Backfischroman

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Als Backfischroman bezeichnet man ein Genre der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur und speziell ein Teilgebiet der Mädchenliteratur, das das Heranwachsen eines Mädchens beschreibt und sich vor allem an Mädchen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren als Leserinnen wendet. Der Name Backfischroman leitet sich von der inzwischen veralteten Bezeichnung Backfisch für Mädchen in der Pubertät ab. Im heutigen Sprachgebrauch würde man von Mädchenbuch sprechen.

Backfischromane entstanden vor allem in der Zeitspanne zwischen 1850 und 1950. Sie vertreten generell ein überwiegend stereotypes, traditionelles Gesellschafts- und Frauenbild. Häufig wird das Einfügen einer Heranwachsenden in die festen Normen ihrer Umwelt geschildert. Viele dieser Bücher enden mit der Ehe; die Heldin wird Hausfrau und gibt ihre (eventuell vorher vorhandenen) beruflichen Ambitionen auf.

Beliebte Autorinnen der Epoche, wie Frida Schanz, sprachen die jungen Mädchen in der Regel in einem freundlichen, belehrenden Tonfall an, wobei auch der betonte Patriotismus den damaligen Zeitgeist widerspiegelte.[1]

Der Klassiker unter den Backfischromanen ist Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden. Weitere bekannte Vertreter der Backfischromane sind die Werke von Magda Trott und Henny Koch, sowie die Bücher von Else Ury, deren Kinderbuchreihe Nesthäkchen bis heute aufgelegt wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gisela Wilkending: Mädchenliteratur der Kaiserzeit: zwischen weiblicher Identifizierung und Grenzüberschreitung. Metzler 2003, ISBN 9783476019639
  • Hadassah Stichnothe: Liebe, Krieg und Sommerferien. Der weibliche Adoleszenzroman im historischen Überblick. Der Deutschunterricht, 68. Bd., H. 2 (2016), S. 14–26
  • Mädchenliteratur. In: Friederike Ursula Eigler, Susanne Kord: The Feminist Encyclopedia of German Literature. Greenwood, 1997, ISBN 0313293139, S. 293–294 (Auszug (Google))
  • Jennifer Drake Askey: Good Girls, Good Germans: Girls’ Education and Emotional Nationalism in Wilhelminian Germany. Camden House (Boydell & Brewer) 2013, S. 103–141 (Kapitel „Mädchenliteratur I — Backfischbücher and Historical Novels“)
  • David Ehrenpreis: The Figure of the Backfisch: Representing Puberty in Wilhelmine Germany. Zeitschrift für Kunstgeschichte, 67. Bd., H. 4 (2004), S. 479–508 (JSTOR)
  • Elizabeth Harvey: Private Fantasy and Public Intervention: Girls’ Reading in Weimar Germany. In: Jennifer Birkett (Hrsg.), Elizabeth Harvey (Hrsg.): Determined Women: Studies in the Construction of the Female Subject, 1900–90. Springer 1991, ISBN 9781349212927, S. 38-67

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Mit Sechzehn“ von Frida Schanz auf den Seiten des Projekt Gutenberg. Abgerufen am 1. März 2021.