Beck Weathers

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Seaborn Beck Weathers (* 16. Dezember 1946) ist ein amerikanischer Pathologe aus Texas.

Medienwirksame Aufmerksamkeit erzielte er 1996 durch seine besondere Rolle bei der Besteigung des Mount Everest, die im Unglück am Mount Everest (1996) endete und durch eine Vielzahl von Büchern und Filmen festgehalten wurde. Die bekanntesten Werke in diesem Zusammenhang sind In eisige Höhen des Expeditionsteilnehmers und Journalisten Jon Krakauer sowie der auf dieser Buchvorlage basierende Film In eisige Höhen – Sterben am Mount Everest von Robert Markowitz und der Film Everest von Baltasar Kormákur.[1]

Familie und Profession[Bearbeiten]

Der Vater von Beck Weathers war höherer Air Force Offizier, weshalb die Familie mit den Militärstützpunkten häufiger den Wohnort wechselte. Das College besuchte er in Wichita Falls in Texas. Nach dem Medizinstudium stieg er in eine erfolgreiche Arztpraxis ein und heiratete. Er wurde Vater von zwei Kindern. Anlässlich eines Urlaubs in Colorado fing er Feuer für den Bergsport. Er beabsichtigte die Seven Summits zu meistern.[2]

Everest[Bearbeiten]

Gipfelpyramide des Everest von Südwesten (nepalesische Seite). Rechts der Südsattel (Aufenthaltsort von Beck Weathers); die Zacke im oberen rechten Grat ist der Südgipfel
Das Western Cwm (Tal des Schweigens) von dem aus eine der spektakulärsten Helikopterbergungen der Berggeschichte (Bergung von Weathers und Makalu Gau auf Höhe des Camps II in 6400 m Höhe) stattfand

1996 nahm Beck Weathers an einer Besteigung des Mount Everest teil, die seitens des kommerziellen Expeditionsanbieter Adventure Consultants unter der Leitung von Rob Hall durchgeführt wurde. In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai starteten mehrere Expeditionsmannschaften vom Lager IV am Südsattel (7906 m) zum Gipfel.

Die Schwierigkeiten am Berg begannen für Weathers auf Höhe des Balkons bei etwa 8400 Metern, als er, ausgelöst durch die Höhe, infolge einer 18 Monate zuvor erfolgten Augenoperation (radiale Keratomie), erhebliche Sehprobleme bekam.[3] Er konnte alles das, was sich mehr als knapp einen Meter vor seinem Gesichtsfeld abspielte, nicht mehr wahrnehmen. Diese Situation gestand er seinem Expeditionsleiter Rob Hall ein, vorauf verabredet wurde, dass Weathers auf die Rückkunft Halls vom Gipfel warten würde. Danach würde Hall ihn den Berg wieder hinunterführen. Hierbei wurde die Möglichkeit vertan, mit anderen Bergführern beziehungsweise (zahlenden) Kunden bereits früher abzusteigen.[4]

Rob Hall hatte, um den schon im Vorjahr knapp gescheiterten zahlenden Kunden Doug Hansen noch auf den Gipfel zu führen, die selbst festgesetzte Umkehrzeit (14 Uhr) um zwei Stunden überschritten. Im einsetzenden Schneesturm (den Windchill-Faktor eingerechnet wurden circa −75 °C erreicht) war beiden der Abstieg vom Gipfel nicht mehr möglich. Sowohl Hansen als auch Hall ließen bereits in der Nacht beziehungsweise am Folgetag ihr Leben und wurden somit zwei der insgesamt acht Opfer der Tragödie des 10. und 11. Mai.

Kurzfristig bestand Hoffnung für Weathers, als eine Gruppe von Bergsteigern um Mike Groom versuchte, ihn, mit kurzem Seil gesichert, im Abstieg ins Lager IV mitzunehmen. Dies endete im Verirren im Schneesturm (Whiteout) auf dem Südsattel. Die Gruppe kauerte sich zusammen, während Neil Beidleman und Klev Schoening (aus dem „Mountain Madness“-Team) irgendwann eine leichte Aufklarung des Himmels nutzten, um sich zu orientieren und das nur wenige hundert horizentale Meter entfernt gelegene Lager IV zu erreichen. Dreien der Bergsteiger half der alarmierte Guide Anatoli Boukreev wenige Stunden später ins Lager IV. Beck Weathers und seine japanische Teamkollegin Yasuko Namba blieben bewusstlos zurück. Am Morgen des 11. Mai entschieden die übrigen Teilnehmer, dass für die beiden nichts mehr zu tun sei, zumal die Bergsteiger sich selbst in höchste Gefahr begeben hätten, wenn sie Bewusstlose die gefährliche Führe hätten hinunterschleppen müssen.[5]

