Bahnhof Zwönitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zwönitz
Bahnhof Zwönitz (Sachsen)
Red pog.svg
Daten
Betriebsstellenart Haltepunkt
Lage im Netz ehem. Kreuzungsbahnhof
Bauform ehem. Inselbahnhof
Abkürzung DZI
Eröffnung 15. November 1875
Lage
Stadt/Gemeinde Zwönitz
Land Sachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 37′ 51″ N, 12° 47′ 47″ OKoordinaten: 50° 37′ 51″ N, 12° 47′ 47″ O
Höhe (SO) 548 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe und Haltepunkte in Sachsen
i16i18

BW

Der Bahnhof Zwönitz liegt in der gleichnamigen erzgebirgischen Stadt Zwönitz. Ursprünglich berührten die Station die drei Strecken Chemnitz–Adorf, Zwönitz–Chemnitz Süd und Zwönitz–Scheibenberg. Da bis auf erstere die Strecken um Zwönitz stillgelegt sind, ist der ehemalige lokale Bahnknoten heute nur noch ein einfacher Haltepunkt mit Anschlussstelle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Ende der 1850er Jahre gab es mehrere Petitionen für einen Bahnbau im Zwönitzer Raum die beispielsweise eine Weiterführung der Lugauer Kohlenbahn forderten. Nach jahrelangen Streitigkeiten – so sah es zwischenzeitlich danach aus, das Zwönitz überhaupt keine Bahnverbindung erhalten sollte – erhielt 1872 die Chemnitz-Aue-Adorfer Eisenbahn-Gesellschaft die Genehmigung zum Bahnbau Chemnitz–Aue–Adorf sowie der Zweigbahnen Zwönitz–Stollberg–Lugau sowie Zwota–Klingenthal. Am 15. Juli 1873 war in Zwönitz offizieller Baubeginn für die „Hauptstrecke“,[1] auf der Zweigstrecke nach Lugau hatten ebenfalls im selben Jahr die Vorarbeiten begonnen. Bedingt durch den Gründerkrach wurde der Zweigbahnbau 1874 vorerst ausgesetzt und 1876 ganz abgebrochen. Der Streckenabschnitt Chemnitz–Aue samt dem Bahnhof Zwönitz wurde hingegen am 15. November 1875 eröffnet. Allerdings wurde die Einweihung von einem Unwetter überschattet, welches unter anderem ein Dach im Bahnhof abdeckte.[1]

Bahnhof Zwönitz um 1910

Von Anfang war der Bahnhof als Wasserstation ausgestattet worden, die bereits ein Jahr nach der Betriebseröffnung erweitert werden musste. 1877 kam ein zweiter Bahnsteig – ein Zwischenbahnsteig – hinzu. Auch in den nachfolgenden Jahrzehnten wurde die Station stetig erweitert, so auch 1883 mit der Neubau und Verlängerung von Gleisen.[2]

Die Bauarbeiten für die Strecke nach Stollberg (später bis Chemnitz Süd verlängert) begannen 1887 mit der Erweiterung des Empfangsgebäudes. Neben Gleiserweiterungen entstanden auch ein Lokschuppen sowie eine 13 m-Drehscheibe. Die Strecke nach Stollberg wurde am 14. Juli 1889 eröffnet, damit wurde Zwönitz zum lokalen Eisenbahnknoten. Mit der Streckeneröffnung wurden die Weichen auf signalunabhängige Bedienung umgebaut.[3] Allerdings war der Verkehrsanstieg größer als erwartet, somit wurde der Güterschuppen nur ein Jahr nach der Eröffnung noch vergrößert.[4]

1896 begannen die Vorarbeiten für die Bahnstrecke Zwönitz–Scheibenberg. Während des Streckenbaus entstand der südliche Bahnhofsteil, Zwönitz wurde damit zum Inselbahnhof. Weiterhin entstand das Kreuzungsbauwerk der Zwönitz–Stollberger Strecke über die Bahnstrecke Chemnitz–Adorf, um die Züge aus Stollberg direkt kreuzungsfrei nach Scheibenberg durchzubinden. Am 30. April 1900 wurde die neue Strecke eröffnet. Damit war auch der Lokschuppen überflüssig, da fortan kaum noch Züge in Zwönitz endeten, deswegen wurde das Gebäude recht bald abgerissen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den der Bahnhof unbeschädigt überstand, wurde 1947 die Strecken nach Stollberg bzw. Scheibenberg (letztere zwischen Zwönitz und Elterlein) als Reparationsleistung demontiert. Zwei Jahre später wurde die Verbindung nach Stollberg allerdings auf Wunsch der Wismut in drei Monaten wiederaufgebaut. Der Verkehr blieb aber nach der Abwanderung des Wismut-Berufsverkehrs auf die Straße gering. Somit wurde 1967 der Gesamtverkehr auf der Strecke eingestellt.

