Bahnstrecke Brand-Erbisdorf–Langenau

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Brand-Erbisdorf–Langenau (Sachs)[1]
Strecke der Bahnstrecke Brand-Erbisdorf–Langenau
Ausschnitt der Streckenkarte Sachsen 1902
Streckennummer (DB): 6617; sä. BL
Kursbuchstrecke (DB): 515 (1997)
Streckenlänge: 4,335 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 12 
Minimaler Radius: 200 m
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Strecke – geradeaus
von Berthelsdorf (Erzgeb)
   
0,000 Brand-Erbisdorf 479 m
   
nach Großhartmannsdorf
   
0,780 Brand-Erbisdorf Hp 479 m
   
1,060 Brücke Erbisdorf (90 m)
   
2,420 Himmelsfürst 480 m
   
Anschl Vertrau auf Gott-Schacht
   
2,686 Brücke Himmelsfürst (87 m)
   
Anschl Glückauf-Schacht
   
2,792 Brücke Kunstgraben
   
4,204 Langenau (Sachs) 482 m
   
4,335 Streckenende

Die Bahnstrecke Brand-Erbisdorf–Langenau war eine Nebenbahn in Sachsen. Sie zweigte in Brand-Erbisdorf aus der Bahnstrecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf ab und führte durch den südwestlichen Teil des Freiberg-Brander Bergbaureviers nach Langenau. Die im Jahr 1890 eröffnete Strecke wurde 1998 stillgelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Süden des Freiberg-Brander Bergreviers ansässigen Bergbauunternehmen wie z. B. die bedeutende Himmelsfürst Fundgrube bemühten sich schon recht frühzeitig um einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Vor allem der Versand der geförderten Erze, aber auch der Empfang der im Bergbau für die Aufbereitung der Erze benötigten Säuren war auf dem Straßenweg umständlich und teuer.

1881 beantragte ein Bahnbaukomitee beim Sächsischen Landtag den Bau einer Eisenbahnstrecke von Berthelsdorf über Brand, Langenau, Großhartmannsdorf, Großwaltersdorf nach Eppendorf. Die Strecke hätte die Bahnstrecke Nossen–Moldau mit der Bahnstrecke Reitzenhain–Flöha verbunden. Der Plan wurde jedoch abgelehnt.

Infolge der 1870 erfolgten Einführung der Goldwährung und des daraus resultierenden Verfalls des Silberpreises verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Freiberger Silbergruben rapide. Um der Stilllegung der Gruben und der Entlassung von mehreren tausend Bergleuten entgegenzuwirken, kaufte der Staat 1886 die wichtigsten Bergwerke, um den Betrieb nach ihrer technischen Modernisierung fortzuführen. Vor diesem Hintergrund entwickelte nun der Staat selbst ein Interesse zur Schaffung eines Bahnanschlusses.

Am 22. Dezember 1887 genehmigte der Landtag die Ausführung der regelspurigen Sekundärbahnen Berthelsdorf–Großhartmannsdorf, Brand-Erbisdorf–Langenau sowie Freiberg–Halsbrücke. In den Erläuterungen zum Bau heißt es u. a., „... daß es im Interesse der betheiligten Ortschaften als auch in demjenigen der fiscalischen Erzgruben liegt, an Stelle, der im Jahr 1881 in Aussicht genommenen Linie zunächst den Bau einer Eisenbahn von Berthelsdorf nach Brand und von hier aus einerseits nach Großhartmannsdorf, andererseits nach Langenau zur Ausführung zu bringen…“. Als Kostenrahmen waren insgesamt 3.043.000 Mark vorgesehen.[2] Die Verordnung zum Bau und Betrieb wurden am 28. Dezember 1888 erlassen. Von der Weiterführung in das Lößnitztal nach Eppendorf sah man vorerst ab (1893 wurde das Tal durch eine Schmalspurbahn von Hetzdorf aus erschlossen).

