Gorran

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بزوتنه‌وه‌ی‌ گۆڕان
Bzutinewey‌ Gorran
Bewegung für Wandel
Nawschirwan Mustafa 2007
Partei­vorsitzender Nawschirwan Mustafa
Gründung 2009
Haupt­sitz Sulaimaniyya
Aus­richtung Demokratie, Bürgerrechte, Bekämpfung von Korruption, Soziale Gerechtigkeit, Föderalismus, Kurdischer Nationalismus
Farbe(n) dunkelblau
Parlamentssitze Im Repräsentantenrat: 8 von 325
Im Parlament Kurdistans: 24 von 111
Website gorran.net
Wahlplakate der Liste für Wandel in Arbil 2009

Gorran (kurdisch بزوتنه‌وه‌ی‌ گۆڕان‎ Bzutinewey‌ Gorran), auch bekannt als Liste für Wandel (Lîstî Gorran) oder Bewegung für Wandel ist eine kurdische politische Partei in der autonomen Region Kurdistan[1] unter der Führerschaft von Nawschirwan Mustafa. Sie wurde im Jahr 2009 als Opposition zur regierenden Zwei-Parteien-Koalition aus der Demokratischen Partei Kurdistan und der Patriotischen Union Kurdistans gegründet.

Ziele und Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liste für Wandel veränderte die politische Landschaft in den kurdischen Gebieten des Irak.[2] Die Unterstützung für die Bewegung stammt zum einen aus ihrem jungen, dynamischen Image, zum anderen aus ihrem Einsatz für nationale Versöhnung im Irak[3], so plädiert sie z.B. in Kirkuk für gemeinsames Engagement gegen Korruption über ethnische Grenzen hinweg.[4] Sie ruft zu einem Ende des Machtmonopols von KDP und PUK auf.[5] Eines der Hauptziele der Liste für Wandel ist es, die grassierende Korruption zu bekämpfen.[6][3] Die Liste wirft der KDP und der PUK vor, dass sie eine schlechte Arbeit bei der Förderung kurdischer Interessen im Bundesparlament in Bagdad geleistet haben.[7]

Die Partei ist aufgrund ihrer Kampagne gegen die Patronage vergleichsweise beliebt unter der Jugend in Kurdistan.[8] Sie besteht überwiegend aus früheren PUK/KDP-Mitgliedern, aus ehemaligen Peschmerga und aus Akademikern.[9] Die Unterstützer der Liste wurden bislang oft mit teils gewalttätigen Mitteln eingeschüchtert.[10] Gorran wird als Hauptopposition zur KDP-PUK-Allianz betrachtet, speziell in den von der PUK dominierten Gebieten. Die meisten ihrer Mitglieder, einschließlich Nawschirwan Mustafa, sind ehemalige Funktionäre der PUK.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm der Partei für die Wahlen 2009 hatte zum Ziel, die Regionalregierung zu entpolitisieren, die Justiz zu stärken, die politische Einmischung in die Wirtschaft zu begrenzen und das Budget transparenter zu gestalten. Während die Bewegung den Föderalismus für Irakisch-Kurdistan unterstützt, betont sie auch, dass Unstimmigkeiten mit der Zentralregierung durch Dialog basierend auf der irakischen Verfassung gelöst werden könnten.[11] Sie verlangt von ihren Kandidaten arabische Sprachkenntnisse.[4]

Die Liste für Wandel gewann insgesamt 24 Sitze bei den Wahlen vom September 2013[12] was sie zur zweitstärksten Liste bei der Wahl direkt hinter der KDP machte. Die Partei sieht die Wahlergebnisse als großen Sieg. Sie erhielt in der Provinz Sulaimaniyya über 40 % der Stimmen und wurde stärkste Partei.[13]