Bei der 100 Jahr-Feier der Strecke Chemnitz–Aue am 21. und 22. September 1975 bildete der Bahnhof Zwönitz das Zentrum der Feierlichkeiten mit einer Triebfahrzeugausstellung. Neben einer Broschüre entstand auch ein Bericht für die Aktuelle Kamera.

Allerdings blieb der Verkehr im nunmehrigen Durchgangsbahnhof erheblich. So begannen und endeten aus betrieblichen Gründen die Verstärkerzüge von und nach Chemnitz ab Mitte der 1960er Jahre statt im Bahnhof Thalheim im Bahnhof Zwönitz.[5] Erst mit den wirtschaftlichen Veränderungen bedingt durch die Wende 1989/90 brach der Verkehr fast vollkommen weg. Noch 1990 wurde der Stückgutverkehr eingestellt, 1991 der Bahnhof als eigenständige Dienststelle aufgelöst und dem Bahnhof Aue (Sachs) unterstellt. Bis zum 30. Mai 1994 wurde zwar noch formell Güterverkehr durchgeführt, allerdings war dieser seit 1991 praktisch nicht mehr existent.[6]

Der Bahnhof wurde 2003/04 zusammen mit der Strecke Chemnitz–Aue vollständig saniert. Seitdem ist die Station nur noch ein Haltepunkt. Ein neuer Bahnsteig entstand etwa 300 Meter nördlich des alten Bahnhofs dicht am Bahnübergang der Bahnhofstraße. Die Anschlussbahn zum Umspannwerk von Vattenfall blieb allerdings erhalten, ihr wurden die zwei verbliebenen Gleise auf der Bahnhofssüdostseite zugeordnet.[7]

Der Personenverkehr wurde bis September 2018 von der Erzgebirgsbahn durchgeführt, die den Haltepunkt im Zweistundentakt anfuhr. Die Anschlussstelle zum Umspannwerk existiert ebenfalls noch, wird aber nur sehr selten bedient.

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stufe 2 des Chemnitzer Modells soll der Haltepunkt wieder zum Kreuzungsbahnhof ausgebaut werden. Die Wiedereinrichtung der Kreuzungsmöglichkeit ermöglicht die vorgesehene Einführung des Stundentakts zwischen den Bahnhöfen Thalheim (Erzgeb) und Aue (Sachs). Der Beginn der Hauptbauleistungen für Stufe 2 des Chemnitzer Modells ist für 2019 vorgesehen, die verkehrliche Inbetriebnahme für 2020.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Schneider: Der Bahnhof Zwönitz und seine drei Eisenbahnstrecken, Selbstverlag 1996
  • Jürgen Viehweger: Die Zwönitztalbahn Chemnitz–Aue, Verlag Jacobi, Fraureuth 2006, ISBN 3-937228-09-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Zwönitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jürgen Viehweger: Die Zwönitztalbahn Chemnitz–Aue, S. 15
  2. Jürgen Viehweger: Die Zwönitztalbahn Chemnitz–Aue, S. 85
  3. Siegfried Bergelt: Auf den Spuren der alten Westsachsenmagistrale — Die Eisenbahnstrecke Chemnitz–Aue–Adorf, Bildverlag Thomas Böttger, Witzschdorf 2004, S. 23
  4. Jürgen Viehweger: Die Zwönitztalbahn Chemnitz–Aue, S. 85
  5. Siegfried Bergelt: Auf den Spuren der alten Westsachsenmagistrale — Die Eisenbahnstrecke Chemnitz–Aue–Adorf, Bildverlag Thomas Böttger, Witzschdorf 2004, S. 31
  6. Stefan Schneider: Der Bahnhof Zwönitz und seine drei Eisenbahnstrecken, S. 179
  7. www.deutschebahn.com Gleise in Serviceeinrichtungen der DB Netz AG – Stand 01.10.2007 (pdf-Dokument; 73 kB)
  8. Chemnitzer Modell: Start verzögert. In: Freie Presse. 21. Februar 2019, abgerufen am 12. März 2019.