Hoffmann und Schindler

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Hoffmann & Schindler GbR.
Logo Transparent Orgelbau Hoffmann und Schindler

Schriftlogo Transparent

Rechtsform GbR
Gründung 1848
Sitz Ostheim v. d. Rhön, Bayern
Leitung Günter Hoffmann
Christoph Schindler
Mitarbeiter 10 (2017)
Branche Musikinstrumentenbau
Website www.orgelbau-hoffmann.de
Stand: 17. August 2017 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2017

Hoffmann und Schindler ist ein Orgelbauunternehmen in Ostheim vor der Rhön. Es ist der durch familiäre Erbfolge entstandene Nachfolgebetrieb der Orgelbauerfamilie Markert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Hoffmann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1944 starb der letzte Namensträger der Markertschen Orgelbauerfamilie, Otto Reinhold Markert. Er hinterließ zwei Töchter. Ida Emilia Martha heiratete den Braumeister Willy Hoffmann (1883–1915). Aus deren Ehe gingen die beiden Söhne Louis (1906–1965) und Otto (1913–2004) hervor.

Beide erlernten im großväterlichen Betrieb das Orgelbauen und legten in den 1930er Jahren die Meisterprüfung ab. Nach 1945 übernahm Otto Hoffmann den Betrieb, weil sich sein Bruder noch in Kriegsgefangenschaft befand. Damit verbunden war die Änderung des Firmennamens zu Orgelbau Otto Hoffmann.

Louis Hoffmann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Orgelmontagesaal der Firma aus dem Jahr 1973. Auf dem Bild ist das alte Logo der Firma zu sehen, das bis 2014 dort hing

Als Louis Hoffmann aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, unterstützte er bis zu seinem Ableben im Jahre 1965 seinen Bruder im Betrieb. Zunächst wurden Orgeln mit pneumatischen und elektrischen Kegelladen, seit den 1960er Jahren mit mechanischen Schleifladen gebaut.

Durch den Eisernen Vorhang fehlte dem Betrieb ein traditionelles Absatzgebiet: Thüringen, dessen Grenze nur 5 km entfernt war. So suchte die Firma neue Absatzgebiete zu erschließen. Bis 1985 führte Orgelbau Hoffmann mit bis zu 20 Mitarbeitern über 100 Orgelneubauten und rund 60 Restaurierungen aus.

Größere Orgeln entstanden u. a. in Karlstadt, Selb, Solingen, Ebelsbach, Seibelsdorf, Rentweinsdorf, Baunach und in Würzburg. 1975 restaurierte Otto Hoffmann die von seinem Großvater versetzte Orgel in der St. Michael-Kirche in Ostheim vor der Rhön und setzte sie wieder an ihren alten Ort im Ostchor zurück. Er stiftete für das Instrument eine Chororgel, die mechanisch an die Hauptorgel angekoppelt werden kann. Bedeutende Denkmalorgeln, wie die Herbst-Orgel in Lahm/Itzgrund, die Schlimbach-Orgeln in Bad Königshofen und Klingenberg sowie mehrere Seuffert-Orgeln wurden restauriert. Zu den frühen Restaurierungen gehört 1972 die Will-Orgel in der Karmelitenkirche in Bad Neustadt/Saale. 1970 wurde ein neues Werkstattgebäude in der Ludwig-Jahn-Str. 18 errichtet, wo sich der Firmensitz heute noch befindet.

Horst und Günter Hoffmann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1985, Otto Hoffmann war 72 Jahre alt, übernahmen seine beiden Söhne Orgelbaumeister Horst (* 1944) und Günter (* 5. November 1947) den väterlichen Betrieb. Es folgten zahlreiche Neubauten wie z. B. in Sulzfeld, Bad Kissingen, Oberelsbach, Lauf an der Pegnitz, Kürnach, Pommersfelden, Hamm, Höchberg, Hofheim, Volkersberg, Wilhermsdorf, Mariabuchen, Neuhof, Bad Soden-Salmünster, Wildflecken, Aschaffenburg-Gailbach und der Umbau der großen Orgel des Johannesstifts Berlin IV/64 Register.

Die Rekonstruktion der von Johann Friedrich Wender im Jahre 1703 für die neue Bach-Kirche in Arnstadt erbauten Orgel, deren erster Organist Johann Sebastian Bach von 1703 bis 1707 war, sowie die Restaurierung der romantischen Orgel der Bachkirche Arnstadt zählt zu den viel beachteten Aufgaben des Unternehmens.