Bau und Eröffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 1889 begannen gleichzeitig die Bauarbeiten an der Strecke von Berthelsdorf nach Großhartmannsdorf und an der abzweigenden Trasse nach Langenau. Da nur wenige größere Kunstbauten wie die Gerüstpfeilerviadukte bei Erbisdorf und Himmelsfürst errichtet werden mussten, war die Strecke nach einem Jahr Bauzeit fertiggestellt. Eröffnet wurde die neue Sekundärbahn am 13. Juli 1890 gemeinsam mit der Strecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf sowie der nördlich von Freiberg gelegenen Strecke Freiberg–Halsbrücke.

Betrieb und Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fahrplan von 1894 wies insgesamt vier Zugpaare aus. Die Fahrzeit betrug bergwärts 21 Minuten, was einer Reisegeschwindigkeit von nur 12 km/h entsprach.[3] In Regie der Deutschen Reichsbahn nach 1920 wurden die Züge schließlich von und nach Freiberg durchgebunden. Im Fahrplan von 1939 gab es fünf Zugpaare in der Relation Freiberg–Langenau, die für die Strecke Brand-Erbisdorf–Langenau nun nur noch 11–12 Minuten benötigten. Die Gesamtreisezeit von Freiberg betrug etwa dreißig Minuten.[4]

Reisezug im Bahnhof Langenau (1997)

Ein letzter Höhepunkt in der Existenz der Strecke war die 100-Jahr-Feier zwischen dem 14. und 20. Juli 1990. Neben einer Fahrzeugausstellung in Brand-Erbisdorf verkehrten auch mehrere Sonderzüge, die mit Dampflokomotiven bespannt waren.

Die Strecke von Brand-Erbisdorf nach Langenau wurde im Personenverkehr bis 1997 betrieben, der Güterverkehr war hier schon am 31. Dezember 1994 eingestellt worden. In den letzten Jahren wurden die Güterwagen den Personenzügen beigegeben, die dann als PmG unterwegs waren. Am 1. Juni 1997 verkehrten unter reger Anteilnahme der Bevölkerung die letzten Reisezüge von Freiberg nach Langenau.

Am 19. Juni 1998 wurde die Stilllegung der Strecke durch das Eisenbahnbundesamt genehmigt. Juristisch vollzogen wurde sie am 15. August 1998.[5]

Streckenbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnviadukt in Himmelsfürst (2016)

Die Strecke beginnt im Bahnhof Brand-Erbisdorf an der Bahnstrecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf und führt dann in südwestlicher Richtung durch den südlichen Teil des Freiberg-Brander Bergreviers. Am Haltepunkt Himmelsfürst bestanden bis zur Einstellung des Bergbaues zwei Anschlussgleise zu Schächten der dort gelegenen Himmelsfürst Fundgrube. Bei Erbisdorf und Himmelsfürst liegen im Streckenverlauf zwei noch vorhandene Gerüstpfeilerviadukte, die Nebentäler der Großen Striegis überbrücken.

Betriebsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brand-Erbisdorf

Bahnhof Brand-Erbisdorf (2012)
Hauptartikel: Bahnhof Brand-Erbisdorf

Der Bahnhof Brand-Erbisdorf wurde am 15. Juli 1890 in Betrieb genommen. Im Bahnhof zweigte die Bahnstrecke nach Langenau von der Bahnstrecke Berthelsdorf–Großhartmannsdorf ab. Er trug folgende Namen:

  • bis 1911: Brand bei Freiberg
  • bis 1912: Brand b Freiberg (Sa)
  • seit 1912: Brand-Erbisdorf (1912: Vereinigung von Brand und Erbisdorf)

Seit der Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1998 dient der Bahnhof nur noch dem Güterverkehr. Direkt am Bahnhof beginnt die Anschlussbahn des Preß- und Schmiedewerks, des letzten noch verbliebenen Güterkundens an der Strecke.

