Berufsorientierung

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Berufsorientierung ist ein Prozess, die spätere Berufswahl durch Informationen über Berufsfelder und Berufe, ihre Bedeutung und ihre Anforderungen zu unterstützen.

Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berufsorientierung lässt sich nur mit einem Fragenkatalog näher einkreisen:

  • Welche Vorbildfunktion haben die Berufe der Erziehungsberechtigten?
  • Welche lokalen, bzw. regionalen wirtschaftlichen Gegebenheiten beeinflussen die Berufswahl?
  • Welche Erwartungen stellt man an seinen Ausbildungsberuf?
  • Welche schulische, körperliche, soziale altersmäßige Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Berufsorientierung hängt eng mit Lebensplanung zusammen und ist als Prozess aufzufassen. So darf der soziale und personelle Zusammenhang mit der unmittelbaren Umgebung des Jugendlichen nicht außer Acht gelassen werden. Es geht also nicht nur um Kompetenzerwerb, sondern auch um die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen.[1]

Berufsorientierung beginnt indirekt bereits im Kindergartenalter, wo z. B. besonders für die Gesellschaft wichtige Berufe positiv dargestellt werden (z. B. Feuerwehrmann). Berufsorientierung ist stets ein Zusammenwirken von Elternhaus, Agentur für Arbeit und Schule. Dabei ist nach den Einschätzungen der betroffene Jugendlichen selbst die schulische Wirkung eher gering. Für die Jugendlichen rangieren die Erfahrungen, die sie in Betriebspraktika machen, neben den Beratungen der Eltern an der Spitze der Informationsmöglichkeiten. Neben den genannten Hilfen orientieren sich die Schüler zunehmend im Internet. Versuche, zwischen Berufswunsch und den Bedingungen, die die Ausbildung fordert, Passgenauigkeit herzustellen, berücksichtigen nicht, dass Berufsorientierung ein individueller Prozess ist, in dem die Zustimmung zu dem Beruf eine Anpassung verlangen, die von den Bewerbern geleistet werden muss, soll es zu einer erfolgreichen Ausbildung kommen.

Berufsorientierung ist abseits der Berufsvorbereitung, die ein primäres Lernziel der berufsbildenden Schule ist, im Rahmen der Allgemeinbildung in Curriculum und Lehrplan verankert.

Aber auch außerhalb der Schule lassen sich Möglichkeiten zur Berufsorientierung finden. So bieten "Career-Days" verschiedenster Unternehmen Einblicke in die jeweilige Firma. Wenn man noch keine oder nur sehr vage Vorstellungen hat, kann man umfangreiche Datenbanken im Netz abfragen, z.B. "BerufeNet" der Bundesagentur für Arbeit oder auch auf Jugendmagazine zum Thema Berufsorientierung zurückgreifen. Um mehr Infos oder die eigenen Fragen beantwortet zu bekommen, eignet sich der Besuch auf einer Verbrauchermesse zum Thema Berufsorientierung. Dort sind nicht nur Unternehmen vertreten, sondern auch Ansprechpartner von Unis und Fachhochschulen.[2]

Berufsorientierung ist etwas sehr Individuelles und frühzeitig und bewusst anzugehen. Beginnend mit der Erkenntnis eigener Stärken und Schwächen sind möglicher Berufswunsch und geplante Praktika abzuleiten. So besteht die Chance, dass Jugendliche erfolgreich werden und sich frühzeitig mit den notwendigen Kriterien der Ausbildungsreife und weiteren Anforderungen der Ausbildungsbetriebe auseinandersetzen können. Es gilt zu vermeiden, dass Ausbildungsstellen wegen falscher oder fehlender Orientierung abgebrochen werden.

Ähnliches gilt für die Umschulung Erwachsener.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Grundschule sowie den 5. und 6. Klassenstufen findet man Berufsorientierung im Bildungsplan einiger Bundesländer. In Hamburg wurde im Jahr 2003 das Aufgabengebiet Berufsorientierung sogar in den Bildungsplan der Grundschule aufgenommen.

