August-Hinrichs-Bühne

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August-Hinrichs-Bühne am Oldenburgischen Staatstheater
Kleines Haus des Oldenburgischen Staatstheaters Spielstätte der August-Hinrichs-Bühne
Lage
Adresse: Theaterwall 28
Stadt: 26122 Oldenburg
Koordinaten: 53° 8′ 21″ N, 8° 12′ 36″ OKoordinaten: 53° 8′ 21″ N, 8° 12′ 36″ O
Architektur und Geschichte
Eröffnet am: 1998
Zuschauer: 350 Plätze
Internetpräsenz:
Website: staatstheater.de/

Die August-Hinrichs-Bühne (AHB) ist eine am Oldenburgischen Staatstheater angeschlossene niederdeutsche Amateurbühne, die ihre Spielstätte in der niedersächsischen Stadt Oldenburg hat.

Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die August-Hinrichs-Bühne ist eingebunden in die Sparte "Niederdeutsches Schauspiel" am Oldenburgischen Staatstheater und spielt ausschließlich Stücke in niederdeutscher Sprache. Damit trägt sie zur Erhaltung und Förderung der niederdeutschen Sprache bei. Die Spielstätte ist das Kleine Haus des Oldenburgischen Staatstheaters.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hervorgegangen ist die August Hinrichs Bühne (AHB) aus der Späälkoppel des am 21. März 1921 gegründeten Ollnborger Kring.[1] 1923 erfolgte die Anbindung an das ehemalige Oldenburgische Landestheater [2] - eine bis heute einmalige Verbindung in der deutschen Theaterlandschaft. 1939 wurde die Niederdeutsche Bühne Oldenburg am Landestheater in August Hinrichs Bühne am Oldenburgischen Staatstheater umbenannt - eine Reminiszenz an den Schriftsteller August Hinrichs.[3]

„Cilly Chors“ Schauspiel von Gorch Fock, Inszenierung der Niederdeutschen Bühne Oldenburg aus dem Jahr 1930 mit Emil Hinrichs und Agnes Diers

Die August-Hinrichs-Bühne spielte auch in den Kriegsjahren weiter und war auch im Rahmen von KDF (Kraft durch Freude) in den Jahren 1940/41/43 zur Truppenbetreuung auf Tournee. Die kleine Spielschar spielte an der Westfront, in Holland und Dänemark, wie auch in Bulgarien, Rumänien und an der Schwarzmeerfront. Bis zum 18. April 1944, mit dem Stück „Sware Tied“ von August Hinrichs, konnte die Bühne den Spielbetrieb noch aufrechterhalten, dann versiegte alle Kultur im Getöse des nahenden Ende eines furchtbaren Krieges, der durch den Nationalsozialismus in menschenverachtender Brutalität über die Welt gebracht worden war. [4]

Im Jahre 1944 starb Emil Hinrichs, er war Gründer, Spieler und stets ein starker Motor und Förderer dieser Bühne. Es war eine glückliche Fügung, dass sein Sohn Carl Hinrichs immer mehr zu einem guten Schauspieler und zu einer starken, führenden Persönlichkeit in der AHB wurde und in die Aufgaben seines Vaters wuchs.

Carl Hinrichs war nun der neue Bühnenleiter der August-Hinrichs-Bühne. Der alte Spielerstamm fand sich langsam wieder ein. Einige, wie Adolf Weddi, mussten im Krieg ihr Leben lassen, aber viele neue, junge Spieler kamen hinzu, so dass die Schauspielqualität wieder ein hohes Niveau erreichte und der Schlosssaal des Oldenburger Schlosses, als neue Spielstätte, meistens ausverkauft war. Gut 20 Jahre leitet Carl Hinrichs die AHB. Im Stil veränderte sich nicht so viel, aber die moderne Technik wurde erfolgreich genutzt, Viele Gastspiele fanden in ganz Westdeutschland statt und AHB-Schauspieler wirkten in Filmen mit.

