Bachkirche Arnstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bachkirche in Arnstadt

Die Johann-Sebastian-Bach-Kirche ist eine evangelische Kirche der Stadt Arnstadt in Thüringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Neue Kirche“ wurde 1676–1683 auf den Fundamentresten der 1581 abgebrannten St.-Bonifatius-Kirche als barocker Saalbau mit umlaufender, dreigeschossiger Empore errichtet.

Von 1703 bis 1707 hatte Johann Sebastian Bach hier seine erste Organistenstelle inne, gefolgt von seinem Cousin Johann Ernst Bach bis 1728.

1935 wurde die „Neue Kirche“ in „Johann-Sebastian-Bach-Kirche“ umbenannt.

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wender-Orgel (oben) und Steinmeyer-Orgel (unten)

Die Bachkirche verfügt über zwei bedeutende Orgeln: die Wender-Orgel von 1703 und die Steinmeyer-Orgel von 1913. Auf Initiative von KMD Gottfried Preller, seit 1981 Organist an der Bachkirche, wurden beide Instrumente 1997 bis Ende 1999 durch die Orgelbauwerkstatt Otto Hoffmann aus Ostheim/Rhön unter Leitung von Orgelbaumeister Horst und Günter Hoffmann restauriert (Steinmeyer-Orgel) beziehungsweise rekonstruiert (Wender-Orgel) und am 16. Januar 2000 anlässlich der Eröffnung des Bach-Jahres neu geweiht. In der Wender-Orgel sind noch 320 originale Pfeifen von insgesamt 1252 = 25,6 % wiederverwendet.[1] Beide Orgeln sind ein „Zeugnis von alter und neuer Orgelbaumeisterschaft, von großem Einsatz für ihren Fortbestand und für die reiche Orgeltradition Mitteldeutschlands.“[2]

Wender-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1699–1703 baute Johann Friedrich Wender auf der dritten Empore eine Orgel mit zwei Manualen und 21 Registern. Im Juni 1703 hat der 18-jährige Johann Sebastian Bach die Orgel geprüft und abgenommen. Er hat solch einen Eindruck hinterlassen, dass er gleich als Organist verpflichtet wurde. Nach dem Vertrag von 1699 verfügte das Instrument über folgende Disposition:

I Brustpositiv C,D–c3
1. Stillgedacktes 8′ (44)
2. Principal 4′ ( 1)
3. Spitzflöte 4′
4. Nachthorn 4′ (27)
5. Quinta 3′ ( 1)
6. Sesquialtera doppelt ( 2)
7. Mixtur 3 fach ( 1′) (18)
II Hauptwerk C,D–c3
8. Principal 8′ (1)
9. Viola di Gamba 8′ (42)
10. Quinta dena 8′ (26)
11. Grobgedacktes 8′ (46)
12. Gemshorn 8′ (39)
13. Offene Quinta 6′ ( 1)
14. Octava 4′ (46)
15. Mixtur 4 fach (2′) (18)
16. Cymbel doppelt (1′) ( 8)
17. Trompete 8′
18. Cymbelstern C-Dur
19. Cymbelstern G-Dur
Pedalwerk C, D–c1,d1
20. Sub Baß 16′
21. Principal Baß 8′
22. Posaunen Baß 16′
23. Cornet Baß 2′
  • Koppeln: I/II (Schiebekoppel), II/P
  • Spielhilfen: Tremulant (ganze Orgel)
  • in Klammern Zahl der erhaltenen Originalpfeifen (320)
  • Stimmung: Tonhöhe 465 Hz, wohltemperiert
  • 4 Keilbälge mit Trethebeln im Balghaus über der Orgel

Obwohl die Bedeutung dieser Orgel als Denkmal nie in Vergessenheit geriet, blieb sie nicht von diversen Umbauten verschont.[3]

Von der Orgel wurde 2004 eine Replik in der Kirche in Pontaumur, Auvergne aufgestellt, die auch für ein Bachfestival der Region genutzt wird.

