Hermann Boßdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Geburtshaus in Wiesenburg

Hermann Boßdorf (* 29. Oktober 1877 in Wiesenburg, Landkreis Zauch-Belzig; † 24. September 1921 in Hamburg) war ein deutscher Dramatiker und Balladendichter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boßdorf stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Er besuchte zunächst die Volksschule seines Heimatortes und nach dem Ortswechsel der Eltern eine Schule in Hamburg. Nach dem Abschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Telegraphenassistent. Dabei lernte er Dänisch und Schwedisch. Dadurch war er in der Lage, Werke nordischer Autoren in den Originalsprachen zu lesen. Weil sein Beruf ihn stark beanspruchte, litt seine Gesundheit zusehends. 1917 ließ er sich in den Ruhestand versetzen.

1899 hatte Boßdorf seine Frau kennengelernt, die sich für übersinnliche Phänomene interessierte. Unter ihrem Einfluss beschäftigte er sich mit Astrologie und Telepathie. In früher Jugend bereits hatte er hochdeutsche Dramen geschrieben, die um biblische Motive kreisten. Um 1900 verfasste er dann erste Gedichte. Die von Adolf Bartels in Gang gesetzte "Diskussion um die 'Erbschaft' Fritz Stavenhangens" weckte sein Interesse am Plattdeutschen als Literatursprache.[1] Zugleich wurde er ein kämpferischer Akteur für die Niederdeutsche Bewegung.

Zeitgenossen berichten von der "gewaltig erschütternde(n) Wirkung", die von Boßdorfs 1918 uraufgeführten Drama De Fährkrog ausgegangen ist.[2] Diese Wirkung nutzte die hamburgische Gesellschaft für dramatische Kunst für ihre kulturpolitischen Ziele. Das von Richard Ohnsorg geleitete Amateurtheater nannte sich fortan Niederdeutsche Bühne und verschrieb sich der Aufgabe, niederdeutsches Schauspiel öffentlich durchzusetzen. In schneller Folge verfasste Boßdorf - von Ohnsorg dazu angeregt und dramaturgisch unterstützt - seine Bühnenwerke für die Niederdeutsche Bühne Hamburg. Neben Fritz Stavenhagen ist Boßdorf so zum Wegbereiter der besonderen Kulturmission des Plattdeutsch-Theaters geworden.

Boßdorfs literarisches Schaffen weist vier Hauptmotive auf, die verlorene Jugendgeliebte, die Sehnsucht nach dem Kind, den Ehebruch und den Tod. In seiner Wahl der dramatischen Stoffe ist Boßdorf sicherlich durch August Strindberg beeinflusst worden. Im Nachlass befindet sich eine Reihe unveröffentlichter Entwürfe und Fragmente.

Boßdorf schrieb in plattdeutscher Mundart. Seine Werke werden auch heute noch gelegentlich aufgeführt, u. a. im Hamburger Ohnsorg-Theater. Er starb im Alter von 43 Jahren und wurde in Hamburg, Friedhof Ohlsdorf, beigesetzt. Boßdorfs Gesammelte Werke wurden posthum von Willy Krogmann herausgegeben.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Hermann-Boßdorf-Weg in Kiel-Pries ist nach ihm benannt.[3]
  • Die Boßdorfstraße in BremenNeustadt, Ortsteil Huckelriede, wurde nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willy Krogmann: Hermann Boßdorf. Gesammelte Werke. 11 Bände, Hamburg 1952–1957
  • Eekboom, plattdeutsche Ballade, 1911
  • De Fährkrog, niederdeutsches Mysterium, 1919
  • Bahnmeester Dod, niederdeutsches Tragödie, 1919
  • Ole Klocken, niederdeutsche Balladen, 1919
  • Eichen im Sturm, hochdeutsche Balladen, 1919
  • De verhexte Karnickelbuck, lustige niederdeutsche Geschichten, 1919
  • Der Postinspektor, hochdeutsche Humoresken, 1920
  • Der Schädel vom Grasbrook, kuriose unheimliche Geschichten, 1920
  • Kramer Kray, niederdeutsches Lustspiel, 1920
  • Simson und die Philister, eine biblische Tragödie
  • Dat Schattenspel. Plattdütsche Komeedie in een Akt
  • De rode Ünnerrock, niederdeutsches Lustspiel, 1921
  • Rode Ucht un anner Geschichten, übersinnliche Geschichten, 1921
  • Letzte Ernte (Lieder, Balladen, Prosa), postum erschienen, 1922

Fragmente:

  • Bernd Beseke, Tragödie, 1923
  • Schane Hagenah, Schauspiel, 1925
  • Störtebeker, Tragödie, 1928

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Budich: Boßdorf als Lyriker und Balladendichter. Dissertation, Universität Hamburg 1927
  • Heinrich Detjen: Hermann Boßdorf als Dramatiker. Pröpper, Hamburg 1936
  • Albrecht Janssen: Hermann Boßdorf. Der Mensch, das Werk, der Dichter. (= Niederdeutsche Bücherei; 111). Hermes, Hamburg 1927
  • Willy Krogmann: Die Jugendgeliebte. Ein unbeachtetes Motiv im Schaffen Hermann Boßdorfs. (= Niederdeutsche Bücherei; 207). Hermes, Hamburg 1948
  • Ulf-Thomas Lesle: Stationen des Kampfes. In: Das niederdeutsche Theater. Von 'völkischer Not' zum Literaturtrost. Hamburg 1986, S. 104–116.
  • Friedrich W. Michelsen (Hrsg.): Hermann Boßdorf. 1877–1921. Arbeitsgemeinschaft Niederdt. Tage in Hamburg e. V., Hamburg 1977.
  • Walther Niekerken: Boßdorf, Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 483 f. (Digitalisat).
  • Johann Tietjen: Der dichterische Gebrauch der neuniederdeutschen Sprache im Drama anhand der plattdeutschen Dramen von Stavenhagen und Boßdorf. Dissertation, Universität Hamburg 1949.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulf-Thomas Lesle: Stationen des Kampfes. In: Das niederdeutsche Theater. Hamburg 1986, S. 104
  2. G. H. J. Scholz: Der niederdeutsche Gedanke. Ms. ungedr. Archiv Ohnsorg-Theater
  3. Hans-G. Hilscher, Dietrich Bleihöfer: Kieler Straßenlexikon. Fortgeführt seit 2005 durch das Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Kiel, Stand: Februar 2017 (Online aufrufbar auf www.kiel.de).