Am 7. Dezember 1967 stirbt Carl Hinrichs.[5] Heinz Schnittker, der schon seit 1939 bei der Bühne ist, übernahm auf Wunsch der Theatergruppe die Bühnenleitung.[6] Er setzt auch weiterhin auf bewährte, ausgereifte Bühnenstücke. Glücklicherweise entwickeln sich wieder Schauspieler zu echten Typen, die sich beim Publikum außerordentlicher Beliebtheit erfreuten. Dazu gehörten Spieler wie Carl Hinrichs, Heinrich Kunst, Rudolf Janssen, Imke Eckart und einige mehr. Nach dem Tode von Heinz Schnittker wurde Günter Kühn am 8. August 1975 zum neuen Bühnenleiter gewählt.[7] Seine Berufung an die Spitze der AHB war gerade für die 70er, 80er und den Folgejahren besonders positiv. Er begann, zunächst noch sehr vorsichtig, eine Wandlung in der AHB zu einer moderneren Theaterbühne mit einer zeitgemäßen Thematik und Problematik einzuleiten. Kühns Engagement, sich unverzüglich der heutigen Thematik zuzuwenden, war zur Erhaltung des niederdeutschen Bühnenspiels absolut notwendig. Durch diese Art der Neuausrichtung erhielt die Überlebenschance der niederdeutschen Dramatik eine ganz neue Qualität.

Als Günter Kühn 1995 als Bühnenleiter zurücktrat und Herwig Dust die Leitung übernahm,[8] hatte er die Umwandlung der Niederdeutschen Bühne Oldenburg von den bis dahin üblichen Theaterstücken der Heiterkeit und Bauernkomödien zum ernsthaften und modernen Schauspiel erfolgreich eingeleitet und schon ein gutes Stück vorangetrieben. Damit hatte er den Platz des niederdeutschen Theaters in Oldenburg erheblich gefestigt. Im September 1995 wurde Herwig Dust mit großer Mehrheit und starkem Rückhalt der Mitglieder der August-Hinrichs-Bühne zum neuen Bühnenleiter gewählt. Seine Aufgabe war nicht einfach, denn er musste die von Kühn eingeleitete Modernisierung der AHB weiterführen und vor allem weiter entwickeln.

Mit klassischen Stücken, die meist gut übersetzt und inszeniert wurden, formte er eine Niederdeutsche Bühne, die zeitgemäß ist und mit dem professionellen Theater durchaus konkurrieren kann. So wurden zum Beispiel folgende Klassiker gut ins Plattdeutsche übersetzt und gespielt: Dürrenmatt, "Der Besuch der alten Dame"; Tennessee WilliamsGlasmenagerie“ oder Horvath das sozialkritische Stück "Geschichten aus dem Wienerwald" (…van de Küst) mit dem außergewöhnlichen Bühnenbild, bei dem die Zuschauer ihren Platz auf einer Drehscheibe hatten und jeweils zu den verschiedenen Spielstätten gedreht wurden. Vor allem aber müssen 1999 "Rose Bernd" von Gerhart Hauptmann, mit Alexandra Peters, in der Regie von Hans-Peter Renz und 2007 Gesche Gottfried von Rainer Werner Fassbinder, in der Regie von Michael Uhl und mit Manuela Simon in der Rolle der Gesche Gottfried, erwähnt werden. Es waren großartige Aufführungen, für die die AHB jeweils wieder einmal den Willy-Beutz-Schauspielpreis erhielt.[9]

Am 17. Oktober 1998 zog die AHB mit der Premiere „Foftein“ vom Schlosssaal zum Staatstheater um, und zwar in den neuen, kleineren Theateranbau „Das kleine Haus“. Für die Zuschauer war dies wieder ein kritisch beäugter Wechsel, der aber schließlich gut angenommen wurde. Nach dem Tode von Heinrich Kunst wurde sein Bauernhaus in Ofenerfeld (Wiefelstede) zu einer Begegnungsstätte umgebaut. Hier richtete die AHB eine Studiobühne ein.