Im Jahre 2011 rief die Partei zum Rücktritt des Kabinetts sowie zur Auflösung der kurdischen Regionalregierung auf und unterstützte Proteste, die sich die Revolution in Ägypten 2011 zum Vorbild nahmen. Dies war begleitet von Aktionen gegen die beiden herrschenden Parteien. Nawschirwan Mustafa ging aber, vermutlich nachdem ihm inoffiziell eine Machtbeteiligung in der Kurdistanregion zugesagt wurde, auf Distanz zu den Protesten[14]. Amnesty International und Human Rights Watch haben dazu gedrängt, dass die Proteste erlaubt werden sollten, und haben eine unabhängige Untersuchung der Todesfälle von Demonstranten angemahnt.[15]

Im Oktober 2015 rief Gorran zu Protesten gegen die Regierung der Kurdistanregion und ihren Präsidenten Masud Barzani auf. Anlass waren zunächst ausbleibende Gehälter für Beamte und Soldaten der Peschmerga. Die Proteste in Sulaimaniyya und anderen Orten im Süden der Kurdenregion richteten sich jedoch auch gegen Barzanis Vorhaben, seine Amtszeit entgegen der Verfassung verlängern zu lassen, und nahmen einen gewalttätigen Charakter an. Büros der Barzani-Partei KDP wurden demoliert, zwei Personen wurden getötet. Barzani ließ daraufhin die Gorran angehörenden Minister der Region aus Erbil ausweisen und den Fernsehsender Gorrans schließen.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Format„Goran“ opposition movement becomes political party. medyanews.com, 2. Oktober 2011, abgerufen am 2010-21-21.
  2.  New Kurdish party to challenge polls. In: BBC. 6. März 2010 (news.bbc.co.uk, abgerufen am 8. Oktober 2015).
  3. a b  Michael M. Gunter: Historical Dictionary of the Kurds. Scarecrow Press, 4. November 2010, ISBN 978-0-8108-7507-4, S. 105 (books.google.com, abgerufen am 2. Dezember 2015).
  4. a b Up on the Hill is where you’ll find us. blog.fpc.org.uk, 3. Juni 2010, abgerufen am 3. Juni 2010.
  5. Reformist gains in Kurdish vote shake Iraq’s quiet north. In: The Independent. Abgerufen am 8. Oktober 2015 (britisches englisch).
  6. Goran leaves Iraq’s Kurdish alliance with less clout al-Arabiya abgerufen am 1. Februar 2011.
  7.  The Kurdish way. In: The Economist. ISSN 0013-0613 (economist.com, abgerufen am 8. Oktober 2015).
  8.  Anthony H. Cordesman, Adam Mausner, Elena Derby: Iraq and the United States: Creating a Strategic Partnership. CSIS, 1. Januar 2010, ISBN 978-0-89206-595-0 (books.google.com, abgerufen am 8. Oktober 2015).
  9.  Sam Dagher: Opposition Rattles a Governing Coalition in Iraqi Kurds’ Vote. In: The New York Times. 26. Juli 2009, ISSN 0362-4331 (nytimes.com, abgerufen am 8. Oktober 2015).
  10. Kurdish Iraq: An Emerging Success CBS News abgerufen am 1. Februar 2011.
  11. Kurdish election lists, Niqash, 30. Juni 2009
  12. IHEC announced final results of Iraq's Kurdistan Parliamentary elections 2013, ekurd.net, 2. Oktober 2013
  13. Results. In: Rudaw. Abgerufen am 8. Oktober 2015.
  14. Thomas Schmidinger: Neue Spielräume. Wie die KurdInnen in Irak und Syrien den Arabischen Frühling für sich nutzen, iz3w, Nr. 330, Mai/Juni 2012, PDF (PDF)
  15.  Iraqis protest in Kurdish region, capital. In: Reuters. 19. Februar 2011 (reuters.com, abgerufen am 8. Oktober 2015).
  16. Arnold Hottinger, Die Kurden streiten um ihre Führung, journal21.ch, 12. Oktober 2015