Der Prozess der Berufsorientierung wird von Jugendlichen in den Hauptschulen ab Klasse 8 und in den Realschulen ab Klasse 9 abgefordert, da in den 9. Klassen in diesen Schulformen meist ein zwei - bis dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum absolviert wird. Vorbereitet werden die Schüler häufig mit Hilfe der Materialien der Bundesagentur für Arbeit, die im Unterricht oder am PC bearbeitet werden. In manchen Schulen finden noch weiter gehende berufsorientierende Maßnahmen statt. Im Rahmen von bestimmten Projektwochen finden gezielte Betriebserkundungen oder Berufsorientierungswochen statt. Mit Hilfe außerschulischer Lernpartner erleben die Schüler vor Ort betriebliche Wirklichkeit, die sie unterrichtlich, bzw. mit Hilfe der Berufsberatung aufarbeiten. Berufsorientierung ist ein Prozess, in dem Schule, Berufsberatung und Elternhaus zusammenwirken. Für die betroffenen Schüler liegt der übergeordnete Wert bei den Beratungen durch die Eltern und bei den Erfahrungen, die sie in Betriebspraktika machen. In diesem Prozess sehen die Schüler einen eher geringeren Informationswert durch die Schulen. Ein Modell "Auszubildenden helfen Schülern bei der Berufswahl - Gelungene Berufsorientierung durch Praktika" - In diesem Modell informieren Auszubildende in ihren Betrieben die Praktikanten (Schüler) über Berufs- und Betriebschancen.

Über 3.000 Schulen nehmen am Berufsorientierungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teil, in dem Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klasse zunächst ihre individuellen Stärken erkunden und dann in Lehrwerkstätten verschiedene Berufe selbst austesten.

In den Gymnasien findet das Praktikum in den 10. Jahrgängen statt. In der gymnasialen Oberstufe gibt es verschiedene Unterstützungsangebote zur Studien- und Berufswahl, beispielsweise das Entscheidungstraining BEST.

Berufsorientierung in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In schulischen Sektor gibt es verschieden Ansätze:

Berufsorientierung findet nicht nur in der Schule statt: Durch das Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich werden in allen Bundesländern Kurse für alle Altersklassen über die verschiedenen Bildungsträger (z. B.: BFI, WIFI, Berufsverbände, Kammern, Volkshochschulen, etc.) angeboten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beinke, Lothar, 2014, Reformmodelle in der Berufsorientierung Das Beispiel der Patenschaft, Frankfurt am Main, u.a.
  • ders., 2012, Berufsorientierung – ein System, Frankfurt/Main, u.a.
  • ders., 2008, Das Internet – ein Instrument zur Berufsorientierung?, Frankfurt/Main, Peter Lang
  • Claudia Wiepcke: Gender-Didaktik und Berufsorientierung – Förderung von Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt. In: Journal Netzwerk Frauenforschung 26/2010, Dortmund, S. 48-57. online
  • Ingo Nickel: Von Kerschensteiner bis zur Lernwerkstatt. Hohengehren 2005, ISBN 3-89676-981-2
  • Praxismappe. Berufsorientierung am Gymnasium. Guben 2005, ISBN 3935881312
  • Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Bildung und Sport: Rahmenplan Aufgabengebiete. Bildungsplan Grundschule, 2003. online
  • Lothar Beinke: Berufsorientierung und peer-groups und die berufswahlspezifischen Formen der Lehrerrolle. Bad Honnef 2004, ISBN 3-87066-927-6
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Berufswahlpass c/o Behörde für Schule und Berufsbildung 22083 Hamburg (Hrsg.): Berufswahlpass. Völlig neu überarbeitete Ausgabe Mai 2009.
  • Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung (2000): Berufsorientierung und Arbeitsmarkt. Hrsg. v. H.-J. Schlösser, Wirtschafts- und Berufspädagogische Schriften Bd. 21, Bergisch Gladbach.
  • Retzmann, Thomas / Seeber, Günther [Hrsg.]: Ausbildungsmarkt. Unterricht Wirtschaft. Heft 39, 10. Jg. 2009.
  • Franziska Rieder/Klaus Schneider: Leitfaden zur biographischen Reflexion. Luxemburg 2011. ISBN 9782959973383
  • Anne Scheller/Clemens Muth: Finde raus, was DU drauf hast: Der persönliche Berufs-Check-Up für Jugendliche. Karlsruhe, 2011. ISBN 978-3-940257-12-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Famulla, Gerd-E. /Butz, Bert / Deeken, Sven / Michaelis, Ute / Möhle, Volker / Schäfer, Birgit (2008): Berufsorientierung als Prozess. Persönlichkeit fördern, Schule entwickeln, Übergang sichern. Hohengehren.
  2. Buss, Denis / Tillmann, Anke: Aus dir wird was! Alles zur Studien- und Berufswahl. Köln 2010. S. 78f. ISBN 978-3-00-032684-4
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBildungsanliegen: Berufsorientierung. BMUKK Medienpool, abgerufen am 17. November 2008.