Bedeutende Denkmalorgeln wurden grundlegend restauriert in : Arnstadt, Althausen, Dampfach, Etzelwang, Schornweisach, Detter, Spitalkirche Mellrichstadt, Burghaun, Brunn, Aschaffenburg-Glattbach, Kronungen, Unterhohenried, Fulda, Ebern, Hain, Vohenstrauß, Zimmern, Obereuerheim, Heilig Geist, Fulda, Oberzell, Blankenau, Goldkronach, Kirchzell, Bettenhausen, Gerolzhofen, Himmelkron, Bibra, Dalherda, Elxleben, Tröchtelborn, Geba, Triptis, Seeba, Herpf, Helmershausen, Meuselbach und Ostheim/Rhön.

Horst Hoffmann war 1993 Gründungsvorstand des Ostheimer Orgelbaumuseums, das mit der umfangreichen Sammlung historischer Dokumente und Objekte der Brüder Horst und Günter Hoffmann ausgestattet wurde.

Zudem war Horst Hoffmann seit 1986 Vorstandsmitglied des Bundes Deutscher Orgelbaumeister (BDO), ab 1988 Zweiter Vorsitzender und von 2000 bis 2014 Vorsitzender des Traditionsverbandes. Im Jahr 2010 verkaufte er seinen Werkstattanteil an Orgelbaumeister Christoph Schindler, der von ihm ausgebildet worden war.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wandgemälde auf der Hallenwand, 2015

Der Sohn von Günter Hoffmann, Tobias (* 2. November 1975), setzt die Orgelbautradition seit 1996 in der 7. Generation fort. Seit April 2010 steht die Firma neben Günter Hoffmann unter der Leitung von Christoph Schindler (* 1963), dem langjährigen Mitarbeiter und Intonateur der Firma. Die Firma, eine GbR, trägt jetzt den Namen Orgelbau Hoffmann & Schindler.

Konzertorgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit einzigartig ist der 1998 von der Firma umgebaute LKW. Er dient als mobile Orgel, die überall aufgestellt und gespielt werden kann. Zuletzt zum Einsatz gekommen ist die Open Air-Konzertorgel beim Kirchentag 2017 in Berlin unter dem Auftrag der Hoffbauer gGmbH. Das Konzert trug den Namen Drums & Pipes.[1]

Open-Air Konzertorgel der Firma Orgelbau Hoffmann und Schindler. Sie wurde 1998 in einem LKW gebaut und ist weltweit einzigartig
Erbaut Ostheim vor der Rhön 1998
Trakturen elektrische Ton und Register-Traktur
Tonumfang Manuale C – g3, Pedal C – f1
Spielhilfen 4000 Speicherplätze, elektronisch
Pfeifen 1830 Holz- und Metallpfeifen (Zinn, Kupfer, Feinzink)

[2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungen
1977 Michelau in Oberfranken Evangelische Kirche
Michelau Kirche Orgel.jpg
II/P 23
1981 Wolfsburg St. Raphael (katholisch)
Wolfsburg Raphael Orgel 1.jpg
II/P 23
1984 Etzelwang St. Nikolaus
Etzelwang St Nikolaus 1744 Werk Hößler.JPG
I/P 9 Restaurierung der Orgel von Elias Hößler aus dem Jahr 1744
1985 Sulzbach-Rosenberg Berufsfachschule des Bezirks Oberpfalz
Sulzbach-Rosenberg Berufsfachschule für Musik Orgel.jpg
II/P 17 Übungsorgel mit Wechselschleifen und Koppelmanual
1986 Pommersfelden St. Maria und Johannes
Pommersfelden Maria Johannes Orgel.jpg
II/P 21
1990 Lauf an der Pegnitz St. Johannis
Lauf Johannis Orgel.jpg
II/P 24 Rekonstruktion der Johann-Adam-Brandenstein-Orgel von 1700, Ergänzung des überlieferten Prospekts durch ein Rückpositiv
1994 Bettenhausen (Rhönblick) Zum Heiligen Kreuz Bettenhausen Zum heiligen Kreuz 05.jpg II/P 17 Restaurierung der Orgel von Johann Ernst Döring aus dem Jahr 1747, ursprünglich für Unterweid gebaut
2000 Arnstadt Bachkirche (evangelisch)
Orgue d'Arnstadt.jpg
II/P 21 Rekonstruktion der Orgel von Johann Friedrich Wender
2011 Helmershausen Dom der Rhön Helmershausen Dom der Rhön 08.jpg II/P 26+3 Restaurierung der Orgel von Johann Michael Voit aus dem Jahr 1786
2012 Kirchenreinbach bei Etzelwang St. Ulrich
Kirchenreinbach, Gehäuse Hepp.JPG
II/P 12 Historisierender Neubau im vorhandenen Gehäuse (1823) des Amberger Orgelbauers Wilhelm Hepp

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kirchentag 2017 - Wir waren dabei mit DRUMS & PIPES. Hoffbauer gGmbH, abgerufen am 20. Juli 2017.
  2. Konzertorgel Open Air. Orgelbau Hoffmann & Schindler, abgerufen am 20. Juli 2017 (PDF; 1,1 MB).