Barbarossaleuchter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Radleuchter samt Kette im Oktogon des Aachener Doms
Blick durch den Leuchter in die Kuppel
Aufhängung des Leuchters oberhalb des Deckengewölbes

Der Barbarossaleuchter ist ein Radleuchter, der im Auftrag Kaiser Friedrichs I., genannt Barbarossa, und dessen Gemahlin Beatrix etwa im Zeitraum zwischen 1165 und 1170 angefertigt und unter dem Kuppeldach der Pfalzkapelle Karls des Großen, des heutigen Aachener Domes, angebracht wurde. Der Leuchter war eine Stiftung zu Ehren der Gottesmutter Maria, der Schutzpatronin der Aachener Stifts- und Krönungskirche, und stellte zugleich eine Ehrung seines Gründers Karl dar.

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Barbarossaleuchter aus vergoldetem Kupfer hat einen Durchmesser von 4,16 Metern. Er ist mittig unter der Kuppel des karolingischen Oktogons an einer etwa 27 Meter langen Kette angebracht. Die Kettenglieder verjüngen sich nach unten hin von einer Länge von 150 mm auf 130 mm und von einer Breite von 74 mm auf 70 mm.[1] So wird aus der Perspektive von unten gesehen der Eindruck gewonnen, die Kette habe in der gesamten Länge die gleiche Dicke.

Der Leuchter, der etwa vier Meter über dem Marmor-Fußboden hängt, ist aus acht Kreissegmenten zusammengesetzt und damit an die achteckige Form der Pfalzkapelle angepasst. Der Kranz des Kronleuchters symbolisiert die Stadtmauer des himmlischen Jerusalems. Diese stilisierte Stadtmauer enthält acht große und acht kleinere turmartige Laternen, die symmetrisch angeordnet sind und die Stadttore versinnbildlichen. Wegen der oktogonalen Struktur des umgebenden Bauwerks war davon abgesehen worden, den Leuchter mit zwölf Laternentürmen zu versehen – wie es der traditionellen Darstellungsweise des himmlischen Jerusalems entsprochen hätte.

Der Leuchter enthält insgesamt 48 Kerzen, die noch heute zu feierlichen Anlässen entzündet werden.

Ursprünglich in den 16 Türmen angebrachte Silberfiguren, die Heilige, Engel und Torwächter darstellten, sind verlorengegangen. Erhalten geblieben sind die Bodenplatten der Türme, auf denen – von unten sichtbar – Szenen aus dem Leben Jesu, insbesondere die acht Lobpreisungen aus der Bergpredigt, als meisterlich ausgeführte Gravuren abgebildet sind.

Eine auf dem Leuchter angebrachte lateinische Inschrift lautet in der Übersetzung:

„Friedrich, katholischer Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gelobte, darauf zu achten, dass Zahl und Gestalt mit den Maßen des erhabenen Tempels harmonieren und sich ergänzen: achteckig diese Lichterkrone als fürstliche Gabe“
Die Inschrift auf dem Leuchter

Der Barbarossaleuchter ist einer von nur vier in Deutschland erhaltengebliebenen romanischen Radleuchtern; die weiteren sind der Thietmarleuchter und der Heziloleuchter im Hildesheimer Dom und der Hartwigleuchter in der Comburger Klosterkirche.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Buchkremer: Neue Wahrnehmungen am Kronleuchter im Aachener Münster. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. 24. Band, Aachen 1902, S. 317–331 (Internet Archive).
  • Ernst Günther Grimme (Text), Ann Bredol-Lepper (Aufnahmen): Aachener Goldschmiedekunst im Mittelalter. Seemann, Köln 1957, S. 31–36.
  • Ernst Günther Grimme (Text), Ann Bredol-Lepper (Aufnahmen): Die großen Jahrhunderte der Aachener Goldschmiedekunst (= Aachener Kunstblätter. Bd. 26). Verlag des Aachener Museumsvereins, Aachen 1962, S. 34–39.
  • Ernst Günther Grimme: Der Aachener Domschatz. 2. Auflage, Schwann, Düsseldorf 1973, S. 62–64 Nr. 42.
  • Reiner Haussherr (Hrsg.): Die Zeit der Staufer. Geschichte – Kunst – Kultur. Katalog der Ausstellung. Band 1, Stuttgart 1977, S. 396–398 Nr. 53.
  • Clemens Bayer: Die beiden großen Inschriften des Barbarossa-Leuchters. In: Clemens Bayer (Hrsg.): Celica Jherusalem. Festschrift für Erich Stephany. Köln 1986, S. 213–240.
  • Georg Minkenberg: Der Barbarossaleuchter im Dom zu Aachen. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. 96. Band, Aachen 1989, S. 69–102.
  • Helga Giersiepen: Die Inschriften des Aachener Doms (= Die Deutschen Inschriften. Band 31). Reichert, Wiesbaden 1992, ISBN 3-88226-511-6, Nr. 28 (Online).
  • Ernst Günther Grimme (Text), Ann Münchow (Aufnahmen): Der Dom zu Aachen. Architektur und Ausstattung. Einhard, Aachen 1994, ISBN 978-3-920284-87-3, S. 140–149, 151.
  • Herta Lepie, Georg Minkenberg: Die Schatzkammer des Aachener Domes. Brimberg, Aachen 1995, ISBN 3-923773-16-1, S. 40–41.
  • Herta Lepie, Lothar Schmidt: Der Barbarossaleuchter im Dom zu Aachen. Einhard, Aachen 1998, ISBN 3-930701-46-4.
  • Andreas Platthaus: Jerusalem aus der Untersicht. Der Barbarossaleuchter. In: Ders.: Im Comic vereint. Eine Geschichte der Bildergeschichte. Alexander Fest Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8286-0064-6, S. 45–62.
  • Hanna Wimmer: The iconographic programme of the Barbarossa Candelabrum in the Palatine Chapel at Aachen. A re-interpretation. In: Immediations. The Research Journal of the Courtauld Institute of Art. Band 1, 2, 2005, S. 24–39.
  • Hans Jürgen Roth: Ein Abbild des Himmels. Der Aachener Dom – Liturgie, Bibel, Kunst. Thouet, Aachen 2011, S. 53–62 (mit theologischem Schwerpunkt).
  • Walter Maas, Pit Siebigs: Der Aachener Dom. Schnell & Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2445-9, S. 51–52, 54–55.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Barbarossaleuchter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph Buchkremer: Neue Wahrnehmungen am Kronleuchter im Aachener Münster. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins. 24. Band, Aachen 1902, S. 323 (Internet Archive [abgerufen am 13. August 2015]).

Koordinaten: 50° 46′ 29,1″ N, 6° 5′ 2,1″ O