): Archiv für Diplomatik: Schriftgeschichte, Siegel, und Wappenkunde. Band 54, Böhlau Verlag, Köln Weimar Wien 2008, S. 351 ff, ISSN 0066-6297
  3. Thomas Horst: Augenscheinkarten – eine Quelle für die Kulturgeschichte. In: Akademie Aktuell, 1/2010, S. 38–41
  4. Friedrich Balck: Bilder, Fotos und Modelle - wichtige Schlüssel zur Technikgeschichte im Oberharz. Fingerhut, Clausthal-Zellerfeld, S. 22, ISBN 3-935833-06-7 (Digitalisat, PDF)