Um den Fortbestand der August-Hinrichs-Bühne zu sichern, begann Herwig Dust mit der intensiven Nachwuchsförderung. Er richtete "Platt´n´Studios" ein, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich unter der Leitung professioneller und erfahrener Regisseure und Theaterpädagogen ausprobieren können. Diese "Nachwuchsstudios" werden durch Sprachpaten der August-Hinrichs-Bühne betreut, um das Erlernen der plattdeutschen Sprache zu ermöglichen. Mit einer öffentlichen Präsentation schließen die Nachwuchsschauspieler der jeweiligen Kurse ihr Programm ab. Eine Übernahme in das Ensemble der AHB ist dann möglich.

Unter Markus A. Müller, Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters von 2006 - 2014, wird die AHB noch intensiver in den Spielbetrieb des Staatstheaters eingebunden.

As in´n Heven (Wie im Himmel) 2010 Produktion der AHB nach dem gleichnamigen Film

Es entsteht die Sparte "Niederdeutsches Schauspiel am Oldenburgischen Staatstheater", deren Herzstück die AHB mit ihren Mitgliedern ist. Für diese Sparte wird gleichzeitig die Position einer Dramaturgin (Janine Claaßen, Cornelia Ehlers, Gesche Gloystein, Sarit Streicher) und eines leitenden Regisseurs (Michael Uhl) eingerichtet.

Nachdem Markus A. Müller nach acht erfolgreichen Jahren von Oldenburg an das Staatstheater Mainz wechselt, übernimmt Christian Firmbach ab 2014 die Intendanz in Oldenburg und somit auch die künstlerische Leitung der AHB.[10] Auch Christian Firmbach wird das Modell der Sparte "Niederdeutsches Schauspiel" mit der AHB fortsetzen.

Am 22. August 2016 wurde Petra Bohlen von den Mitgliedern zur neuen Bühnenleiterin gewählt. Sie folgt damit Herwig Dust, der sich nach 21 jähriger Leitung der Bühne zurückzieht.

Besondere Ereignisse auf der Zeitleiste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1921 – Entstehen einer Spielschar bei Gründung des Oldenburger Kring.Leitung: Emil Hinrichs.
  • 1923 – Anbindung an das Landestheater als Niederdeutsche Bühne unter Renato Mordo.
  • 1939 – Umbenennung der Niederdeutschen Bühne in August Hinrichs Bühne durch die Mitglieder.
  • 1945 – Ruhen des Spielbetriebs infolge Kriegsende.
  • 1947 – Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter der Leitung von Carl Hinrichs.
  • 1967 – Übernahme der Bühnenleitung durch Heinz Schnittker.
  • 1975 – Übernahme der Bühnenleitung durch Günter Kühn.
  • 1995 – Übernahme der Bühnenleitung durch Herwig Dust.
  • 2006 – Einbindung der AHB als Sparte „Niederdeutsches Schauspiel“ am Oldenburgischen Staatstheater durch Generalintendant Markus A. Müller.
  • 2014 – Weiterführung der gemeinsamen Arbeit mit Generalintendant Christian Firmbach.
  • 2016 - Übernahme der Bühnenleitung durch Petra Bohlen.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Förderung des Niederdeutschen Schauspiels schreibt der Niederdeutsche Bühnenbund Niedersachsen und Bremen e.V. (NBB) alle zwei Jahre den Willy-Beutz-Schauspielpreis aus. [11] An dieser Ausschreibung können sich Mitgliedsbühnen und Theater des NBB beteiligen. Eine unabhängige Jury begutachtet die angemeldeten Inszenierungen. Der Preis ist mit einem 1.,2. und 3. Platz dotiert.

