Bibliodrama

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Bibliodrama ist eine kreativ-darstellende Zugangsweise zu den alten biblischen Texten und gleichzeitig zur eigenen Persönlichkeit. Die Teilnehmenden übernehmen Rollen aus dem biblischen Text und agieren diese in improvisierendem Spiel in einer Gruppe aus. Bibliodrama-Prozesse werden im Normalfall von ausgebildeten Fachleuten geleitet.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Identifikation mit biblischem Geschehen, den Personen, Bildern und Symbolen geht es darum, die darin angesprochenen menschlichen Grunderfahrungen

  • handelnd zu ergründen und ähnliche Erfahrungen bewusst werden zu lassen oder neu zu entdecken;
  • mit den Lebenserfahrungen in der heutigen Gesellschaft zu vergleichen;
  • mit den eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen zu konfrontieren und dadurch den eigenen Lebens- und Glaubensprozess zu fördern.

Aufgabe der Leitungsperson ist es, immer neu den Ausgleich zwischen den drei Polen Bibeltext - Gruppe - Individuum zu schaffen. Sie eröffnet durch eine klare Anleitung des jeweiligen Settings "Spielräume", die die Teilnehmenden mit ihrer Persönlichkeit füllen können.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dramatisierungen biblischer Texte haben lange Tradition (u. a. mittelalterliche Mysterienspiele). Berühmteste Form davon waren und sind immer noch Passionsspiele wie in Oberammergau. Seit den 1960er Jahren wurden von verschiedenen Seiten her, besonders in Deutschland, Spielformen und Methoden der (kirchlichen) Gruppenarbeit entwickelt, in denen es nicht mehr um die Aufführung und den kathartischen Effekt bei den Zuschauenden ging, sondern wo das persönliche und Gruppen-Erleben der Spielenden im Zentrum steht.

Bibliodrama hat viele Quellen: Kreative Bibelarbeit, Theaterpädagogik, Rollenspiel, themenzentriertes Theater (TZT), themenzentrierte Interaktion (TZI), Gestalttherapie, Psychodrama, Playbacktheater, verschiedene Formen von Körperarbeit uvm. Dementsprechend gibt es auch unterschiedliche Ausgestaltungen davon.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibliodrama wird meist in religiöser und kirchlicher Erwachsenenbildung eingesetzt. Mit bibliodramatischen Elementen kann aber auch im Religionsunterricht oder in der Jugendarbeit gearbeitet werden. Es kann in Workshops von 2 bis 3 Stunden oder über mehrere Tage hinweg wirksam umgesetzt werden.

Abgeleitet vom Psychodrama, in dem in therapeutischer Absicht Situationen aus der Biografie nachgespielt werden, wird Bibliodrama auch in seelsorgerlichen oder therapeutischen Kontexten eingesetzt. Dabei wird davon ausgegangen, dass biblische Texte archetypische Krisensituationen aufnehmen. Im bibliodramatischen Spiel werden diese Krisen wieder durchlebt, neu gedeutet und eventuell überwunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrea und H.-Hermann Brandhorst, Else Natalie Warns, Heinrich Fallner (Hrsg.): Bibliodrama als Prozess: Leitung und Beratung. EB-Verlag, Berlin 2012, 3. erweiterte Auflage (1. Auflage 1994), ISBN 978-3-86893-054-2
  • Gerhard Marcel Martin, Sachbuch Bibliodrama. Praxis und Theorie. EB-Verlag, Berlin 2011, 3. überarbeitete Auflage (1. Auflage 1995), ISBN 978-3-86893-049-8
  • Klaus-Werner Stangier: Jetzt. Bibliodrama im Spannungsfeld von Psychodrama und Liturgie. inScenario Verlag, Köln 1997, ISBN 3-929296-08-X
  • Heiner Aldebert: Spielend Gott kennenlernen. Bibliodrama in religionspädagogischer Perspektive. EB-Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-930826-70-4
  • Textraum, Zeitschrift der Gesellschaft für Bibliodrama, Bielefeld, ISSN 1860-9686
  • Anneliese Hecht: Bibel erfahren - Methoden ganzheitlicher Bibelarbeit. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2001, ISBN 3-460-25279-0
  • Wolfram Washof: Die Bibel auf der Bühne - Exempelfiguren und protestantische Theologie im lateinischen und deutschen Bibeldrama der Reformationszeit. Rhema-Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-930454-63-1

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]