Steinmeyer-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1913 baute Orgelbau Steinmeyer aus Oettingen auf der zweiten Empore ein neues Werk (Opus 1185) mit drei Manualen, Pedal und 55 Registern. Das Instrument hatte pneumatische Spiel- und Registertrakturen. Sechs Register der Wender-Orgel wurden damals beibehalten und ihre Mensuren im Bass erweitert. Die Orgel wurde auf der 2. Empore aufgestellt und 1938 auf die 1. Empore versetzt. Die Prospektfront der Wender-Orgel blieb weitgehend erhalten. In den Jahren 1998/1999 wurde die Orgel in der Orgelbauwerkstatt Hoffmann in Ostheim grundlegend restauriert. Die Windladen gründlich überarbeitet, die Belederungen der Taschenventile und der Registerbälge erneuert, alle Relais überarbeitet, die Belederungen erneuert. Das gesamte Pfeifenwerk würde überarbeitet, die Wender-Register, die in die Bach-Orgel zurückgeführt wurden, wurden rekonstruiert. Alle Veränderungen wurden auf den Stand von 1913 zurückgeführt. Die Zungenstimmen (ausgenommen Posaune 16') wurden erneuert, der Magazinbalg neu beledert, die Windkanäle mit Stoßfängern ausgestattet und das Schwellwerk mit einem Tremulanten versehen. Der Einbau der neuen 3. Empore für die Wender-Orgel erforderte eine Neuaufstellung des Werkes zwischen der 1. und 3. Westempore. Die Unterseite der 3. Empore wurde mit Schallreflexionsplatten verkleidet, um eine optimale Klangabstrahlung in den Raum zu erreichen. Die Prospektfront übernahm die Emporengliederung und wurde mit stoffbespannten Gitterfüllungen ausgestattet. Der elektrische Spieltisch fand seinen Platz direkt hinter der Emporenbrüstung. Bedingt durch die geänderte bauliche Situation auf der Empore musste bis zur 1. Relaisstation der Werke eine elektrische Verbindung gebaut werden. Die Spieltraktur von den Relais zu den Windladen blieb pneumatisch. Das Pfeifenwerk wurde gleichschwebend bei 440 Hz gestimmt. Die romantische Klangpalette reicht vom zartesten Pianissimo bis zum raumfüllenden Forte.

I Hauptwerk C–a3
1. Bordun 16′
2. Principal 8′
3. Viola di Gamba 8′
4. Gemshorn 8′
5. Schweizerflöte 8′
6. Bordun 8′
7. Rohrflöte 8′
8. Hohlflöte 8′
9. Quintflöte 5⅓′
10. Oktave 4′
11. Fugara 4′
12. Rohrflöte 4′
13. Quinte 2⅔′
14. Oktave 2′
15. Cornett V 8′
16. Mixtur V 2′
17. Cymbel III 1′
18. Trompete 8′
II Manual C–a3
19. Quintatön 16′
20. Principal 8′
21. Spitzflöte 8′
22. Quintatön 8′
23. Viola d’amour 8′
24. Gedackt 8′
25. Flauto traverso 8′
26. Oktave 4′
27. Spitzflöte 4′
28. Viola 4′
29. Rauschquinte II 2⅔′
30. Mixtur V 2′
31. Klarinette 8′
III Schwellwerk C–a3
32. Lieblich Gedackt 16′
33. Geigenprincipal 8′
34. Lieblich Gedackt 8′
35. Flauto piano 8′
36. Hessiana 8′
37. Salicional 8′
38. Vox coelestis 8′
39. Geigenprincipal 4′
40. Nachthorn 4′
41. Flauto dolce 4′
42. Geigenprincipal 2′
43. Sesquialter II 2⅔′
44. Progressivharm. III–VI 2′
45. Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
46. Principal 16′
47. Violon 16′
48. Subbaß 16′
49. Quintbaß 10⅔′
50. Principal 8′
51. Violoncello 8′
52. Gedackt 8′
53. Oktave 4′
54. Posaune 16′
55. Trompete 8′

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Wolff, Markus Zepf: Die Orgeln J. S. Bachs – Ein Handbuch. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2008, ISBN 978-3-374-02407-0.
  • Horst Hoffmann: Zwei Bach-Orgeln. Freiburger Musik Forum, Juni 1999, ISSN 1433-6464.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nähere Informationen zu den Orgeln der Bachkirche
  2. Felix Friedrich und Eberhard Kneipel: Orgeln in Thüringen – ein Reiseführer. Kamprad, Altenburg 2010, ISBN 978-3-930550-67-8.
  3. J. Georg Zahn: Das Joh. Sebastian Bach-Denkmal. In: Zeitschrift für Instrumentenbau, Bd. 2, Leipzig, 1882, S. 117–118 und S. 129–130

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bachkirche (Arnstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 50′ 3″ N, 10° 56′ 46″ O