Brand-Erbisdorf Hp

Brand-Erbisdorf Hp wurde am 15. Juli 1890 als Haltestelle Erbisdorf eröffnet und 1905 zum Haltepunkt zurückgestuft. Mit der Vereinigung von Brand und Erbisdorf zu Brand-Erbisdorf erfolgte am 20. Juli 1912 die Umbenennung der Station in Brand-Erbisdorf Hp. Der Haltepunkt ging am 1. Juni 1997 außer Betrieb. Das hölzerne Wartehaus ist am Standort noch vorhanden. Während die Gleisanlagen demontiert wurden, erfolgte eine Asphaltierung des Zugangswegs.[6]

Himmelsfürst

Die Haltestelle Himmelsfürst wurde am 15. Juli 1890 eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet. 1933 erfolgte die Herabstufung zur Haltestelle und 1964 zum Haltepunkt. Bis zur Einstellung des Bergbaues befanden sich im Bereich der Station zwei Anschlussgleise zu Schächten der dort gelegenen Himmelsfürst Fundgrube. Der Haltepunkt ging am 1. Juni 1997 außer Betrieb. Das hölzerne Wartehaus ist am Standort noch vorhanden.[7]

Langenau (Sachs)

Der Bahnhof Langenau (Sachs) wurde am 15. Juli 1890 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet. Da eine Weiterführung der Strecke nach Eppendorf nicht realisiert wurde, blieb Langenau Endpunkt dieses Streckenteils. Die Station trug folgende Namen:

  • bis 1922: Langenau
  • bis 1933: Langenau (Sa)
  • seit 1933: Langenau (Sachs)

Der Bahnhof Langenau (Sachs) ging mit der Stilllegung des Streckenteils am 1. Juni 1997 außer Betrieb. Am Standort sind das Empfangsgebäude, Güterschuppen und Wirtschaftsgebäude noch vorhanden. [8]

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den ersten Betriebsjahren wurde sämtlicher Verkehr mit den zweifach gekuppelten Sekundärbahnlokomotiven der Gattung VII T abgewickelt. Belegt ist die Stationierung der Lokomotive MOZART in Langenau. Später setzten die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen auch Lokomotiven der Gattungen IIIb und V T ein, die auf anderen Strecken entbehrlich wurden. In Regie der Deutschen Reichsbahn kamen ab Ende der Zwanziger Jahre ehemals preußische T 9.3 (Baureihe 91) zum Einsatz, die in den 1960er Jahren durch die Baureihe 86 abgelöst wurden. Seit den 1970er Jahren wurde sämtlicher Verkehr mit den Diesellokomotiven der Baureihe 110 abgewickelt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Berger: 100 Jahre Berthelsdorf-Langenau und Freiberg-Halsbrücke. in: Modelleisenbahner Nr. 7/1990, transpress Verlagsgesellschaft mbH i.G. Berlin; S. 6–8
  • Erich Preuß, Reiner Preuß: Sächsische Staatseisenbahnen. transpress Verlagsgesellschaft mbH, Berlin 1991, ISBN 3-344-70700-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Brand-Erbisdorf–Langenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten auf www.sachsenschiene.net
  2. Thomas Berger: 100 Jahre Berthelsdorf-Langenau und Freiberg-Halsbrücke. in: Modelleisenbahner 39(1990)7, S. 6
  3. Fahrplan 1894 der Sächsischen Staatsbahnen - gültig ab 1. Mai 1894
  4. Sommerfahrplan 1939 - gültig vom 15. Mai bis 7. Oktober 1939
  5. Liste der seit 1994 stillgelegten bundeseigenen Strecken im Land Sachsen
  6. Brand-Erbisdorf Hp auf www.sachsenschiene.net
  7. Der Haltepunkt Himmelsfürst auf www.sachsenschiene.net
  8. Der Bahnhof Langenau (Sachs) auf www.sachsenschiene.net