Trotzdem schaffte es Weathers am späten Nachmittag des 11. Mai, aufzustehen und ins Lager zu laufen. Laut eigener Aussage dämmerte er dahin, bis er seine steifgefrorene rechte Hand direkt vor seinen Augen sah, was ihn schlagartig zurück in die Wirklichkeit holte.[6]

Weathers wurde in einem Zelt (das des weiter oben am Berg sterbenden Expeditionsleiters Scott Fischer) in Schlafsäcke gesteckt und wiederum vernachlässigt: Am Morgen des 12. Mai fand ihn Jon Krakauer wider Erwarten noch lebend, und Pete Athans und Todd Burleson, auf halbem Wege assistiert von Ed Viesturs, Robert Schauer und David Breashears, gelang es, ihn zum Erstaunen aller auf seinen eigenen Füßen über die Lhotse-Flanke bis zum Lager II zu bringen, wo inzwischen ein Arztzelt installiert war. Den Expeditionsarzt Ken Kamler fragte er scherzhaft, ob dieser seine Krankenversicherung akzeptieren würde.[7]

Nach der kompetenten medizinischen Erstversorgung durch Kamler und den Dänen Hendrik Hansen wurde Weathers am Morgen des 13. Mai durch das Western Cwm zum oberen Rand des Khumbu-Eisfalls geführt und in einer der höchstgelegenen Helikopterbergungen durch den nepalesischen Piloten Madan K. C. vom Berg und nach Kathmandu gebracht.[8] Nach dieser spektakulären Rettung musste sich Weathers den rechten Arm bis knapp unter den Ellenbogen amputieren lassen. Der Daumen und alle Finger der linken Hand mussten ebenfalls entfernt werden. Auch seine Nase wurde amputiert und aus Teilen seines Ohres und seiner Stirn rekonstruiert. [9]

Weathers selbst erinnerte sich später:[5]

“Initially I thought I was in a dream. Then I saw how badly frozen my right hand was, and that helped bring me around to reality. Finally I woke up enough to recognize that I was in deep shit and the cavalry wasn’t coming so I better do something about it myself.”

Deutsch: Ich dachte, ich war in einem Traum. Dann sah ich, wie schrecklich erfroren meine Hand war und das half mir, mich zurück in die Realität zu bringen. Schließlich wachte ich genug auf um zu erkennen, dass ich in eine tiefe Scheiße geraten war und dass der Rettungsdienst nicht kommen würde, so musste ich besser selbst etwas unternehmen.

“I was lying on my back in the ice. It was colder than anything you can believe. I figured I had three or four hours left to live, so I started walking. All I knew was, as long as my legs would run, and I could stand up, I was going to move toward that camp, and if I fell down, I was going to get up. And if I fell down again, I was going to get up, and I was going to keep moving until I either hit that camp, I couldn’t get up at all, or I walked off the face of that mountain.[10]

Deutsch: Ich lag auf dem Rücken auf dem Eis. Es war kälter als irgendetwas, das du dir vorstellen kannst. Ich erkannte, dass ich noch drei oder vier Stunden zu leben hätte und so fing ich an zu gehen. Alles was ich wußte war, dass so lange meine Beine sich bewegen würden und ich aufstehen könnte, ich mich auf dieses Camp zu bewegen würde und wenn ich hinfiel, dann stand ich wieder auf. Und wenn ich wieder hinfiel, dann stand ich wieder auf und bewegte mich weiter bis ich entweder das Camp erreichen würde, überhaupt nicht mehr aufstehen könnte oder vom Angesicht dieses Berges verschwunden wäre.

Späteres Leben[Bearbeiten]

Weathers hat ein Buch geschrieben, Left For Dead, welches im Jahr 2000 erschien. Er ist bis heute als Arzt und Motivationspsychologe tätig. Er lebt in Dallas, Texas.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. National Geographic Survivors Look Back
  2. Krakauer: In eisigen Höhen. S. 182 f.
  3. “Left for Dead: My Journey Home From Everest” by Beck Weathers
  4. 1996 Everest Disaster Remembered
  5. a b Beck Weathers
  6. „After the Storm: Into Thin Air Survivors Look Back.“ - (Rückblick Weathers auf seine Verletzungen und das Unglück). In: National Geographic, April 2003. Abgerufen am 29. November 2011.
  7. Ken Kamler, Inside the 1996 Everest Disaster auf youtube
  8. Peter Potterfield, Helicopter on Everest makes History
  9. Krakauer: In eisigen Höhen. S. 352
  10. Beck Weathers: The Badass of the Week. Beck Weathers. In: The Badass of the Week. Abgerufen am 29. Januar 2016.