  • 1981 - 1.Preis Willy-Beutz-Schauspielpreis des NBB AHB Oldenburg: "De Trallen" von Günter Kühn, Regie: Rudolf Plent [12]
  • 1987 - 1.Preis Willy-Beutz-Schauspielpreis des NBB AHB Oldenburg: "Maria Flint" von Gerhardt/Megow, Niederdeutsch von Günter Kühn, Regie: Rudolf Plent [13]
  • 1991 - 2.Preis Willy-Beutz-Schauspielpreis des NBB AHB Oldenburg: "Dat Stück Land" von J.B. Keane, Regie: Jens Ehlers [14]
  • 1999 - 1.Preis Willy-Beutz-Schauspielpreis des NBB AHB Oldenburg: „Rose Bernd“ von Gerhart Hauptmann, Regie: Hans Peter Renz [15]
  • 2007 - 1.Preis Willy-Beutz-Schauspielpreis des NBB AHB Oldenburg: "Gesche Gottfried" von Rainer Werner Fassbinder Regie: Michael Uhl [16]
  • 2011 - Lüttjepütt-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung (Plattdeutschprogramm für Kinder und Jugendliche)
  • 2012 - 1.Preis Willy-Beutz-Schauspielpreis des NBB AHB Oldenburg: „Goot gegen Noordwind“ von Daniel Glattauer Regie: Dominik von Gunten [17]
  • 2016 - 2.Preis Willy-Beutz-Schauspielpreis des NBB AHB Oldenburg: "Nix as weg- rut ut Amal" von "Lukas Moodysson" Regie: Michel Uhl [18]

Aufzeichnungen des Fernsehens an der Bühne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weil das Erste Deutsche Fernsehen vorwiegend mit dem Ohnsorg-Theater zusammenarbeitete, produzierte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) folgende AHB-Aufführungen und sendete diese mit großem Erfolg über seinen Kanal. Um eine bundesweite Aufmerksamkeit zu erreichen, wurden die Aufzeichnungen bis 1967 in Hochdeutsch aufgezeichnet und gesendet. Ab 1978 erfolgten die Ausstrahlungen über den NDR in niederdeutscher Sprache. [19]

  • 1963 – De Deern is richtig von Anton Hamik (ZDF)
  • 1964 – Familienanschluss von Karl Bunje (ZDF)
  • 1964 – De warte Hannibal von Karl Bunje (ZDF)
  • 1964 – För de Katt von August Hinrichs (ZDF)
  • 1965 – Appels in Navers Gaarn von Walter A. Kreye (ZDF)
  • 1966 – Mien Mann de föhrt to See von Wilfried Wroost (ZDF)
  • 1966 – Kramer Kray von Hermann Boßdorf (ZDF)
  • 1966 – Ferdinant verpummt sien Froo von Wilfried Wroost (ZDF)
  • 1967 – Peper un Solt von Karl Bunje (ZDF)
  • 1978 – Reuter Revue von Hans Joachim Theil (NDR)
  • 1979 – För de Katt von August Hinrichs (NDR)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik des Ollnborger Kring / Fritz Lottmann
  2. Karl Veit Riedel: Niederdeutsches Theater in Oldenburg Isensee Verlag Oldenburg 1996 Seite 32
  3. Urkunde/Archiv der AHB 1939
  4. Karl Veit Riedel: Niederdeutsches Theater in Oldenburg Isensee Verlag Oldenburg 1996 Seite 25 f.
  5. Karl Veit Riedel: Niederdeutsches Theater in Oldenburg Isensee Verlag Oldenburg 1996 Seite 64.
  6. Karl Veit Riedel: Niederdeutsches Theater in Oldenburg Isensee Verlag Oldenburg 1996 Seite 64
  7. Karl Veit Riedel: Niederdeutsches Theater in Oldenburg Isensee Verlag Oldenburg 1996 Seite 65
  8. Archiv der AHB 1995
  9. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_docman&Itemid=43
  10. http://staatstheater.de/ueber-uns/theaterleitung-und-mitarbeiter.html
  11. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  12. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  13. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  14. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  15. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  16. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  17. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  18. http://www.buehnenbund.de/joomla3/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=16&Itemid=6
  19. Archiv der AHB 1979