Autotelie

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Der Ausdruck Autotelie (gr. αὐτός autós „selbst“ und τέλος télos „Ziel“) wird im Sinne von „Selbstzweck(-haftigkeit)“ oder auch „Unabhängigkeit“ gebraucht.

Die typische Verwendung im Kontext philosophischer Handlungstheorie sagt aus, dass eine Handlung kein anderes Ziel hat als sich selbst[1], also ursächlich und final intrinsisch motiviert ist. Ein Gegenbegriff ist "Heterotelie" (Unterordnung unter einen fremden Zweck), so z. B. explizit Wilhelm Traugott Krug.[2]

Eine Autotelie im Sinne einer Selbstzweckhaftigkeit hatten z. B. Theoretiker des 18. Jahrhunderts im Kontext der Ästhetik angenommen; Kant spricht später von einem „interesselosen Wohlgefallen“. Auch Roman Jakobson spricht ästhetischen Texten zu, nicht auf andere Gegenstände als sich selbst gerichtet zu sein und spricht hierbei von Autoreferentialität (Selbstbezüglichkeit) und Autotelie. Auch in der Ethik fand der Begriff Verwendung; so wurde etwa die Formulierung des kantischen kategorischen Imperativs in der Fassung, jederzeit die Menschheit zugleich als Zweck an ihr selbst, niemals bloß als Mittel zu gebrauchen, als dem Prinzip der Autotelie entsprechend beschrieben und formuliert, Autonomie schließe Autotelie ein.[3] Neben dem Handeln und Wollen von Individuen kann auch sozialen Institutionen Autotelie zugeschrieben werden, sofern diese keinen fremdgesetzten Zwecken dienen. Paul Natorps idealistische Sozialphilosophie[4] betont die Prinzipien der Freiheitlichkeit und Genossenschaftlichkeit und postuliert eine Überhöhung der Autonomie zur Autotelie des Willens und schließlich der Autopoiese (Selbst-Wirksamkeit).

William Stern verwendet den Begriff der Autotelie in seinem philosophischen Hauptwerk „Person und Sache. System der philosophischen Weltanschauung“[5] zur Bezeichnung eines einer Person immanenten Zwecks. Solche Zwecke dienen entweder der Selbsterhaltung oder der Selbstentfaltung. Gegenbegriff ist die Heterotelie, die auf fremden und von außen an eine Person herangetragenen Zwecken beruht.

Der Ausdruck wird in der modernen Psychologie auch in Mihály Csíkszentmihályis Flow-Theorie verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steff Aellig: Über den Sinn des Unsinns: Flow-Erleben und Wohlbefinden als Anreize für autotelische Tätigkeiten: eine Untersuchung mit der experience sampling method (ESM) am Beispiel des Felskletterns. Waxmann, Münster / New York, NY / München / Berlin 2004, ISBN 978-3-8309-1397-9 (= Internationale Hochschulschriften, Band 431, zugleich Dissertation Uni Zürich 2003).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Autotĕlie. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 2. Altenburg 1857, S. 90 (zeno.org).
  2. Ernst Feil: Antithetik neuzeitlicher Vernunft, Vandenhoeck & Ruprecht 1987, 90f
  3. Hermann Cohen: Kants Begründung der Ethik, 237u.ö.; Ernst Cassirer: Kant, in: Encyclopedia of the Social Sciences, 1932, 539b; siehe auch: P. Müller: Transzendentale Kritik und Autotelie der Vernunft, 1983.
  4. Vorlesungen über praktische Philosophie, 1925
  5. William Stern: Person und Sache. System der philosophischen Weltanschauung, Band 1: Ableitung und Grundlehre. Barth, Leipzig 1906 (2. Aufl. 1923); Band 2: Die menschliche Persönlichkeit, 1918 (3. Aufl. 1923); Band 3: Wertphilosophie, 1924